Winddicht: Wind vollständig abgehalten, unter 1 cfm
Eigenschaften Redaktion Outdoorberater Stand 10/2026
Winddicht heißt, dass ein Material den Wind vollständig abhält. Anders als „wasserabweisend" ist der Begriff nicht ohne Zahl: Er lässt sich über die Luftdurchlässigkeit beziffern, und dafür gibt es ein genormtes Verfahren.
Wie Wind überhaupt kühlt
Wind nimmt keine Wärme — er nimmt das wärmende Luftpolster. Zwischen Haut und Kleidung und in jeder Dämmschicht steht Luft, die sich erwärmt hat; strömende Luft trägt sie fort und ersetzt sie durch kalte. Das ist Konvektion, und der gefühlte Effekt heißt Windchill.
Eine winddichte Lage unterbindet das. Sie wärmt nicht selbst, sondern bewahrt die Wärme, die bereits da ist — deshalb wirkt eine dünne winddichte Jacke über einer Fleecejacke oft wärmer als ein zweites Fleece.

Wie Wind durch einen Stoff kommt
Wind kühlt, indem er die stehende, vom Körper erwärmte Luftschicht wegreißt und durch kalte ersetzt. Ob ein Stoff das zulässt, hängt nicht an seinem Material, sondern daran, wie viel Luft zwischen seinen Fäden hindurchkann.
Dicht gewebt
Kaum Zwischenraum zwischen den Fäden

Die Luft findet kaum einen Weg hindurch. Die warme Schicht unter dem Stoff bleibt stehen, auch wenn es draußen zieht.
- Im Gebrauch
- Hält Wind ab, lässt dafür weniger Dampf durch
Offen gewebt
Deutliche Öffnungen im Gewebe

Durch die Öffnungen strömt Luft ungehindert. Die warme Schicht wird weggerissen — der Stoff wärmt im Windstillen und versagt im Wind.
- Im Gebrauch
- Atmet gut, kühlt im Wind schnell aus
Deshalb ist „winddicht" keine Eigenschaft wie „wasserdicht": Es gibt keine Norm und keine feste Schwelle, nur einen Marktgebrauch, der eine bestimmte Durchlässigkeit unterstellt. Ein Fleece unter einer dünnen, dicht gewebten Lage wärmt im Wind besser als ein doppelt so dickes ohne.

Die Grenze, die der Markt benutzt
Gemessen wird nach ISO 9237: Luft wird bei festgelegtem Druckunterschied durch eine Probe gesaugt, und das durchströmende Volumen wird gemessen. Angegeben wird es im angelsächsischen Raum in cfm (Kubikfuß je Quadratfuß und Minute), in Europa in Litern je Quadratmeter und Sekunde.
Eine allgemeine Norm, ab wann etwas „winddicht" heißen darf, gibt es nicht. Gore legt für seine Windstopper-Produkte aber eine ausdrückliche Grenze fest: „Air permeability of less than 1.0 cfm (<5 l/m²s)". Diese Zahl hat sich als Branchenmaßstab durchgesetzt.
Wasserdicht und winddicht
Was wasserdicht ist, ist in aller Regel auch winddicht — eine Membran, die kein Wasser durchlässt, lässt erst recht keine Luft durch. Umgekehrt gilt das nicht: Ein winddichtes Material kann Wasser durchlassen.
Deshalb sind Hardshells immer winddicht, während Softshells es je nach Bauart sind oder nicht.
Windabweisend
Windabweisend ist die schwächere Stufe: Der Wind wird nur teilweise abgehalten. Der Begriff ist nicht festgelegt — im Prinzip ist jeder Kleidungsstoff irgendwie windabweisend, und ohne Zahl sagt das Wort nichts.
Praktisch brauchbar ist er trotzdem, weil er die Auslegung benennt: Wer bei Anstrengung draußen ist, fährt mit 5 cfm oft besser als mit 0,5. Wer in der Pause steht oder auf dem Grat, braucht die dichte Lage.

