Zum Inhalt springen

PrimaLoft ThermoPlume Funktionsmaterial

Isolation Redaktion Outdoorberater Stand 10/2026

PrimaLoft ThermoPlume war 2017 die erste Kunstfaserisolation, die sich wie Daune in Kleidungsstücke einblasen ließ. Das klingt nach einer Nebensache der Fertigung und ist in Wahrheit die interessanteste Entwicklung, die die Kunstfaserisolation seit Jahren hervorgebracht hat.

Denn der Unterschied zwischen Daune und Kunstfaser liegt nicht nur in der Faser, sondern ebenso in der Bauform: Daune ist eine lose Schüttung aus einzelnen Flocken, Kunstfaser war bis dahin fast immer eine Bahn, ein Vlies. Aus dieser einen Eigenschaft folgen Weichheit, Fall, Packmaß und die ganze Verarbeitungslogik eines Kleidungsstücks.

2017Vorstellung auf der Outdoor Retailer Winter Market
550 cuinDämmleistung als Daunenentsprechung, Herstellerangabe
100 %Rezyklatanteil nach Herstellerangabe
20 %weniger Material für denselben Bausch bei ThermoPlume+

Vlies gegen lose Füllung — warum das etwas anderes ist

Ein Isolationsvlies ist eine zusammenhängende Fläche. Es wird zugeschnitten, zwischen Oberstoff und Futter gelegt und durchgesteppt; die Steppnähte halten es an Ort und Stelle. Das ist einfach, wiederholbar und maßhaltig, aber die Bahn hat eine Eigensteifigkeit. Sie legt sich nicht um den Körper, sondern bildet Falten, und an jeder Steppnaht wird sie auf null gedrückt.

Infografik
Outdoor Beratung und Ratgeber
Isolation

Vlies, Büschel oder Kugeln

Synthetische Isolation kommt in drei Bauformen in die Jacke, und sie unterscheiden sich nicht im Material, sondern darin, wie es eingefüllt wird. Daran hängt, ob die Füllung verrutschen kann, wie sie sich packen lässt und wo sie dünne Stellen bekommt.

Durchgehendes Vlies

Eine zusammenhängende Matte

Querschnitt durch eine Isolationsschicht aus durchgehendem Vlies: Eine zusammenhängende Fasermatte füllt den Raum, in der Mitte drückt eine Steppnaht sie auf null zusammen. Steppnaht Fasermatte

Die Matte kann nicht verrutschen, braucht aber Steppnähte, um an ihrem Platz zu bleiben — und an jeder dieser Nähte ist die Füllhöhe null.

Im Gebrauch
Der Normalfall, günstig und formstabil

Lose Büschel

Wie Daune eingeblasen

Querschnitt durch eine Isolationsschicht aus losen Faserbüscheln: Viele einzelne Faserknäuel liegen nebeneinander und füllen den Raum ohne durchgehende Matte. einzelne Büschel

Einzelne Büschel werden wie Daune in Kammern geblasen. Keine Steppnähte, dafür braucht es Kammern — und die Büschel können sich darin verlagern.

Im Gebrauch
Jacken, die sich wie Daune anfühlen sollen

Gerollte Kugeln

Faserkügelchen mit Lücken

Querschnitt durch eine Isolationsschicht aus gerollten Faserkugeln: Rundliche Kügelchen liegen nebeneinander, zwischen ihnen bleiben deutliche Lücken. Lücken dazwischen

Die Kugeln lassen sich gut packen und federn wieder auf. Zwischen ihnen bleiben aber Lücken, die nichts dämmen — Volumen allein ist noch keine Wärme.

Im Gebrauch
Leichte, stark komprimierbare Jacken

Entscheidend ist nicht die Bauform, sondern wie gleichmäßig die Füllung am Ende liegt. Ein durchgestepptes Vlies hat kalkulierbare dünne Stellen an den Nähten; eingeblasene Büschel haben keine — bis sie sich nach ein paar Wäschen verlagert haben und die Jacke oben dicker ist als unten.

Mit KI-Unterstützung erstellt Schematische, nicht maßstabsgetreue Darstellung.

Eine lose Füllung verhält sich völlig anders. Sie fließt. In einer Kammer verteilt sie sich dorthin, wo Platz ist, sie legt sich um Rundungen, und ein Kleidungsstück damit fällt weich statt steif. Das ist der Grund, warum eine Daunenjacke sich anfühlt, wie sie sich anfühlt — und es hat nichts mit der Wärmeleitfähigkeit der Daune zu tun, sondern allein mit der Schüttform.

ThermoPlume ahmt diese Form nach. Die Fasern werden zu kleinen, seidig wirkenden Büscheln geformt, die der Hersteller als „Plumes" bezeichnet; sie sind von der Struktur her segelförmig angelegt und verhaken sich lose ineinander, ohne zu verfilzen. Entscheidend für die Industrie war dabei ein nüchterner Punkt: Die Büschel laufen durch handelsübliche Daunen-Einblasmaschinen. Ein Hersteller, der bereits Daunenjacken fertigt, braucht keine neue Anlage.

Was die 550 cuin bedeuten — und was nicht

PrimaLoft gibt für ThermoPlume in verarbeiteter Form eine Dämmleistung an, die 550 cuin Daune entspreche. Diese Angabe ist mit Vorsicht zu lesen, und zwar aus einem grundsätzlichen Grund: Die Bauschkraft ist ein Prüfverfahren für Daune. Dabei werden dreißig Gramm Füllung in einem genormten Zylinder mit einer Platte belastet, und gemessen wird das Volumen in Kubikzoll. Für Kunstfaser ist dieses Verfahren nicht vorgesehen; eine Kunstfaser hat keinen cuin-Wert, sie bekommt einen zugeschrieben.

Trotzdem ist die Zahl nicht wertlos. Sie sagt: Diese Füllung baut je Gramm ungefähr so viel Volumen auf wie eine einfache Gänsedaune. Im Marktgefüge ist 550 cuin die untere Mittelklasse — ordentliche Daunenjacken liegen bei 650 bis 700, gute bei 800 und mehr. ThermoPlume gewinnt also nicht über die Dämmleistung je Gramm, sondern über alles andere: Preis, Verfügbarkeit, Nässeverhalten, Tierfreiheit.

Warum ThermoPlume Kammern braucht — und was das kostet

Was ThermoPlume von der Vliesisolation erbt, ist der Vorteil der weichen Füllung. Was es mit der Daune teilt, ist deren größter Konstruktionsnachteil: Lose Füllung wandert. Ohne Begrenzung sammelt sie sich dort, wo die Schwerkraft sie hintreibt, und hinterlässt kalte Stellen.

Deshalb braucht jedes Kleidungsstück mit loser Füllung ein Kammersystem. Im einfachsten Fall wird einfach durchgesteppt, also Oberstoff und Futter miteinander vernäht — billig, aber jede Naht ist eine Kältebrücke ohne jede Isolation. Aufwendiger und wärmer sind Stegkammern, bei denen ein Stoffstreifen zwischen den Lagen die Füllung einschließt, ohne die beiden Außenlagen zu verbinden. Das kostet Material, Gewicht und Nähzeit. Wie weit die Bauweisen auseinanderliegen und was sie im Schlafsack an Wärme ausmachen, zeigt die Seite zu den Füllkammern.

Ein Vlies wie PrimaLoft Gold braucht diesen Aufwand in dieser Form nicht: Es hält sich selbst zusammen und kommt mit weit größeren Steppabständen aus. Wer ThermoPlume und ein Vlies vergleicht, vergleicht also nicht nur zwei Füllungen, sondern zwei Konstruktionsphilosophien mit unterschiedlichen Kosten.

Von ThermoPlume zu ThermoPlume+: was sich geändert hat

Die Büschel tragen nach Herstellerangabe eine fluorcarbonfreie wasserabweisende Ausrüstung. Der Vorteil gegenüber Daune liegt weniger im nassen Zustand selbst als im Trocknen: Eine durchfeuchtete Daunenkammer braucht Tage und mechanische Hilfe, bis die Flocken wieder einzeln stehen; Kunstfaser ist in Stunden zurück. Dass Kunstfaser „warm wenn nass" sei, ist in dieser Pauschalität allerdings nicht haltbar — eine unabhängige Messreihe mit Dampfkondensation kam zu dem Ergebnis, dass auch synthetische Isolation durchfeuchtet kaum noch dämmt, feucht dagegen schon.

Das Material wird als vollständig rezykliert angegeben und kam ursprünglich unter der Bezeichnung PrimaLoft Black Insulation ThermoPlume auf den Markt, später auch in einer Ausführung der Silver-Klasse in Verbindung mit der Aerogel-Technologie Cross Core, für die der Hersteller bis zu zwölf Prozent mehr Wärme gegenüber dem bisherigen ThermoPlume nennt.

AusführungEingeführtBesonderheitHerstellerangabe
Black Insulation ThermoPlume2017erste einblasbare Kunstfaserentspricht 550 cuin
Silver ThermoPlume mit Cross Coreab 2021Fasern mit Silica-Aerogelbis zu 12 Prozent mehr Wärme
ThermoPlume+Herbst 2024Segelform plus kugelige Faserbällchen20 Prozent weniger Material für denselben Bausch
RISE Loose FillHerbst 2024zweite lose Füllung des Hausesentspricht 650 cuin

ThermoPlume+ ist die interessanteste dieser Weiterentwicklungen, weil sie die Bauform noch einmal verändert: Zu den segelförmigen Faserstrukturen kommen kugelige Faserbällchen, die zusammen ein tragendes Netz bilden. Das ist genau das Prinzip, das bei Vliesen schon lange gilt — feine Fasern füllen, grobe stützen —, nur auf die Schüttform übertragen. Die kugelige Bauweise ist im Übrigen keine Erfindung von 2024; sie steckt seit 2013 auch in Thermoball, das PrimaLoft gemeinsam mit The North Face entwickelt hat.

Drei Dinge, die eine gute Kammerjacke verraten

Die wichtigste Angabe ist die Füllmenge in Gramm, und sie fehlt bei Kleidungsstücken mit loser Kunstfaserfüllung erstaunlich oft. Wo sie fehlt, hilft eine Ersatzprüfung: Drücken Sie das Stück an der Brust zwischen zwei Fingern zusammen. Die verbleibende Dicke fasst Bauschkraft und Füllmenge bereits zusammen und ist die ehrlichste Größe, die sich ohne Labor feststellen lässt. Vergleichen Sie dabei immer dieselbe Stelle — Ärmel und Flanken sind bei fast allen Herstellern dünner gefüllt.

Der zweite Blick gehört den Kammern. Eine Jacke mit zwanzig schmalen Querkanälen über dem Rumpf hat zwanzig Stellen ohne jede Isolation; eine mit sieben breiten Kammern hat sieben. Bei gleicher Füllmenge ist die zweite spürbar wärmer. Schmale Kanäle haben allerdings einen Vorteil, der das teilweise ausgleicht: Je kleiner die Kammer, desto weniger kann die Füllung darin wandern. Dieselbe Abwägung entscheidet bei einer Winterjacke darüber, ob sie trotz hoher Füllmenge kalte Stellen bekommt.

Drittens der Oberstoff. Lose Füllung braucht ein dichtes Gewebe, sonst arbeiten sich einzelne Büschel nach außen. Halten Sie den Stoff gegen das Licht — wo deutlich Licht durch die Struktur fällt, ist er für eine Schüttfüllung grenzwertig. Einzelne weiße Fäserchen auf der Außenseite sind kein Mangel der Füllung, sondern ein Hinweis auf einen zu locker gewebten Oberstoff.

Pflege: näher an der Daunenjacke als an der Fleecejacke

Weil die Füllung lose in Kammern liegt, verhält sich ein ThermoPlume-Kleidungsstück beim Waschen wie eine Daunenjacke. Nass ist die Füllung schwer und verklumpt; wer das Stück in diesem Zustand am Bügel aufhängt, bekommt Kammern, in denen alles unten liegt. Richtig ist der Trockner bei niedriger Temperatur, gern mit zwei Tennisbällen, die die Büschel wieder vereinzeln.

Ansonsten gelten die üblichen Regeln für Kunstfaserisolation: Schonwaschgang bei dreißig Grad, Flüssigwaschmittel, kein Weichspüler — er legt sich auf die Fasern und hebt gerade die wasserabweisende Ausrüstung auf. Gelagert wird locker im Schrank; Dauerkompression im Packsack lässt bei jeder feinen Faser das Volumen nach und nach nicht mehr vollständig zurückkommen. Eine Fleecejacke verzeiht all das, eine Kammerjacke nicht.

Inhalt

Gefällt dir, was du hier liest?

Teilen-Bild zu ThermoPlume: Kunstfaser, die man einbläst | Outdoorberater

Gefällt dir, was du hier liest?

Wir stecken viel Arbeit in outdoorberater.de — gemessene Angaben statt Werbesprüche, keine Bezahlschranke, keine Werbeflut. Wenn dir das hilft, ist Weiterempfehlen die schönste Art, Danke zu sagen. Jedes Teilen hilft anderen, uns zu finden, und hält das Projekt am Leben.

Zurück zum Seitenanfang