Deklination: der Winkel zwischen magnetischer und geografischer Nordrichtung
Navigation & Orientierung Redaktion Outdoorberater Stand 10/2026
Die Deklination ist der Winkel zwischen der geografischen Nordrichtung und der Richtung, in die eine Kompassnadel am Standort zeigt. Im deutschsprachigen Raum weicht die Nadel nach Osten ab; man spricht dann von östlicher Deklination oder von Missweisung.
Woher die Zahl kommt
Der wichtigste Punkt an diesem Begriff ist die Herkunft der Zahl. Sie steht nicht im Kompass und wird nicht gemessen, sondern aus einem internationalen Referenzmodell des Erdmagnetfeldes berechnet. Der Rechendienst des British Geological Survey führt dafür die vierzehnte Generation des Modells IGRF.
Eine Abfrage dieses Dienstes für elf Orte im deutschsprachigen Raum ergab zum Stichtag 8. Oktober 2026 Werte zwischen 3,05 Grad Ost am Genfersee und 5,48 Grad Ost am Ostrand Österreichs — eine Spanne von rund 2,4 Grad, denn die Deklination nimmt von West nach Ost zu. Dieselbe Abfrage gab die jährliche Änderung mit 6,2 bis 9,7 Winkelminuten ostwärts aus. Ein Grad hat 60 Winkelminuten, also verschiebt sich der Wert in zehn Jahren um etwa 1,0 bis 1,6 Grad.
Die dritte Nordrichtung, und warum sie den Wert ändert
Die Definition oben nennt zwei Nordrichtungen, auf einer amtlichen Karte stehen aber drei. Neben dem geografischen Nord und dem magnetischen Nord gibt es Gitternord: die Richtung der senkrechten Gitterlinien, also die Parallele zum Bezugsmeridian des Koordinatensystems. Beide fallen nur auf diesem Meridian zusammen; je weiter man sich von ihm entfernt, desto größer wird der Winkel zwischen ihnen. Er heißt Meridiankonvergenz.
Daraus folgt eine Unterscheidung, die auf einer UTM-Karte den Ausschlag gibt. Die Speläo-Merkblätter des Verbandes Österreichischer Höhlenforscher — ein Fachtext zur Vermessung, der die Winkel sauber auseinanderhält — führen den Winkel zwischen Gitternord und magnetisch Nord als eigene Größe, die Nadelabweichung, und geben die Rechnung dazu an: Nadelabweichung = Deklination − Meridiankonvergenz. Wer am Kartengitter arbeitet, und das tut jeder, der die Karte am Gitter einnordet, braucht also nicht die Deklination, sondern diesen zweiten Wert.
Praktisch ist der Unterschied klein, aber er ist nicht null: Dasselbe Merkblatt rechnet ihn für ein Blatt der österreichischen Karte vor, wo eine Meridiankonvergenz von −0,12 Grad aus einer Deklination von 2,6 Grad eine Nadelabweichung von 2,72 Grad macht. Die Gradzahlen jenes Beispiels sind von 2008 und damit überholt — die Rechnung ist es nicht. Und der Text nennt die bequemste Abkürzung gleich mit: Auf modernen Landkarten ist die Nadelabweichung für das Kartengebiet samt ihrer Tendenz bereits aufgedruckt.
Wann sie praktisch zählt
Praktisch wird die Deklination an genau einer Stelle wichtig: wenn eine Richtung zwischen Karte und Gelände wechselt. Bei 5 Grad Abweichung liegt das Ziel nach einem Kilometer um annähernd 90 Meter seitlich. Wer dagegen nur mit dem Kompass arbeitet — eine Gradzahl aufnehmen, sie ablaufen, auf derselben Skala zurückgehen —, bemerkt sie nicht, weil der Fehler in beide Richtungen gleich groß ist und sich heraushebt.
Am Gerät gibt es zwei Ausführungen der Korrektur: eine Skala in der Dose, an der der Betrag abgelesen und im Kopf verrechnet wird, und eine Schraubverstellung, die den Nordpfeil dauerhaft verdreht. Welche Bauart was leistet, steht im Ratgeber Kompass. Die beiden Arbeitsschritte, bei denen der Winkel auftaucht, heißen Karte einnorden und Peilung.
