Kompressionsriemen: Seitenriemen für Packmaß und Schwerpunkt
Tragesysteme Redaktion Outdoorberater Stand 10/2026
Kompressionsriemen laufen seitlich über den Packsack, meist in zwei oder drei Paaren übereinander. Zieht man sie an, wird der Rucksack schmaler — daher der Name.
Der Name führt allerdings in die Irre, denn das kleinere Packmaß ist der Nebeneffekt. Der eigentliche Zweck ist der Schwerpunkt.
Was Kompressionsriemen wirklich tun
Ein halbvoll gepackter Rucksack hat Hohlräume, und der Inhalt bewegt sich darin bei jedem Schritt. Zwei Dinge folgen daraus: Der Schwerpunkt wandert — meist nach hinten und unten —, und die Bewegung überträgt sich auf den Körper, der sie ausgleichen muss.
Die Riemen beseitigen den Hohlraum. Die Ladung liegt danach als fester Block, und der Block sitzt näher am Rücken. Genau das verringert den Hebel nach hinten, um den es in der Packreihenfolge geht.

Was die Riemen an den Seiten wirklich tun
Kompressionsriemen gelten als Mittel, den Rucksack kleiner zu machen. Das ist der Nebeneffekt. Ihre eigentliche Aufgabe ist, den Inhalt am Rutschen zu hindern und ihn dicht an den Rücken zu ziehen — und das wirkt bei jedem Schritt.
Riemen offen
Der Inhalt hat Spiel

Die Last sitzt tief und weit vom Rücken entfernt. Bei jedem Schritt arbeitet sie im Sack und zieht abwechselnd an Hüfte und Schultern.
- Beim Gehen
- Der Rucksack schaukelt, die Last wandert
Riemen gezurrt
Der Inhalt steht fest

Die Riemen ziehen die Seitenwände nach innen und die Last an den Rücken. Der Schwerpunkt rückt näher, der Hebel wird kürzer.
- Beim Gehen
- Die Last bleibt, wo sie hingehört
Die zweite Verwendung hat eine Grenze: Was außen unter die Riemen geklemmt wird — Matte, Stöcke, nasse Jacke —, liegt genau dort, wo der Hebel am längsten ist. Für Sperriges und Leichtes geht das; für Schweres verschlechtert es genau die Lastverteilung, die die Riemen sonst verbessern.

Die zweite Verwendung — und ihre Grenze
Unter die Riemen lässt sich etwas klemmen: eine Isomatte, ein nasses Zelt, eine Jacke. Das ist verbreitet und hat zwei Haken.
Erstens vergrößert alles, was außen hängt, den Hebel — eine Matte an der Seite zieht den Rucksack zur Seite, eine am Rücken nach hinten. Zweitens hält die Klemmung nur, solange der Riemen straff ist; lockert er sich, rutscht die Ladung, und der Rucksack zieht schief. Nach der ersten Stunde nachziehen ist deshalb keine Schikane.
Für schwere Dinge ist die Außenbefestigung grundsätzlich die schlechtere Lösung. Was schwer ist, gehört nach innen und an den Rücken — auch wenn es dort umständlicher zu erreichen ist.
Abgrenzung: Kompressions-, Lageverstell- und Deckelriemen
Lageverstellriemen sitzen oben zwischen Schultergurt und Rucksack und wirken auf die Lage am Körper. Kompressionsriemen sitzen seitlich am Packsack und wirken auf den Inhalt. Beide verkleinern den Hebel, aber an verschiedenen Stellen.
Die Riemen über dem Deckel sind wieder etwas anderes: Sie halten den Deckel auf dem Packsack und spannen über das, was dazwischenliegt.
Bei Toploadern übernehmen die seitlichen Riemen oft eine dritte Aufgabe: Sie halten den verlängerbaren Tunnel unten, wenn er nicht gebraucht wird.

