Naturfaser: tierische und pflanzliche Fasern
Fasern & Garne Redaktion Outdoorberater Stand 10/2026
Naturfasern wachsen bereits als Faser und werden geerntet — im Gegensatz zu Chemiefasern, die aus einer Schmelze oder Lösung gesponnen werden. Daraus folgt der grundlegende Unterschied: Länge, Dicke und Querschnitt sind vorgegeben und lassen sich nicht frei wählen.
Feuchteaufnahme: die Zahl, die alle verbindet
Alle Naturfasern nehmen deutlich mehr Feuchtigkeit auf als Kunstfasern. Wolle liegt im Normklima bei 16 Prozent, Baumwolle bei 8,5 — gegenüber 0,4 Prozent bei Polyester.
Diese eine Eigenschaft erklärt beides: warum sich Naturfasern angenehm anfühlen und warum sie im Outdoorbereich teilweise ungeeignet sind. Feuchtigkeit in der Faser fühlt sich nicht nass an — Feuchtigkeit, die nicht wieder herauskommt, kühlt aus.

Der Querschnitt entscheidet
Zwei Fasern aus demselben Rohstoff können sich völlig unterschiedlich verhalten. Was sie unterscheidet, sieht man erst im Schnitt.

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Rund und massiv
Der Grundfall. Die Faser ist durchgehend gefüllt, die Oberfläche glatt. Sie nimmt weder viel Luft auf noch leitet sie Feuchte besonders gut weiter.
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Hohl
Der innere Kanal schließt Luft ein. Bei gleichem Gewicht dämmt eine Hohlfaser besser — die ruhende Luft steckt in der Faser selbst, nicht erst zwischen den Fasern.
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Kantig
Die Längskanten halten das Gewebe auf Abstand von der Haut und werfen Licht zurück. Solche Fasern fühlen sich kühler an und glänzen stärker.
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Gelappt
Die Längsrinnen zwischen den Lappen wirken wie Kapillaren: Sie ziehen Feuchte an der Faser entlang in die Fläche, wo sie verdunsten kann.
Die Rohstoffangabe auf dem Etikett sagt wenig über das Verhalten eines Gewebes. Dieselbe Polyesterfaser kann rund, hohl, kantig oder gelappt gesponnen werden — und verhält sich dann bei Wärme, Feuchte und Griff jedes Mal anders.

Die tierischen Fasern
Merinowolle ist die wichtigste. Sie bindet Wasser im Faserinneren, bleibt dabei trocken im Griff, gibt beim Aufnehmen sogar Wärme ab und riecht über Tage kaum. Dafür ist sie schwer, trocknet langsam und scheuert schnell durch.
Alpaka, Kaschmir und Mohair sind feiner oder weicher, aber empfindlicher und teurer; im technischen Outdoorbereich spielen sie kaum eine Rolle. Seide ist die einzige natürliche Endlosfaser und damit die Ausnahme von der Regel, dass Naturfasern Stapelfasern sind.
Die pflanzlichen Fasern
Neben Baumwolle sind Hanf und Leinen zu nennen: beide fester, langlebiger und schneller trocknend als Baumwolle, dafür steifer im Griff. Beide erleben als robuste Alltagsfasern eine Rückkehr.
Nicht dazu gehören Lyocell und Viskose: Sie bestehen zwar aus Zellstoff, werden aber gelöst und neu gesponnen — es sind Chemiefasern aus natürlichem Rohstoff, keine Naturfasern.

