Funktionsjacke Beratung & Ratgeber
Der Oberbegriff für fast alle Outdoorjacken — drei Stufen von winddicht bis wasserdicht.
Alle Jacken funktionieren irgendwie. Von Funktionsjacken wird aber nur gesprochen, wenn das verwendete Material wichtige Eigenschaften wie Atmungsaktivität und Wasserdichtigkeit miteinander verbindet. Genau genommen wäre es deswegen besser von einer Multi-Funktionsjacke zu sprechen. Der entscheidende Vorteil der modernen Funktionsmaterialien ist die Kombination eines erstklassigen Wind- und/oder Regenschutzes mit einer komfortablen Atmungsaktivität.
Die wichtigsten Varianten der Funktionsjacke
Atmungsaktiv und winddicht
Eine winddichte Jacke ist sehr praktisch, wenn es relativ windig ist, aber kein Regen in Sicht ist. Winddichte Jacken sind in der Regel atmungsaktiver und bequemer als wasserdichte Jacken. Deswegen ist eine Funktionsjacke, die nur den Wind abhält, deutlich angenehmer bei Outdoor-Aktivitäten.
Atmungsaktiv, winddicht und wasserabweisend
Wenn der Wind weht und der Himmel nicht ganz blau ist, kann es sinnvoll sein, eine wasserabweisende Jacke zu wählen. Für einen kleinen Schauer oder einen Nieselregen reichen solche Funktionsjacken aus. Bei starken Regenfällen ist eine wasserabweisende Funktionsjacke aber schnell am Limit, dann hilft nur noch die Regenjacke. Dieser Jackentyp kann zumindest im mitteleuropäischen Alltag von Frühjahr bis Herbst als Standardjacke eingesetzt werden.
Atmungsaktiv, winddicht und wasserdicht
Alle modernen Hardshells besitzen diese Eigenschaften: Atmungsaktiv, winddicht und wasserdicht. Der wesentliche Fortschritt zu älteren Jackentypen, z.B. zum berühmt-berüchtigten Friesennerz, ist die Atmungsaktivität. Die Funktionsjacke ermöglicht eine Luftzirkulation, so dass das Klima unter der Jacke angenehm bleibt. Allerdings hat auch das beste Funktionsmaterial Grenzen. Deswegen kann es auch unter einer Funktionsjacke unangenehmen werden, z.B. wenn durch Aktivität mehr warme Luft generiert wird als nach außen transportiert werden kann.

Was nachlässt, ist nicht die Membran
Eine Imprägnierung sitzt auf dem Oberstoff, nicht auf der Membran. Sie nutzt sich durch Abrieb und Schmutz ab — und wenn sie weg ist, bleibt die Jacke dicht und fühlt sich trotzdem nass an. Der Grund liegt an einer Stelle, die niemand vermutet.
Wirksam
Der Tropfen perlt ab

Der Oberstoff bleibt trocken. Zwischen seinen Fasern steht Luft, und der Dampf von innen zieht ungehindert durch Membran und Gewebe nach außen.
- Was man merkt
- Die Jacke atmet, wie sie soll
Nachlassend
Der Tropfen zerläuft

Der Tropfen breitet sich aus und der Stoff beginnt, Wasser aufzunehmen. Stellenweise ist der Luftraum zwischen den Fasern schon mit Wasser gefüllt.
- Was man merkt
- Erste dunkle Flecken auf Schultern und Armen
Aufgebraucht
Der Oberstoff ist vollgesogen

Der Oberstoff ist voll Wasser — die Membran darunter hält weiter dicht. Nur kommt der Dampf von innen nicht mehr heraus, weil das Wasser im Gewebe ihm den Weg versperrt.
- Was man merkt
- Die Jacke fühlt sich innen nass an, obwohl nichts durchkommt
Deshalb ist Nachimprägnieren keine Kosmetik: Es stellt nicht die Dichtigkeit wieder her — die war nie weg —, sondern die Atmungsaktivität. Und deshalb hilft Waschen oft schon allein: Schmutz zieht Wasser an, und eine gereinigte Ausrüstung perlt wieder, bevor man zum Spray greifen muss.

Wichtige Qualität: Abriebfestigkeit – Robustheit
Der Faktor Abriebfestigkeit wird häufig übersehen, zumal er im Alltag nur eine untergeordnete Rolle spielt. Beim Trekking im Wald oder im Gebirge ist es aber wichtig, dass die äußere Schicht robust ist. Ansonsten hat die schöne Jacke schnell einen Riss oder ein Loch. Auch wenn Sie einen Rucksack tragen, sollten Sie eine Jacke kaufen, die nicht gleich bei der geringsten Belastung nachgibt.
Vorsicht bei schweren Trekking-Rucksäcken
Bei allen Rucksäcken, die ohne Hüftgurt auskommen, reicht zumindest beim sporadischen Einsatz auch eine weniger robuste Hardshell aus. Bei großen Trekkingrucksäcken, deren Gesamtgewicht über 10 kg reicht, muss das Hardshell-Material aber so beschaffen sein, dass die Schultergurte nicht in kürzester Zeit poröse Stellen verursachen. Das gilt allerdings auch für einen Daypack, den sie täglich auf dem Rücken tragen
Faustregel: Rucksackträger brauchen eine 3-lagige Hardshell oder eine Jacke mit verstärkten Schulterpartien.
Welches Material ist für Funktionsjacken ideal?
Diese Frage lässt sich nicht allgemein beantworten. Das ist aber bereits eine wichtige Erkenntnis, denn vor der Wahl einer Jacke sollte zunächst die Frage beantwortet werden:
Wozu brauche ich die Funktionsjacke?
Wollen Sie die Funktionsjacke im städtischen Alltag tragen oder auf einer Expedition in ein polares Gebiet? Brauchen Sie nur einen Regenschutz oder soll die Jacke auch eine isolierende Wirkung haben? Möchten Sie die Funktionsjacke bei starker Aktivität tragen? Nur wenn Sie ganz genau wissen, für welchen Zweck Sie die Funktionsjacke einsetzen möchten, können Sie gezielt ein passendes Model auswählen.
Tipp: Nicht in jedem Fall ist eine hochpreisige Hardshell von einem Edelhersteller erforderlich. Für den Alltag reicht vielleicht auch eine gute Regenjacke von einem Massenhersteller. Besonders flexibel sind Jacken, die aus mehreren Einzeljacken bestehen (z.B. 3-in-1 oder 2-in-1). Allerdings ist es auch möglich, eine vergleichbare Flexibilität mit einer dünnen Hardshell-Jacke und mehreren Kleidungsschichten (siehe Zwiebelschalenprinzip) zu erreichen. Bei mehrteiligen Jacken ist es praktisch, wenn alle Einzelteile als vollwertige Jacken genutzt werden können.
Muss es unbedingt eine Funktionsjacke sein?
Grundsätzlich ist es durchaus erlaubt zu fragen, ob für den Alltag eine Funktionsjacke erforderlich ist. Und die Antwort ist einfach: Nein, Sie können auch mit einer traditionellen Jacke aus Baumwolle, Leder oder einem anderen Naturstoff problemlos durch den Alltag kommen. Wenn es allerdings einmal heftig regnet, und das kann in Mitteleuropa gelegentlich vorkommen, ist eine moderne Funktionsjacke ungeheuer praktisch. Auch den modischen Aspekt sollten Sie nicht außer Acht lassen, denn mittlerweile gibt es Funktionsjacken in unzähligen verschiedenen Farben und Varianten.
Welche Aufgabe die Jacke in der Schichtung hat
„Funktionsjacke" ist ein Sammelbegriff ohne feste Bedeutung, und das macht den Vergleich schwer. Brauchbarer ist die Frage, welche der drei Aufgaben des Schichtensystems die Jacke übernimmt — denn danach entscheidet sich, was sie leisten muss.
Wetterschutz. Wind und Nässe abhalten. Das leisten Hardshell- und Regenjacken, in begrenztem Maß auch Softshells. Diese Schicht wird angezogen, wenn das Wetter es verlangt, und sonst getragen — im Rucksack.
Isolation. Wärme halten. Das leisten Fleece-, Daunen- und Kunstfaserjacken. Sie wärmen nicht selbst, sondern halten die Körperwärme in einer ruhenden Luftschicht.
Feuchtigkeitstransport. Das leistet die Schicht direkt auf der Haut, also keine Jacke. Wer eine Jacke direkt auf dem Shirt trägt, hat diese Aufgabe unbesetzt gelassen.
Der Fehler, der daraus entsteht: Eine Jacke, die zwei Aufgaben zugleich übernehmen soll — etwa eine gefütterte Hardshell —, lässt sich nicht trennen. Bei Wärme muss man sie ganz ausziehen und hat dann keinen Wetterschutz mehr. Deshalb sind zwei getrennte Jacken in der Summe vielseitiger als eine kombinierte, auch wenn sie zusammen mehr wiegen.
Hardshell, Softshell, Hybrid
Drei Bauarten decken den Wetterschutz ab, mit klaren Unterschieden.
Die Hardshell hat eine Membran und ist wasserdicht. Sie ist die einzige Wahl für dauerhaften Regen und für alpine Touren. Dafür ist sie am wenigsten dampfdurchlässig und raschelt.
Die Softshell ist winddicht oder windabweisend und wasserabweisend, aber nicht wasserdicht. Sie ist elastisch, angenehm zu tragen und deutlich dampfdurchlässiger. Für kühles, trockenes bis leicht feuchtes Wetter die bequemere Wahl — mehr dazu im Glossareintrag Softshell.
Hybridjacken kombinieren beides in einem Kleidungsstück: dichteres Material an Schultern und Armen, atmungsaktiveres an Rumpf und unter den Armen. Das ist der jüngste Ansatz und für Touren mit wechselnder Belastung sinnvoll; er verschiebt die Entscheidung von „entweder-oder" auf die Frage, wo welche Eigenschaft gebraucht wird.
Die Details, die über eine Tour entscheiden
Bei Jacken machen vier Ausstattungsmerkmale den Unterschied, und sie stehen selten im Vordergrund der Werbung.
Die Unterarmreißverschlüsse. Sie sind das wirksamste Mittel gegen Hitzestau unter einer dichten Jacke — mehr als jede Membranspezifikation. Beim Aufstieg geöffnet, geben sie Feuchtigkeit und Wärme ab, ohne dass man die Jacke ausziehen muss.
Die Kapuze. Sie muss sich in drei Richtungen verstellen lassen und mit dem Kopf mitdrehen, ohne die Sicht zu nehmen. Ob sie über einen Helm passt, ist eine eigene Frage — mehr im Glossareintrag zur helmkompatiblen Kapuze.
Die Taschenposition. Taschen auf Hüfthöhe liegen unter dem Rucksackhüftgurt und sind dann nicht erreichbar. Brusttaschen und hoch angesetzte Seitentaschen lösen das.
Die Länge und der Saumzug. Eine Jacke, die unter dem Hüftgurt endet, lässt Wind und Regen an den Rücken. Ein Saum, der sich zuziehen lässt, hält beides draußen.
Was die Angaben auf dem Etikett wert sind
Bei Funktionsjacken stehen meist drei Zahlen, und sie sind nur begrenzt vergleichbar.
Die Wassersäule gibt an, welchem Druck das Material standhält. Sie ist nach EN 343 geprüft und innerhalb derselben Klasse vergleichbar — aber die Klassengrenze sagt nichts darüber, wie lange die Jacke in der Praxis dicht bleibt, weil die Nähte und die Imprägnierung der Oberfläche mindestens so wichtig sind.
Die Atmungsaktivität wird als RET oder in Gramm je Quadratmeter und Tag angegeben, und hier wird es unübersichtlich: Dieselbe Membran kann nach zwei Verfahren Werte liefern, die um ein Mehrfaches auseinanderliegen. Eine Umrechnung zwischen den Angaben ist nicht möglich.
Isolationsjacken: Daune oder Kunstfaser
Übernimmt die Jacke die Isolationsaufgabe, stellt sich dieselbe Frage wie beim Schlafsack — mit denselben Antworten.
Daune bietet das beste Verhältnis von Wärme zu Gewicht und das kleinste Packmaß. Sie verliert bei Feuchtigkeit ihr Volumen und damit ihre Wirkung, verklumpt und trocknet langsam. Für trockene Kälte und für Pausenjacken, die zusammengepackt im Rucksack mitgehen, die richtige Wahl.
Kunstfaser isoliert auch feucht noch, trocknet schneller und verträgt häufiges Waschen. Sie ist für dieselbe Wärme schwerer und voluminöser. In feuchtem Klima und als Jacke, die auch beim Gehen getragen wird, die praktischere Wahl.
Wie viele Gramm einer schwächeren Daune dasselbe Volumen aufbauen, folgt aus beiden Angaben zusammen — wobei ein Abstand von weniger als 100 cuin innerhalb der Messunsicherheit liegt.
Welche Jacke in den Rucksack gehört
Auf jeder Tour, die über eine kurze Wanderung hinausgeht, gehören zwei Jacken mit — und sie haben verschiedene Aufgaben.
Die Wetterschutzjacke wird angezogen, wenn Wind oder Regen einsetzen. Sie muss schnell erreichbar sein, deshalb liegt sie oben im Rucksack und nicht unten.
Die Isolationsjacke wird in der Pause angezogen, nicht beim Gehen. Die Wärmeproduktion fällt beim Stehenbleiben binnen Minuten ab, und der Schweiß in der Kleidung verdunstet weiter — deshalb ist die Pausenjacke die am dringendsten greifbare Ausrüstung überhaupt.
Beide zusammen wiegen weniger als eine gefütterte Allzweckjacke und decken mehr Fälle ab.
Waschen: der häufigste Pflegefehler
Funktionsjacken werden zu selten gewaschen, nicht zu oft — und das ist der verbreitetste Irrtum bei diesem Thema.
Schmutz, Hautfette und Waschmittelreste setzen die Oberfläche zu, und dann perlt Wasser nicht mehr ab. Das Gewebe saugt sich voll, die Jacke fühlt sich innen klamm an, und man hält die Membran für defekt — obwohl sie es nicht ist. Eine gewaschene und wieder aktivierte Jacke verhält sich dann wie neu.
Gewaschen wird mit Spezialwaschmittel für Funktionstextilien, bei niedriger Temperatur, ohne Weichspüler, mit zusätzlichem Spülgang. Danach kommt der Schritt, der am häufigsten fehlt: Wärme. Ein Trockengang bei niedriger Temperatur oder Bügeln mit Zwischentuch richtet die wasserabweisende Ausrüstung neu aus. Erst wenn das nicht mehr hilft, wird nachimprägniert.
Die Passform über der Schichtung
Eine Wetterschutzjacke wird über allen anderen Schichten getragen und muss entsprechend geschnitten sein. Wer sie ohne Isolationsschicht anprobiert, kauft sie zu eng — und merkt es im Winter.
Richtig ist die Anprobe mit dem, was darunter kommt: Basisschicht und Isolationsjacke. Geprüft wird dabei die Armfreiheit über Kopf und ob der Saum beim Heben der Arme hochrutscht.


