Wasserabweisend: hydrophobe Oberfläche ohne Grenzwert
Eigenschaften Redaktion Outdoorberater Stand 10/2026
Wasserabweisend heißt, dass Wasser auf der Oberfläche abperlt, statt vom Gewebe aufgesogen zu werden. Fachlich ist das ein hydrophober Effekt: Die Oberfläche hat eine so geringe Energie, dass der Tropfen lieber seine Kugelform behält, als sich auszubreiten.
Der Unterschied zu wasserdicht ist grundsätzlich und nicht graduell: Wasserabweisend beschreibt die Oberfläche, wasserdicht den Durchtritt durch das Material. Wer lange genug im Regen steht, wird in einer nur wasserabweisenden Jacke nass.
Einen Normwert gibt es nicht
„Wasserabweisend" ist nicht über die Wassersäule definiert — und auch sonst nicht über einen Grenzwert. Gemessen wird die Wassersäule nach ISO 811; Anforderungswerte und Klassen stehen in EN 343, einer Norm für berufliche Schutzkleidung gegen Regen, nicht für Freizeitjacken. Für die Oberflächeneigenschaft gibt es dort nichts.
Was es stattdessen gibt, ist eine Benotung: Der Spray-Test nach ISO 4920 berieselt eine schräg eingespannte Probe mit 250 Millilitern Wasser und vergleicht das Nässebild mit einer Skala von 0 bis 5. Gemessen wird die Benetzung, nicht der Durchtritt — genau die Eigenschaft also, um die es hier geht.
Woher die Eigenschaft kommt
In aller Regel aus einer chemischen Ausrüstung, die im letzten Produktionsschritt aufgetragen wird: der DWR. Sie sitzt auf der Faseroberfläche und senkt deren Oberflächenenergie.

Was nachlässt, ist nicht die Membran
Eine Imprägnierung sitzt auf dem Oberstoff, nicht auf der Membran. Sie nutzt sich durch Abrieb und Schmutz ab — und wenn sie weg ist, bleibt die Jacke dicht und fühlt sich trotzdem nass an. Der Grund liegt an einer Stelle, die niemand vermutet.
Wirksam
Der Tropfen perlt ab

Der Oberstoff bleibt trocken. Zwischen seinen Fasern steht Luft, und der Dampf von innen zieht ungehindert durch Membran und Gewebe nach außen.
- Was man merkt
- Die Jacke atmet, wie sie soll
Nachlassend
Der Tropfen zerläuft

Der Tropfen breitet sich aus und der Stoff beginnt, Wasser aufzunehmen. Stellenweise ist der Luftraum zwischen den Fasern schon mit Wasser gefüllt.
- Was man merkt
- Erste dunkle Flecken auf Schultern und Armen
Aufgebraucht
Der Oberstoff ist vollgesogen

Der Oberstoff ist voll Wasser — die Membran darunter hält weiter dicht. Nur kommt der Dampf von innen nicht mehr heraus, weil das Wasser im Gewebe ihm den Weg versperrt.
- Was man merkt
- Die Jacke fühlt sich innen nass an, obwohl nichts durchkommt
Deshalb ist Nachimprägnieren keine Kosmetik: Es stellt nicht die Dichtigkeit wieder her — die war nie weg —, sondern die Atmungsaktivität. Und deshalb hilft Waschen oft schon allein: Schmutz zieht Wasser an, und eine gereinigte Ausrüstung perlt wieder, bevor man zum Spray greifen muss.

Daneben gibt es den rein mechanischen Weg: Eine fein strukturierte Oberfläche verringert die Kontaktfläche zum Tropfen so weit, dass er abrollt — das ist der Lotuseffekt. In der Natur arbeitet er ohne jede Chemie; auf Textilien lässt er sich bisher nur begrenzt dauerhaft nachbauen.
Was sich 2026 geändert hat
Die DWR war lange fluorbasiert. Seit dem 10. Oktober 2026 dürfen PFHxA, seine Salze und verwandte Stoffe nach Verordnung (EU) 2024/2462 in Bekleidung und Schuhen für die breite Öffentlichkeit die Grenzwerte von 25 ppb beziehungsweise 1.000 ppb nicht mehr erreichen. Neue Imprägnierungen arbeiten fluorfrei auf Silikon- oder Polyurethanbasis.
Vorhandene Kleidung ist nicht betroffen: Erzeugnisse, die vor dem Stichtag in Verkehr gebracht wurden, nimmt die Verordnung ausdrücklich aus. Einzelheiten auf der Normseite PFAS in Outdoorausrüstung.

