Membran: wasserdichte und atmungsaktive Trennschicht
Membranen & Beschichtungen Redaktion Outdoorberater Stand 10/2026

Eine Membran ist eine dünne Trennschicht, die regelt, was hindurchgeht. In der Outdoorbekleidung liegt sie zwischen Obermaterial und Futter und hat eine einzige Aufgabe: flüssiges Wasser von außen zurückhalten und Wasserdampf von innen entweichen lassen. Sichtbar ist sie nicht; was man sieht, ist der Stoff davor und dahinter.
Dass beides gleichzeitig geht, liegt an einem Größenunterschied — und der lässt sich nachrechnen statt glauben.
Die Rechnung hinter dem Prinzip
Eine mikroporöse Membran hat Poren von rund 0,2 Mikrometern. Ein Wasserdampfmolekül misst etwa 0,0004 Mikrometer — die Pore ist also einige hundert Mal größer, und Dampf zieht ungehindert hindurch.
Porengröße ÷ Molekülgröße = 0,2 µm ÷ 0,0004 µm = 500In der Gegenrichtung steht kein Molekül, sondern ein Tropfen. Ein Regentropfen misst 0,5 bis 5 Millimeter, also 500 bis 5.000 Mikrometer — das Tausendfache bis Zwanzigtausendfache der Pore. Dazu kommt, dass Wasser an einer wasserabweisenden Oberfläche eine Kugel bildet und sie nicht von selbst benetzt: Flüssiges Wasser müsste die Pore gegen seine eigene Oberflächenspannung durchdringen, und dafür braucht es Druck.
Genau diesen Druck misst die Wassersäule. Eine Membran ist also nicht „dicht", sondern dicht bis zu einem bestimmten Druck — das ist der wichtigste Satz über Membranen überhaupt.
Zwei Bauarten, zwei Wege
Die mikroporöse Bauart ist die ältere und bekanntere; ihre Grundlage ist ePTFE. Sie atmet von Anfang an, kann aber verstopfen: Hautfett, Waschmittelreste und Schmutz setzen die Poren zu, und dann hilft nur Waschen.
Die porenlose Bauart — meist aus Polyurethan oder Polyesterether — arbeitet über Molekülketten, die Wasser binden und weitergeben. Sie ist unempfindlicher gegen Verschmutzung, braucht aber ein Gefälle: Erst wenn innen mehr Dampf steht als außen, kommt der Transport in Gang. Mehr dazu unter PU-Membran.

Membranaufbau im Schnitt: 2, 2,5 und 3 Lagen
Alle drei Bauweisen halten mit derselben Membran dicht. Unterschiedlich ist nur, was die Membran auf der Innenseite schützt — und daran hängen Gewicht, Haltbarkeit und Tragegefühl.
2 Lagen
Membran am Oberstoff, Futter lose
- Oberstoff mit Imprägnierung
- Membran aufkaschiert
- Innenfutter separat eingenäht, hängt lose
- Dafür
- Futter frei wählbar, auch mit Isolierung kombinierbar
- Dagegen
- Das lose Futter scheuert an der Membran
- Typisch für
- Alltag, Reise, Jacken mit Wattierung
2,5 Lagen
Schutzdruck statt Futter
- Oberstoff mit Imprägnierung
- Membran aufkaschiert
- Schutzdruck Raster oder Punkte, keine volle Lage
- Dafür
- Leichteste und kleinste der drei Bauweisen
- Dagegen
- Klebt bei Schweiß auf der Haut, empfindlichste Innenseite
- Typisch für
- Notfalljacke im Rucksack, Laufen, Radfahren
3 Lagen
Alle drei Lagen fest verbunden
- Oberstoff mit Imprägnierung
- Membran einlaminiert
- Trikotfutter fest verbunden
- Dafür
- Keine Reibung zwischen den Lagen, deshalb langlebig
- Dagegen
- Steifer und schwerer, teuerste Bauweise
- Typisch für
- Bergsport, Trekking, dauerhafte Belastung
Die Lagenzahl sagt nichts über die Wassersäule aus — sie beschreibt nur, wie die Membran verbaut ist. Neben diesen drei gibt es die Z-Liner-Bauweise, bei der die Membran frei zwischen Oberstoff und Futter hängt.

Membran, Beschichtung, Laminat — drei verschiedene Dinge
Eine Membran ist eine eigenständige Folie. Eine Beschichtung wird dagegen flüssig auf den Stoff aufgetragen und härtet dort aus — sie ist billiger und meist weniger atmungsaktiv. Ein Laminat schließlich ist der fertige Verbund: Membran plus Trägerstoffe, verklebt zu zwei, zweieinhalb oder drei Lagen.
Die drei Begriffe werden im Handel durcheinandergeworfen. Wer „3-Lagen-Membran" liest, hat ein Laminat vor sich, in dem eine Membran steckt.
Die Schwachstelle sitzt an den Nähten
Eine Membran ist dicht — bis jemand ein Loch hineinsticht. Genau das tut jede Naht, und zwar einige tausend Mal je Jacke. Deshalb werden die Nahtlinien von innen mit Bändern verschweißt („getapte Nähte"); bei billigeren Stücken sind nur die Hauptnähte getapt, bei guten alle.
Beim Kauf ist das sichtbar: Jacke auf links drehen und die Nähte ansehen. Fehlende Bänder sind der häufigste Grund, warum eine Jacke mit hoher Wassersäule trotzdem durchnässt. Welche Nahtarten es gibt, steht an eigener Stelle.




