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GORE-TEX ePE Funktionsmaterial

Membranen & Laminate Redaktion Outdoorberater Stand 10/2026

ePE heißt expandiertes Polyethylen. Es ist die zweite Membran, die Gore führt — neben dem klassischen ePTFE, auf dem die Marke jahrzehntelang beruhte. Angekündigt wurde sie am 30. September 2021, erste Produkte standen zur Herbst-/Wintersaison 2022 im Handel.

Der Anlass ist nicht technischer, sondern chemischer Natur: PTFE gehört zur Gruppe der per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen, und diese Stoffgruppe steht europaweit unter Beschränkungsdruck. Polyethylen enthält kein Fluor. Alles andere an der Umstellung folgt aus diesem einen Punkt.

30.09.2021Ankündigung der neuen Membran
Herbst 2022erste Produkte im Handel
ca. die HälfteDicke im Verbund mit Polyurethan
7 Markenim ersten Jahr: Adidas, Arc'teryx, Dakine, Patagonia, Reusch, Salomon, Ziener

Dasselbe Prinzip, ein anderes Polymer

Die Funktionsweise ändert sich nicht. Auch ePE ist eine mikroporöse Folie: Poren, die zu klein für flüssiges Wasser und groß genug für Wasserdampfmoleküle sind. Was sich ändert, ist das Ausgangsmaterial — ein weit verbreiteter, nicht fluorierter Kunststoff, der zu einer sehr dünnen, porösen Struktur gereckt wird.

Entscheidend für die Praxis ist der Verbund: Gore kombiniert die ePE-Lage mit Polyurethan. Erst diese Kombination ergibt nach Herstellerangabe eine dauerhaft wasserdichte, winddichte und atmungsaktive Membran — und zwar in etwa der halben Dicke des bisherigen Aufbaus. Das Unternehmen spricht von einem hohen Verhältnis von Festigkeit zu Gewicht.

Die geringere Materialmasse ist zugleich das Umweltargument: Gore nennt einen kleineren CO₂-Fußabdruck, gemessen nach dem Higg Materials Sustainability Index, und führt ihn ausdrücklich auf die niedrigere Membranmasse in Verbindung mit der neuen Materialkombination zurück.

Infografik
Outdoor Beratung und Ratgeber
Materialaufbau

Membranaufbau im Schnitt: 2, 2,5 und 3 Lagen

Alle drei Bauweisen halten mit derselben Membran dicht. Unterschiedlich ist nur, was die Membran auf der Innenseite schützt — und daran hängen Gewicht, Haltbarkeit und Tragegefühl.

2 Lagen

Membran am Oberstoff, Futter lose

außen Haut
  1. Oberstoff mit Imprägnierung
  2. Membran aufkaschiert
  3. Innenfutter separat eingenäht, hängt lose
Dafür
Futter frei wählbar, auch mit Isolierung kombinierbar
Dagegen
Das lose Futter scheuert an der Membran
Typisch für
Alltag, Reise, Jacken mit Wattierung

2,5 Lagen

Schutzdruck statt Futter

außen Haut
  1. Oberstoff mit Imprägnierung
  2. Membran aufkaschiert
  3. Schutzdruck Raster oder Punkte, keine volle Lage
Dafür
Leichteste und kleinste der drei Bauweisen
Dagegen
Klebt bei Schweiß auf der Haut, empfindlichste Innenseite
Typisch für
Notfalljacke im Rucksack, Laufen, Radfahren

3 Lagen

Alle drei Lagen fest verbunden

außen Haut
  1. Oberstoff mit Imprägnierung
  2. Membran einlaminiert
  3. Trikotfutter fest verbunden
Dafür
Keine Reibung zwischen den Lagen, deshalb langlebig
Dagegen
Steifer und schwerer, teuerste Bauweise
Typisch für
Bergsport, Trekking, dauerhafte Belastung

Die Lagenzahl sagt nichts über die Wassersäule aus — sie beschreibt nur, wie die Membran verbaut ist. Neben diesen drei gibt es die Z-Liner-Bauweise, bei der die Membran frei zwischen Oberstoff und Futter hängt.

Mit KI-Unterstützung erstellt Schematische, nicht maßstabsgetreue Darstellung.

Was PFAS mit der ePE-Membran zu tun haben

PTFE ist chemisch unbedenklich, solange es als festes Polymer vorliegt — es ist das Material, aus dem Bratpfannenbeschichtungen bestehen. Der Streit dreht sich um die Stoffgruppe: Bei Herstellung und Entsorgung fluorierter Polymere entstehen und entweichen kurzkettige Verbindungen, die sich in Umwelt und Organismen anreichern und praktisch nicht abgebaut werden.

Dazu kommt die zweite Fluorquelle an einer Jacke, die mit der Membran gar nichts zu tun hat: die DWR-Imprägnierung auf dem Oberstoff. Sie war über Jahrzehnte fluorbasiert, weil Fluorchemie als einzige sowohl Wasser als auch Öle und Fette abweist. Eine fluorfreie Jacke verlangt deshalb beides: eine fluorfreie Membran und eine fluorfreie Imprägnierung. Was dabei rechtlich gilt, steht unter PFAS in Outdoorausrüstung.

Wie die ePE-Umstellung im Handel abläuft

Gore hat die Einführung über mehrere Jahre gestreckt. Zum Start arbeiteten sieben Marken mit der neuen Membran — Adidas, Arc'teryx, Dakine, Patagonia, Reusch, Salomon und Ziener —, und zwar zunächst in Bekleidung, Lifestyle-Schuhen und Snowsport-Handschuhen. Seit Herbst 2025 kommen auch die Next-Gen-Materialien der Pro-Linie mit ePE-Membran und fluorfreier Imprägnierung.

Für Käufer heißt das: Beide Generationen stehen jahrelang nebeneinander im Regal, tragen dieselben Linienbezeichnungen, dasselbe Logo und dasselbe Leistungsversprechen. Am Einnäher ist nicht zu erkennen, welche Membran drinsteckt — die Information steht in den technischen Daten des Modells oder gar nicht.

ePTFE (klassisch)ePE (seit 2022)
PolymerPolytetrafluorethylenPolyethylen, mit Polyurethan kombiniert
Fluor enthaltenja, im Polymernein
Dicke des VerbundsBezugsgrößenach Herstellerangabe etwa halb so dick
Funktionsprinzipidentisch: mikroporös, Dampfdurchgang über Diffusion
Garantieidentisch: „Guaranteed to keep you dry"

Wie aus Polyethylen eine poröse Membran wird

Polyethylen ist der meistproduzierte Kunststoff überhaupt — Folien, Flaschen, Rohre bestehen daraus. Dass daraus eine atmungsaktive Membran wird, liegt nicht am Material, sondern am Verfahren: Eine dichte Folie wird unter kontrollierten Bedingungen gereckt, bis das Polymergefüge aufreißt und ein Netz aus Fibrillen mit Hohlräumen dazwischen entsteht.

Genau dasselbe Prinzip steckt hinter dem klassischen ePTFE; das „e" in beiden Namen steht für „expanded", also für dieses Recken. Die Kunst liegt darin, die Porengröße über die gesamte Bahn gleichmäßig zu treffen: Zu große Poren lassen Wasser durch, zu kleine bremsen den Dampf.

Die Polyurethanlage im Verbund hat dabei eine eigene Aufgabe. Sie schützt die poröse Struktur vor Verschmutzung von innen — Hautfett, Waschmittelreste und Salze setzen sich sonst in den Poren fest und verstopfen sie dauerhaft. Fast alle mikroporösen Membranen am Markt arbeiten aus diesem Grund mit einer solchen Schutzschicht, auch die klassische.

Was andere Hersteller statt Fluorchemie einsetzen

Gore ist mit dem Ausstieg aus der Fluorchemie nicht allein und auch nicht als Erster unterwegs. Es gibt seit Langem einen zweiten Membrantyp, der ohne Fluor auskommt: kompakte Membranen aus Polyester oder Polyurethan, die gar keine Poren haben und den Dampf stattdessen durch das Material hindurch weiterreichen — erst aufnehmen, dann auf der kälteren Seite abgeben.

Dieser Weg hat Vor- und Nachteile: Kompakte Membranen können nicht verstopfen, brauchen aber einen deutlicheren Temperaturunterschied, um in Gang zu kommen. Mikroporöse Membranen reagieren schneller, sind dafür auf Sauberkeit angewiesen. Die Entscheidung zwischen beiden ist eine der wenigen echten Materialentscheidungen bei Hardshells — und sie steht quer zur Frage nach dem Fluor.

Was die ePE-Umstellung ausdrücklich nicht bedeutet

Sie bedeutet nicht, dass ältere Jacken schlechter geworden sind. Eine Hardshelljacke mit ePTFE-Membran leistet unverändert, was sie am Kauftag geleistet hat, und die Garantie läuft weiter. Sie vorzeitig zu ersetzen, wäre ökologisch das Gegenteil dessen, was die Umstellung bezweckt — die längste Nutzungsdauer schlägt jede Materialwahl.

Sie bedeutet auch nicht, dass eine Jacke mit ePE-Membran durchgängig fluorfrei ist. Membran und Imprägnierung sind zwei getrennte Entscheidungen, und Kleber, Nahtbänder, Reißverschlüsse und Druckfarben sind weitere. Wer es genau wissen will, muss die Produktangaben des Konfektionärs lesen, nicht das Membranlogo.

Und sie bedeutet nicht, dass die Leistung gestiegen wäre. Gore nennt für ePE kein besseres Verhalten bei Wassersäule oder Dampfdurchsatz, sondern denselben Anspruch bei geringerer Masse und ohne Fluor. Das ist ein ehrliches Versprechen — und eines, das in der Werbung regelmäßig zu „besser" übersetzt wird.

Bleibt die Frage, die sich jeder stellt, der eine funktionierende Jacke besitzt: ersetzen oder behalten? Die Antwort ist eindeutig und unbequem für den Handel. Die Ökobilanz eines Kleidungsstücks wird von seiner Nutzungsdauer dominiert, nicht von seiner Materialwahl; eine Jacke, die zehn statt fünf Jahre getragen wird, spart mehr ein als jede Membranumstellung. Die fluorfreie Variante ist die richtige Wahl beim nächsten ohnehin fälligen Kauf — etwa, wenn eine neue Regenjacke ansteht — und kein Grund, etwas Funktionierendes auszusortieren.

Pflege: mehr Routine, nicht weniger

Für die Membran ändert sich nichts: waschen mit Spezialwaschmittel, kein Weichspüler, Trockner auf niedriger Stufe. Was sich ändert, ist die Frequenz. Weil die fluorfreie Imprägnierung empfindlicher gegen Fette ist, verschiebt sich der richtige Waschrhythmus von „einmal im Jahr" zu „sobald es nicht mehr abperlt" — bei regelmäßiger Nutzung also mehrmals pro Saison. Die Schritte im Einzelnen stehen im Ratgeber Pflege.

Beim Nachimprägnieren sollte das Mittel ausdrücklich fluorfrei sein, sonst trägt man genau die Chemie wieder auf, derentwegen die Membran gewechselt wurde. Einwaschprodukte sind bequemer, Sprühprodukte schonender für die Innenseite, weil sie das Futter nicht mitbehandeln.

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