Climashield Apex Funktionsmaterial
Isolation Redaktion Outdoorberater Stand 10/2026
Climashield Apex ist unter den gängigen Kunstfaserisolationen die Ausnahme: Es besteht nicht aus kurzen, geschnittenen Fasern, sondern aus durchgehenden Filamenten, die ununterbrochen über die gesamte Breite der Bahn laufen. Aus diesem einen Konstruktionsmerkmal folgt fast alles, was das Material auszeichnet und was es einschränkt.
Es ist deshalb das beste Beispiel dafür, dass bei Isolation nicht nur die Faser zählt, sondern wie sie zusammengehalten wird. Zwei Materialien mit ähnlichem clo-Wert können sich im Schlafsack nach fünf Jahren völlig unterschiedlich verhalten.
Warum Climashield Apex keine geschnittenen Fasern nutzt
Die meisten Kunstfaserisolationen — PrimaLoft Gold, Coreloft, Thinsulate — arbeiten mit Stapelfasern: kurzen Abschnitten von wenigen Zentimetern Länge, die zu einem Flor gelegt und an ihren Berührungspunkten verbunden werden. Das ergibt ein weiches, feines, gut komprimierbares Vlies. Es hat aber zwei eingebaute Schwächen. Die Fasern können aus dem Verbund wandern und sich an einer Stelle sammeln, und die Verbindungspunkte ermüden unter wiederholter Stauchung, so dass das Vlies mit der Zeit flacher wird und nicht mehr vollständig zurückkommt.
Climashield geht den anderen Weg. Die Filamente werden nicht geschnitten, sondern laufen als durchgehender Strang quer durch die ganze Bahn. Damit ist das Vlies ein zusammenhängendes Netz und keine Ansammlung loser Einzelteile. Eine Faser kann nicht wandern, weil sie an beiden Enden im Gefüge steckt, und die Struktur bricht nicht an Verbindungspunkten zusammen, weil die Last über die Filamentlänge verteilt wird.
Dazu kommt die Faserstärke. Climashield arbeitet mit vergleichsweise dicken Fasern von rund 22 Mikrometern. Eine dicke Faser knickt nicht so leicht und richtet sich nach der Entlastung zuverlässiger wieder auf als eine Mikrofaser unter einem Denier. Der Preis dafür steht auf der anderen Seite der Rechnung: Dickere Fasern bedeuten weniger Fasern je Gramm, also ein gröberes Netz und damit etwas weniger Wärme je Gewicht.

Warum die Faserlänge zählt
Zwei Kunstfaserisolationen können gleich dick und gleich warm sein und sich trotzdem grundverschieden verhalten — je nachdem, wie lang ihre Fasern sind.

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Kurze Stapelfasern
Geschnittene Fasern von begrenzter Länge, wirr übereinander. So entsteht viel ruhende Luft — der eigentliche Dämmstoff.
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Viele Faserenden
Jedes Ende ist eine Stelle, an der sich die Faser verschieben kann. Nach vielen Waschgängen und Packvorgängen wandert das Material und hinterlässt dünnere Zonen.
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Durchgehende Filamente
Hier läuft jeder Faden ununterbrochen von Kante zu Kante. Es gibt kaum Enden, also kaum Ansatzpunkte zum Wandern.
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Schicht für Schicht
An der Schnittkante liegen dieselben langen Fäden in Lagen übereinander. Solche Bahnen lassen sich ohne Steppnähte verarbeiten — die Isolation braucht keine Kammern.
Endlosfilament hält seine Verteilung länger und kommt ohne Durchsteppung aus, das spart Kältebrücken. Stapelfaser ist dafür weicher im Griff und lässt sich kleiner packen. Beides sind Kunstfasern — der Unterschied liegt allein in der Faserlänge.

Was 0,82 clo je Unze in Zentimeter Bausch bedeuten
Händlerdatenblätter geben für Apex einen trockenen CLO-Wert von 0,82 je Unze und Quadratyard an, gleichbleibend über alle lieferbaren Flächengewichte. Diese Normierung erlaubt eine einfache Rechnung: Flächengewicht in Unzen je Quadratyard mal 0,82 ergibt den Gesamt-clo der Lage.
5 oz/yd² × 0,82 clo = rund 4,1 clo für die LageInteressanter als die Zahl allein ist der Bausch, den das Material dabei aufbaut. Die lieferbaren Gewichte und ihre Dicken zeigen, wie viel Volumen ein Endlosfilament je Gramm hält.
| Flächengewicht | entspricht etwa | Bausch | Gesamt-clo rechnerisch |
|---|---|---|---|
| 2,5 oz/yd² | 85 g/m² | 1,5 cm | 2,1 |
| 3,6 oz/yd² | 122 g/m² | 2,3 cm | 3,0 |
| 5,0 oz/yd² | 170 g/m² | 3,0 cm | 4,1 |
| 7,5 oz/yd² | 254 g/m² | 4,6 cm | 6,2 |
| 10,0 oz/yd² | 339 g/m² | 6,2 cm | 8,2 |
Die Umrechnung von Unzen je Quadratyard in Gramm je Quadratmeter geschieht mit dem Faktor 33,9. Die clo-Spalte ist gerechnet, nicht gemessen — sie ergibt sich aus der Händlerangabe von 0,82 je Unze. Im Vergleich zu PrimaLoft Gold mit 0,92 liegt Apex je Gewicht etwa zwölf Prozent zurück, baut dafür aber mehr Bausch auf: Bei sechs Unzen je Quadratyard ist eine Apex-Lage rund einen Zentimeter dicker als eine Gold-Lage desselben Gewichts.
Für die Kaufentscheidung ist diese Spalte die greifbarste Größe, die ein Kunstfaservlies überhaupt liefert: Sie sagt, wie viel Gewicht für wie viel Wärme mitgeht. Welche Rolle sie neben Form, Komforttemperatur und Packmaß spielt, ordnen die Kriterien bei der Schlafsackauswahl ein; dort steht auch, warum ein um 200 Gramm schwererer Sack mit mehr Bausch im Zweifel die bessere Nacht ergibt.
Kein Scrim, keine Steppnaht: was Apex dadurch spart
Weil die Bahn sich selbst zusammenhält, wird Apex ohne Trägerlage geliefert und braucht nach Herstellerangabe kaum oder gar keine Absteppung. Stapelfaservliese brauchen beides: Ein Scrim verhindert, dass Fasern durch den Oberstoff wandern, und Steppnähte halten das Vlies im Zuschnitt an Ort und Stelle — bei PrimaLoft Gold werden dafür sechs Zoll empfohlen.
Jede dieser Steppnähte ist eine Stelle, an der die Isolation auf null gedrückt wird, also eine Kältebrücke. Ein Schlafsack mit Apex kann ohne solche Brücken gebaut werden; Oberstoff, Isolation und Innenstoff werden nur am Rand verbunden. Das ist der Hauptgrund, warum das Material in der Selbstbau- und Kleinserienszene so verbreitet ist: Es verzeiht einfache Konstruktionen. Was durchgesteppt bedeutet und welche Alternativen es gibt, steht gesondert erklärt.
Der Unterschied zur Daune ist hier grundsätzlich: Daune ist lose und muss in abgenähte Kammern gesperrt werden, sonst rutscht sie an den tiefsten Punkt. Welche Kammerbauweisen es dafür gibt und was sie an Gewicht kosten, zeigt die Seite zu den Füllkammern. Apex spart sich diesen ganzen Aufwand — eine Bahn, ein Zuschnitt, Nähte nur am Rand.
Von Polarguard zu Climashield: woher das Vlies stammt
Die Bauweise ist älter als der Markenname. Durchgehendes Filament als Isolation kam Anfang der 1970er Jahre unter der Bezeichnung Polarguard auf den Markt. Das herstellende Unternehmen gab das Geschäft später auf; Harvest Consumer Insulations übernahm die Fertigung und führt das Produkt seitdem als Climashield. Polarguard selbst wird nicht mehr vermarktet, so dass Climashield heute der im Wesentlichen einzige Anbieter von Endlosfilament-Isolation im Outdoor-Markt ist.
Der Hersteller verweist auf über drei Jahrzehnte Zusammenarbeit mit den US-Streitkräften bei der Entwicklung von Isolationen für taktische Anwendungen. Das erklärt die Prioritäten des Materials: Haltbarkeit über viele Kompressionszyklen stand dort immer vor dem letzten Gramm Gewichtsersparnis.
Für die Kaufentscheidung heißt das: In einem Kunstfaserschlafsack, der jahrelang täglich komprimiert wird, ist Apex meist die bessere Wahl als ein feines Mikrofaservlies. Der Nachteil von zwölf Prozent im Datenblatt ist nach etwa drei Saisons oft ausgeglichen, weil die Mikrofaser Bausch verloren hat und das Filament nicht. In einer Winterjacke, die weich fallen und klein packen soll, gilt das Gegenteil: Dort ist Apex spürbar steifer und sperriger als jedes Mikrofaservlies.
Wie ein Filament über die ganze Bahnbreite entsteht
Die Herstellung erklärt, warum durchgehendes Filament überhaupt möglich ist. Beim Spinnen tritt geschmolzenes Polyester durch die Düsen aus und erstarrt zu einem Strang. Für Stapelfaser wird dieser Strang anschließend gekräuselt und auf eine Länge von wenigen Zentimetern geschnitten; die kurzen Abschnitte lassen sich dann wie Watte zu einem Flor legen.
Bei der Endlosfilament-Herstellung entfällt dieser Schnitt. Der Strang wird stattdessen über die ganze Bahnbreite hin- und hergelegt, so dass jede Faser mehrfach die Bahn quert und mit sich selbst und den Nachbarsträngen ein Netz bildet. Das Ergebnis ist eine Vliesbahn, in der es im Grunde keine Faserenden gibt — und wo keine Enden sind, kann nichts ausfransen und nichts wandern. Genau daraus folgt, dass weder eine Trägerlage noch eine engmaschige Steppung gebraucht wird.
Dieses Verfahren hat auch eine Beschränkung. Es eignet sich nur für vergleichsweise grobe Fasern, weil ein sehr feiner Strang beim Verlegen reißen würde. Darum liegt Climashield mit rund 22 Mikrometern bei einer Faserstärke, die Mikrofaservliese weit unterbieten. Die Bauweise und die Faserfeinheit lassen sich also nicht kombinieren — man bekommt entweder Formstabilität oder die beste Dämmleistung je Gramm, nicht beides.
Woran man einen gut gebauten Apex-Schlafsack erkennt
Bei fertigen Produkten mit Apex-Füllung ist die wichtigste Angabe das Flächengewicht in Unzen je Quadratyard oder Gramm je Quadratmeter, denn daraus lässt sich der Gesamt-clo direkt ausrechnen. Anders als bei den meisten Markenisolationen geben Hersteller diesen Wert bei Apex häufig an, weil das Material vor allem von kleinen Manufakturen und im Selbstbau verwendet wird, deren Kundschaft damit rechnet.
Der zweite Punkt ist die Nahtführung. Weil Apex keine Steppung braucht, sollte eine gut gebaute Jacke oder ein Quilt auch keine haben — große, ununterbrochene Flächen sind hier kein Mangel, sondern das Konstruktionsziel. Wo eine Apex-Jacke trotzdem engmaschig abgesteppt ist, verschenkt der Hersteller Wärme ohne Gegenleistung.
Wofür Apex zu steif ist
Was Apex nicht kann, ergibt sich aus derselben Bauweise. Es lässt sich schlechter komprimieren als Stapelfaser und fühlt sich steifer an. In figurnahen Kleidungsstücken merkt man das sofort: Die Bahn will ihre Fläche behalten und legt sich nicht so bereitwillig um den Körper. Für Handschuhe, Ärmel und alles Kleinteilige ist es deshalb kaum geeignet.
Apex waschen: 30 Grad, kein Weichspüler, kein Aufschütteln
In der Pflege ist das Material unproblematisch. Es verträgt die Maschine, es verfilzt nicht, und es muss nicht erst mühsam wieder aufgeschüttelt werden, weil nichts zu vereinzeln ist. Schonwaschgang bei dreißig Grad, Flüssigwaschmittel ohne Weichspüler, Trockner bei niedriger Temperatur — mehr verlangt eine Apex-Füllung nicht.
Beim Lagern gilt dieselbe Regel wie für jede Isolation: locker aufbewahren, nicht dauerhaft im Packsack. Auch ein Filament ermüdet, nur langsamer als ein Stapelfaservlies. Wie oft gewaschen werden sollte und was ein Inlett daran ändert, steht bei der Pflege des Schlafsackes.

