WGS 84: das Bezugssystem, in dem ein Satellitenempfänger rechnet
Navigation & Orientierung Redaktion Outdoorberater Stand 10/2026
WGS 84, das World Geodetic System 1984, ist ein dreidimensionaler Koordinatenbezugsrahmen für Breite, Länge und Höhe. Die zuständige amerikanische Stelle, die National Geospatial-Intelligence Agency, beschreibt es als Bezugssystem des Global Positioning System und als den derzeit besten global verfügbaren Rahmen für Kartierung, Positionierung und Navigation. Sein Ellipsoid hat eine große Halbachse von 6 378 137,0 Metern und eine Abplattung von 1 zu 298,257223563; der Rahmen selbst ist nach Angabe derselben Stelle auf einen Zentimeter in jeder der drei Achsen am internationalen Rahmen ITRF ausgerichtet.
Das andere System auf der amtlichen Karte
Wichtig für die Praxis ist, dass die amtliche deutsche Karte ein anderes System nennt. Der Landesbezugssystemerlass Mecklenburg-Vorpommerns vom 18. Juli 2025 bestimmt als amtliches geodätisches Bezugssystem der Lage das ETRS89. Sein Datum wird aus den Koordinaten des globalen Systems ITRS abgeleitet, und zwar zur Epoche 1989.0 und für die Fundamentalstationen auf der eurasischen Platte; die Bezugsfläche ist das Ellipsoid GRS80, die derzeit amtliche Realisierung heißt ETRS89/DREF91/Realisierung2025.
Die dritte Angabe hat ein eigenes System
WGS 84 ist dreidimensional, liefert also auch eine Höhe — und zwar die ellipsoidische: den Abstand von der gerechneten Ellipsoidfläche. Die Höhe auf der Karte ist etwas anderes. Derselbe Erlass bestimmt als amtliches Höhenbezugssystem das Deutsche Haupthöhennetz 2016, dessen Höhen nach Molodenski gerechnet werden und dessen Bezugsfläche das Quasigeoid ist, also eine Fläche, die dem Schwerefeld der Erde folgt und nicht einer glatten Rechenfigur.
Zwischen beiden steht ein eigenes Modell. Der Erlass nennt es beim Namen: Die amtliche Höhenbezugsfläche wird derzeit durch das Quasigeoid German Combined Geoid 2016 (GCG2016) realisiert, und dieses Modell „ermöglicht die Überführung von geometrisch definierten ellipsoidischen Höhen in physikalisch definierte". Zwei Höhenangaben zum selben Punkt können sich also unterscheiden, ohne dass eine von beiden falsch wäre — die eine ist geometrisch, die andere physikalisch gemeint. Um wie viel sie im Einzelfall auseinanderliegen, sagt der Erlass nicht; die Zahl bleibt hier deshalb offen. Für den Gebrauch genügt die Regel: Eine Höhe, die ein Gerät anzeigt, und eine Höhe, die an einer Höhenlinie steht, sind nicht ohne Weiteres dieselbe Größe.
Wo das System eingestellt werden muss
Denn dieselbe Lage kann ein Gerät als Grad, als Grad mit Minuten, als Meterwert im UTM-Gitter oder im Gitter eines dritten Landes ausgeben — die schweizerischen Landeskarten tragen kein UTM, sondern die Schweizer Landeskoordinaten mit dem Ausgangspunkt Bern bei 2 600 000 / 1 200 000. Das sächsische Landesamt für Geobasisinformation formuliert die Regel daraus in einem Satz: Im Empfänger ist das Koordinatenreferenzsystem der verwendeten Karte einzustellen. Ein Gitter auf der Karte und ein Koordinatenwert aus dem Gerät müssen zum selben System gehören, sonst stimmt die Zahl und der Ort nicht.
WGS 84 trifft man noch an einer zweiten Stelle, und dort ohne Wahlmöglichkeit: Jede GPX-Datei speichert ihre Koordinaten nach Vorgabe des Formatschemas in Dezimalgrad auf dem Datum WGS 84. Welche Genauigkeit am Gerät überhaupt ankommt, behandelt der Ratgeber GPS und Smartphone.
