Softshell: elastische, windabweisende Außenschicht
Membranen & Beschichtungen Redaktion Outdoorberater Stand 10/2026
Softshell ist die „weiche Schale": eine elastische Außenlage, die Wind abhält und Wasser abweist, ohne wasserdicht zu sein. Der Verzicht ist der Zweck — weil sie Luft durchlässt und sich mitbewegt, trägt sie sich bei Anstrengung angenehmer als eine dichte Schale.
Wie Hardshell ist der Begriff nicht genormt, und er bezeichnet auch kein bestimmtes Material: Softshell-Stoffe sind Verbunde aus mindestens zwei Schichten, meist ein elastischer Oberstoff mit einem Fleece-Rücken, manchmal mit einer Membran dazwischen. Von „einer Softshell" lässt sich deshalb keine Eigenschaft ableiten.
Die Winddichtigkeit wird zweimal verschieden gemessen
Was eine Softshell ausmacht, steht in ihrer Luftdurchlässigkeit — und genau die wird je nach Normenraum unterschiedlich geprüft. ISO 9237 saugt Luft bei einer Druckdifferenz von 100 ± 10 Pascal durch eine Fläche von 20 Quadratzentimetern und gibt das Ergebnis in Litern je Quadratmeter und Sekunde an. ASTM D737 arbeitet mit 125 Pascal — das sind 0,5 Zoll Wassersäule — und nennt das Ergebnis in Kubikfuß je Minute, kurz CFM.
Daraus folgt eine Einschränkung, die in Datenblättern selten steht: Dieselbe Probe liefert nach ASTM D737 einen höheren Wert als nach ISO 9237, weil mehr Druck anliegt. Die Einheiten lassen sich umrechnen, die Prüfbedingung nicht.
Einheitenumrechnung (reine Rechnung, keine Messung):
1 CFM = 1 ft³/(min · ft²)
1 ft = 0,3048 m
1 CFM = 0,3048 m/min
= 0,3048 / 60 m/s
= 5,08 · 10⁻³ m³/(m² · s)
= 5,08 l/(m² · s)
0,5 CFM = 2,54 l/(m² · s)
1 CFM = 5,08 l/(m² · s)
5 CFM = 25,40 l/(m² · s)
20 CFM = 101,6 l/(m² · s)
Nicht umrechenbar: 100 Pa (ISO 9237) gegen 125 Pa (ASTM D737).In der Branche gilt ein Stoff unter 1 CFM als praktisch winddicht, niedrige einstellige Werte als stark windabweisend. Diese Schwelle ist eine Branchenübung, keine Normgrenze — es gibt keine Norm, die festlegt, ab welchem Messwert ein Textil „winddicht" heißen darf.
Abgrenzung: wo die Softshell aufhört
Gegen die Hardshell trennt die Wasserdichtigkeit. Eine Softshell ist wasserabweisend: Ihre Oberfläche perlt Wasser ab, solange die DWR-Ausrüstung trägt, aber sie hält keinem anhaltenden Regen stand und wird nach EN 343 nicht klassifiziert. Wer Dauerregen erwartet, braucht die dichte Schale; die Softshell ist die Lage für kalten Wind und trockene Kälte.

Was zwischen Außen und Innen liegt
„Hardshell", „Softshell", „Regenjacke" sind Marktbegriffe ohne Norm. Was eine Jacke kann, entscheidet sich nicht am Namen, sondern daran, was zwischen Außenstoff und Innenseite liegt — und wie fest es damit verbunden ist.
Hardshell
Membran einlaminiert

Die Membran ist fest mit Oberstoff und Futter verklebt. Der Verbund baut dünn auf, lässt sich verschweißen und hält dauerhaft dicht.
- Hält
- Dauerregen, Wind, mit getapten Nähten wasserdicht
Softshell
Oberstoff und Flor

Zwischen den Fasern des Flors bleibt Luft durchlässig. Der Stoff atmet gut und dehnt sich — er ist aber nicht wasserdicht.
- Hält
- Wind und Nieselregen, nicht mehr
Regenjacke
Beschichtung, loses Futter

Die Schicht ist aufgestrichen, nicht laminiert, und das Futter hängt lose darunter. Billiger in der Fertigung — und empfindlicher gegen Abrieb von innen.
- Hält
- Kurze Schauer, Stadt, Gelegenheitsgebrauch
Keiner der drei Begriffe sagt für sich genommen, ob eine Jacke dicht ist. Das entscheiden drei andere Dinge: ob die Nähte getapt sind, wie hoch die Wassersäule steht und ob die Imprägnierung noch wirkt. Eine beschichtete Jacke mit getapten Nähten hält länger dicht als eine laminierte ohne.

Gegen Fleece trennt die Außenseite: Ein Fleece hat keine windbremsende Lage und ist deutlich luftdurchlässiger. Und gegen die Isolationsjacke trennt die Wärmequelle — eine Softshell wärmt über ihren Fleece-Rücken ein wenig mit, aber ihre Aufgabe ist der Windschutz, nicht die Isolation. Die Kaufkriterien stehen im Ratgeber Softshelljacke.

