Kammersystem: H-Kammer und Trapezkammer im Schlafsack
Schlafsystem & Isomatte Redaktion Outdoorberater Stand 10/2026
Ein Daunenschlafsack ist kein Sack voller Daunen. Zwischen Außenstoff und Innenfutter sitzen Trennwände, die die Füllung in einzelne Kammern teilen. Ohne sie würde die Daune wandern — nach ein paar Nächten läge sie am Fußende, und der Rest wäre leer. Der Hersteller Rab beschreibt diesen Zweck knapp: Die Kammern „hold the down in place and stop it migrating to one end of the bag, just like in a duvet".
Welche Bauweise dabei gewählt wird, erklärt einen großen Teil der Preisunterschiede zwischen zwei Schlafsäcken mit identischem Füllgewicht und identischer Bauschkraft.
Die zwei Maße, die eine Kammer beschreiben
Rab definiert beide präzise. Die Kammerhöhe (baffle height) ist „the height of the internal mesh separating the inner and outer fabrics" — also wie weit die Trennwand Außen- und Innenstoff auseinanderhält. Sie begrenzt, wie viel Loft die Füllung überhaupt aufbauen kann: Eine 3 Zentimeter hohe Kammer lässt keine 6 Zentimeter Daunenschicht zu, gleichgültig wie viel man hineinfüllt.

Wie die Trennwände stehen
Jede Kammerbauweise hält die Stofflagen auf Abstand — darin sind sich alle gleich. Der Unterschied liegt darin, wie die Trennwände dabei stehen, und das wirkt sich auf Gewicht, Verarbeitungsaufwand und darauf aus, wie gleichmäßig die Daune liegen bleibt.
H-Kammer
Senkrechte Trennwände

Die Wände stehen senkrecht wie Leitersprossen. Das ist die einfachste Bauart und die mit dem geringsten Materialeinsatz.
- Typisch für
- Der Normalfall bei Schlafsäcken und Daunenjacken
Schrägkammer
Gleichsinnig geneigt

Alle Wände neigen sich in dieselbe Richtung. Die Daune rutscht dadurch weniger an eine Seite, wenn der Sack auf der Seite liegt.
- Typisch für
- Hochwertige Schlafsäcke, Expeditionsware
V-Kammer
Abwechselnd geneigt

Je zwei Wände bilden ein V. Die Daune wird in dreieckigen Kammern gehalten und kann sich auch bei Bewegung kaum verlagern.
- Typisch für
- Winterschlafsäcke, wo jede Kältestelle zählt
Mehr Trennwände und schrägere Winkel bedeuten mehr Gewebe, mehr Nähte und mehr Gewicht — und sie bringen nur etwas, wenn die Kammern auch satt gefüllt sind. Eine V-Kammer mit zu wenig Daune ist nicht wärmer als eine gut gefüllte H-Kammer, nur teurer.

Der Kammerversatz (baffle offset) ist „how much the mesh is offset in a horizontal direction, producing a trapezoidal chamber shape". Genau daher kommt der Name Trapezkammer: Sie ist eine Kastenkammer, deren Trennwand nicht senkrecht steht, sondern schräg.
Warum der Versatz überhaupt etwas bringt
Bei einer senkrechten Trennwand liegt über jeder Naht ein schmaler Streifen, an dem die Füllung dünner ist als in der Kammermitte. Der Versatz verschiebt die obere Naht gegen die untere, sodass die dünne Stelle oben nicht über der dünnen Stelle unten liegt. Das Ergebnis ist eine gleichmäßigere Schicht — der Übergang vom Kaltpunkt zur Kältebrücke wird vermieden.
Der Preis dafür ist Material und Arbeitszeit: Jede Trennwand ist ein zusätzliches Gewebestück und zwei zusätzliche Nähte, und der Versatz macht den Zuschnitt komplizierter. Deshalb finden sich Trapezkammern eher in teuren Winterschlafsäcken, einfache Kastenkammern im Mittelfeld.
Was sich daraus für den Kauf ergibt
Die Bauweise ist eine der wenigen Eigenschaften, die man an einem ausgepackten Schlafsack sehen kann. Wer von innen gegen das Licht schaut, erkennt an den Nähten, ob dort Trennwände sitzen oder ob Ober- und Unterstoff direkt vernäht sind — Letzteres ist durchgesteppt und kostet Wärme.
Bei Jacken gilt dasselbe, nur mit anderer Gewichtung: Eine leichte Daunenjacke für den Sommer ist durchgesteppt völlig in Ordnung, weil die paar Kaltpunkte bei fünf Grad niemanden stören. Bei einem Winterschlafsack sind sie der Unterschied zwischen durchschlafen und frieren. Mehr zur Ausführung im Produkt steht im Ratgeber Füllkammern.

