Coreloft Funktionsmaterial
Isolation Redaktion Outdoorberater Stand 10/2026
Coreloft ist die Isolationsmarke des kanadischen Herstellers Arc'teryx. Sie steckt in den meisten isolierten Modellen des Hauses — von der leichten Übergangsjacke bis zur Winterparka — und ist damit eines der verbreitetsten Markenvliese im gehobenen Outdoor-Segment.
Anders als bei PrimaLoft oder Thinsulate steht hinter dem Namen kein Faserhersteller, sondern eine Spezifikation: Arc'teryx lässt das Material nach eigenen Vorgaben fertigen und vermarktet es unter eigenem Namen. Das ist in der Branche üblich und erklärt, warum zu Coreloft weniger technische Veröffentlichungen existieren als zu den großen Zulieferermarken.
Was Arc'teryx selbst über den Aufbau sagt
Die Beschreibung des Herstellers ist für Markenisolationen ungewöhnlich präzise: stark gekräuseltes, silikonisiertes Polyestergarn in gemischten Deniers, verarbeitet zu einem Vlies aus hundert Prozent Polyester-Stapelfaser. Drei Begriffe stecken darin, und jeder beschreibt eine eigene Funktion.

Vlies, Büschel oder Kugeln
Synthetische Isolation kommt in drei Bauformen in die Jacke, und sie unterscheiden sich nicht im Material, sondern darin, wie es eingefüllt wird. Daran hängt, ob die Füllung verrutschen kann, wie sie sich packen lässt und wo sie dünne Stellen bekommt.
Durchgehendes Vlies
Eine zusammenhängende Matte

Die Matte kann nicht verrutschen, braucht aber Steppnähte, um an ihrem Platz zu bleiben — und an jeder dieser Nähte ist die Füllhöhe null.
- Im Gebrauch
- Der Normalfall, günstig und formstabil
Lose Büschel
Wie Daune eingeblasen

Einzelne Büschel werden wie Daune in Kammern geblasen. Keine Steppnähte, dafür braucht es Kammern — und die Büschel können sich darin verlagern.
- Im Gebrauch
- Jacken, die sich wie Daune anfühlen sollen
Gerollte Kugeln
Faserkügelchen mit Lücken

Die Kugeln lassen sich gut packen und federn wieder auf. Zwischen ihnen bleiben aber Lücken, die nichts dämmen — Volumen allein ist noch keine Wärme.
- Im Gebrauch
- Leichte, stark komprimierbare Jacken
Entscheidend ist nicht die Bauform, sondern wie gleichmäßig die Füllung am Ende liegt. Ein durchgestepptes Vlies hat kalkulierbare dünne Stellen an den Nähten; eingeblasene Büschel haben keine — bis sie sich nach ein paar Wäschen verlagert haben und die Jacke oben dicker ist als unten.

Gekräuselt heißt, dass die Faser nicht gerade verläuft, sondern wellig oder spiralig geformt ist. Eine gerade Faser lässt sich flach zusammenlegen; eine gekräuselte sperrt sich dagegen, weil die Krümmung unter Druck federt. Die Kräuselung ist das, was das Vlies nach der Stauchung wieder aufrichtet — bei Isolation ist Rückstellvermögen mindestens so wichtig wie die anfängliche Dicke, denn eine Jacke wird im Gebrauch ununterbrochen zusammengedrückt.
Gemischte Deniers bedeutet, dass nicht alle Fasern gleich stark sind. Dünne Fasern füllen den Raum und vervielfachen die Zahl der Hindernisse für die Luftbewegung; dickere Fasern bilden das Gerüst, das den Raum offen hält. Dasselbe Prinzip liegt den Mikrofaservliesen der Konkurrenz zugrunde, und es ist der eigentliche Grund, warum Markenisolation besser dämmt als eine gleichförmige Billigwatte.
Silikonisiert schließlich beschreibt eine Ausrüstung der einzelnen Faseroberfläche. Sie senkt die Oberflächenenergie, so dass sich kein Wasserfilm bildet und sich die Fasern zugleich leichter gegeneinander verschieben — das Vlies wird weicher und erholt sich nach der Kompression besser. Beides zusammen ist der Grund, warum der Hersteller von guter Bauscherhaltung und hoher Komprimierbarkeit spricht.
Coreloft 40 bis 140: welches Gewicht wohin gehört
Coreloft wird nicht in einer Stärke angeboten, sondern nach Flächengewicht abgestuft, und die Zahl hinter dem Namen ist genau dieses Gewicht in Gramm je Quadratmeter. Daneben stehen zwei Bauvarianten.
| Bezeichnung | Flächengewicht | Bauform | Typische Verwendung |
|---|---|---|---|
| Coreloft Compact 40 | 40 g/m² | verdichtet, halbe Dicke | sehr leichte Zwischenlagen |
| Coreloft Compact 60 | 60 g/m² | verdichtet, halbe Dicke | Übergangsjacken, Ärmel und Flanken |
| Coreloft 80 | 80 g/m² | Standardvlies | leichte Isolationsjacken |
| Coreloft 100 | 100 g/m² | Standardvlies | Allround-Isolationsjacken |
| Coreloft 140 | 140 g/m² | Standardvlies | Winterware, Rumpfpartien |
Coreloft Compact ist dabei die interessantere Ausführung. Nach Herstellerangabe durchläuft das Vlies ein zusätzliches Verfahren, das seine Dicke um etwa die Hälfte verringert, ohne die Dämmleistung im gleichen Maß zu senken. Der Vorteil liegt in Schnittführung und Packmaß: Ein flacheres Vlies trägt weniger auf, lässt sich unter einer Hardshelljacke tragen, ohne zu stauen, und knittert nicht. Der Nachteil liegt auf der Hand — Dämmung entsteht aus eingeschlossener Luft, und wer das Volumen halbiert, gibt einen Teil davon auf.
Genau deshalb sitzt Coreloft Compact typischerweise in der mittleren Schicht eines Lagenaufbaus, nicht als äußere Jacke: Es soll Wärme liefern, ohne unter der Hülle aufzutragen. Wie sich die drei Lagen aufeinander abstimmen lassen, beschreibt das Zwiebelschalenprinzip; die Standardvliese ab 80 g/m² dagegen stecken meist in Jacken, die auch allein getragen werden.
Dass Hersteller unterschiedliche Gewichte in einem Kleidungsstück verbauen, ist bei Arc'teryx gängige Praxis und keine Sparmaßnahme: Am Rumpf, wo der Körper Wärme abgibt und wenig Bewegung stattfindet, sitzt das dickere Vlies, unter den Armen und an den Flanken das dünnere, damit nichts staut und sich nichts aufbauscht. Wer Produktangaben liest, findet deshalb oft zwei Zahlen — und das ist ein Qualitätszeichen, kein Druckfehler.
Coreloft gegen PrimaLoft Silver und gegen Climashield Apex
Technisch steht Coreloft dicht bei PrimaLoft Silver: beides Stapelfaservliese aus silikonisiertem Polyester mit gemischten Faserstärken, beides auf Komprimierbarkeit und weichen Fall gerechnet. Der Unterschied ist weniger materialkundlicher als wirtschaftlicher Natur. Wer wie Arc'teryx große Mengen in gleichbleibender Spezifikation braucht, fährt mit einer eigenen Marke und eigenen Lieferanten günstiger und unabhängiger als mit einer lizenzierten Fremdmarke.
Der deutlichere Gegensatz besteht zu Climashield Apex. Dort laufen durchgehende Filamente über die ganze Bahn; das Vlies hält sich selbst zusammen, braucht keine Trägerlage und keine enge Absteppung, ist dafür aber steifer und sperriger. Coreloft als Stapelfaservlies braucht Steppung und eine Trägerlage, legt sich dafür besser um den Körper und packt kleiner. Für eine figurnahe Isolationsjacke ist das die passendere Bauweise, für einen Kunstfaserschlafsack mit jahrelanger Dauerkompression die schwächere — dort gewinnt das Endlosfilament.
Warum ein Hersteller eine eigene Isolationsmarke führt
Dass Arc'teryx, Jack Wolfskin, Rab und andere jeweils eigene Isolationsnamen führen, statt durchgängig PrimaLoft oder Thinsulate zu verwenden, hat wenig mit Technik und viel mit Beschaffung zu tun. Wer eine fremde Marke verbaut, zahlt Lizenzgebühren, muss sich an deren Verarbeitungsvorschriften halten und ist auf deren Lieferfähigkeit angewiesen. Wer eine eigene Spezifikation schreibt, kann den Lieferanten wechseln, ohne das Etikett zu ändern.
Für den Käufer hat das eine unangenehme Folge: Hausmarken sind nicht nachprüfbar. Bei PrimaLoft Gold oder bei den 3M-Typen gibt es veröffentlichte Datenblätter, in denen Zahlen und Prüfverfahren stehen; bei Coreloft, Microguard oder vergleichbaren Marken gibt es eine Produktbeschreibung. Dass die Beschreibung von Arc'teryx technisch präzise formuliert ist — gekräuselt, silikonisiert, gemischte Deniers —, spricht für die Sorgfalt des Hauses, ersetzt aber keinen Messwert.
Praktisch heißt das: Zwei Jacken mit Coreloft lassen sich untereinander über das Flächengewicht vergleichen, weil die Zahl im Namen steht. Eine Coreloft-Jacke gegen eine PrimaLoft-Jacke zu stellen, geht dagegen nicht sauber — es fehlt die gemeinsame Messgröße. Wer das versucht, landet unweigerlich bei den zusammengetragenen clo-Listen, deren Herkunft schon ihre Autoren offenlegen.
Coreloft waschen: warum Weichspüler die Silikonschicht aufhebt
Coreloft verträgt Maschinenwäsche und sollte sie regelmäßig bekommen. Hautfett und Schmutz setzen sich im Oberstoff fest, behindern den Dampfdurchgang und können sich auf die Silikonausrüstung der Fasern legen. Dreißig Grad im Schonwaschgang mit Flüssigwaschmittel, kein Weichspüler — er hebt genau die Ausrüstung auf, die Wasser abhalten und die Fasern gegeneinander gleiten lassen soll. Anschließend der Trockner bei niedriger Temperatur: Die Wärme richtet die Kräuselung wieder auf.
Die Lebensdauer begrenzt bei allen Stapelfaservliesen dasselbe: mechanische Ermüdung an den Verbindungspunkten zwischen den Fasern. Dauerkompression beschleunigt das erheblich. Eine Coreloft-Jacke gehört locker in den Schrank und nicht über Monate in den Kompressionssack. Die Stellen, die zuerst nachgeben, sind die, an denen der Rucksack drückt — ein Grund, auf längeren Touren die Isolationsjacke unter dem Hüftgurt nicht einzuklemmen.
Ein zweiter, oft übersehener Punkt betrifft die Imprägnierung des Oberstoffs. Isolationsjacken werden fast immer mit einer wasserabweisenden Ausrüstung ausgeliefert, und diese Ausrüstung lässt mit der Zeit nach. Wenn der Oberstoff Wasser aufsaugt, nützt die beste silikonisierte Faser darunter wenig, weil die nasse Außenlage als Kältebrücke über der ganzen Fläche wirkt. Das Auffrischen der Imprägnierung ist deshalb keine Kosmetik, sondern erhält die Funktion der Isolation — und es geschieht sinnvollerweise nach dem Waschen, wenn der Stoff sauber ist, weil Imprägniermittel auf Schmutz nicht haftet. Dieselbe Reihenfolge gilt für jede Winterjacke mit synthetischer Füllung.
Wie jedes feine Vlies neigt auch Coreloft ohne Trägerlage zum Durchwandern einzelner Fasern durch dünne Oberstoffe. Kleine weiße Faserenden auf der Außenseite sind deshalb ein kosmetisches und kein funktionales Problem; sie lassen sich abzupfen, sollten aber nicht herausgezogen werden, weil daran mehr hängt, als man sieht.

