Fundierte Online-Outdoor-Beratung: Ein unzureichend bestelltes Feld

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Die Faszinantion das Outdoor-Marktes ist ungebrochen – bereits seit über zehn Jahren. Tendenz: weiter steigend. Im Markt etablieren sich immer mehr neue Anbieter, die bewährten Marktplayer versorgen die outdoorhungrige Zielgruppe mit tollen Innovationen, Materialen mit erstaunlichen Funktionen und beeindruckender Performance. Die Entwicklungen sind so rasant, dass selbst Fachhändler sowie die Fachpresse große Schwierigkeiten haben, in Sachen Beratungs-Know-how mit dieser Entwicklung Schritt zu halten. Die Folge sind überforderte Endkunden, die auf der Suche nach der perfekten Ausrüstung für ihre individuellen Abenteuer geradezu im Stich gelassen werden. Oft führt das zu Fehlkäufen, die sich beispielsweise durch unzureichende Funktion und Performance das Equipments zeigen. Oder es kommt zu kostspieligen Fehlanschaffungen, da die klassische Beratung oftmals strikt zu hochpreisigen Produkten führt – nach dem Motto „viel Funktion hilft viel“.

Outdoor-Ausrüstung – Grundsätzliches


Während bis zu den späten sechziger Jahren Materialien wie Baumwolle, Leinen, Leder und Wolle die Basis für Wetterschutzkleidung darstellten, hat sich dies mit der massenhaften Verarbeitung von Nylon und abgeleiteten Kunstfasern gravierend geändert. Denn die Ur-Outdoorbekleidung konnte nur durch Behandlung mit Wachsen oder Ölen zuverlässig wasser- und windresistent ausgestattet werden, hatte dabei aber den entscheidenden Nachteil, dass sie nach Durchnässung nur schwer und langsam wieder trocknete. Zudem waren diese Bekleidungsteile meist sehr schwer und schränkten bei jeder Art Bewegung ein.

Als Pionier der Material-Revolution bei Outdoorbekleidung gilt Robert W. Gore. Der US-Tüftler stellte in den frühen siebziger Jahren bei Laborversuchen eher zufällig fest, welche erstaunlichen Eigenschaften PFTE-Fasern aufwiesen, mit denen er für Industrieverpackungen experimentierte. Denn, so seine Erkenntnis, dehnt man die Fäden aus PTFE-Material, konnte sein Team es zu einen Stoff zusammenstricken, der Wassertropfen von außen effektiv abhielt, Wasserdampf von innen jedoch zuverlässig nach außen entweichen ließ – im Prinzip hatte er so eine Material-Eigenschaft entdeckt, die geradezu ideal für die Herstellung von „funktioneller Kleidung“ war. Hinzu kam, dass das Material sehr schnell trocknete, da es keine Feuchtigkeit speicherte und außerdem war es äußerst robust.

PFTE Revolutioniert die Material-Branche


Dank Gores Erfindung revolutionierte das neue Material binnen kürzester Zeit etliche technischen Disziplinen. GORETEX war ideal für Anwendungen in der Raumfahrt, in der Elektroindustrie und natürlich auch für die Herstellung von außerordentlich wetterfester Kleidung. Noch heute gehört Gore einerseits als Zulieferer, andererseits mit eigenen Kollektionen zu den großen Playern im Outdoor-Markt. Im Prinzip wurde die Wunderfaser schnell zum Gattungsbegriff für regendichte Bekleidung: Noch heute packen viele Naturfreunde ihre „Goretex“-Jacke ein, wenn sie sich auf den Weg in die Wildnis machen – selbst wenn sie von einem anderen Hersteller stammt und mit einer ganz anderen Technologie Feuchtigkeit an der Jacke abperlen lässt.

Heute sind Funktionsjacken die am meisten gekauften Outdoor-Artikel und mit einer Vielzahl bewährter Tectnologien ausgerüstet. Teilweise sind die Stoffe aus Funktionsfasern gestrickt, andere Hersteller arbeiten mit Membranen, die auf den Trägerstoff aufgebracht werden und so für Klimamanagement sorgen. Alerdings sind die Unterschiede der Funktionsweisen und natürlich der Anwendungen, für die sich die einzelnen Produkte eignen, riesig. Entsprechend groß ist bei diesem Thema der Beratungsbedarf. Denn eine Dreilagen-Goretex-Jacke ist für den gelegentlichen Spaziergang im Stadtpark gänzlich ungeeignet – auch wenn die Werbung die Kunden glauben macht, eine solche Jacke sorgt an 365 Tagen im Jahr für ein Wohlfühlklima. Genauso wenig taugt einen leichte Jogging-Membran-Jacke als Ausrüstung für eine Bergtour mit Rucksack im alpinen Gelände – aber auch hier suggeriert die Produktbeschreibung, dass Feuchtigkeitsschutz ein Allheilmittel ist, sobald man sich in der Natur bewegt. Andererseits versucht die Outdoor-Industrie, für möglichst viele Sportarten und Outdoor-Disziplinen eigene Kollektionen zu vermarkten – auch hier wird viel Unsinn verbreitet, denn eine leichte, atmungsaktive Regenjacke tut Ihren Dienst mit dem passenden „Drunter“ auf dem Bike ebenso wie auf der Joggingstrecke oder beim Klettern. Ein wichtiger Ansatz für eine gute Beratung ist daher, Bekleidung zu finden, die ein breites Aktivitätenspektrum abdeckt und bei den verschiedensten Erlebnissen zuverlässig funktioniert.