Salewa Bekleidung & Jacken Beratung
Bekleidung ist bei Salewa die größte Gattung: Die Bekleidungsrubrik des Herstellershops (abgerufen am 7. Oktober 2026) wies an diesem Tag 1.511 Katalogeinträge aus, die Rubrik Hardshelljacken Herren allein 49 — gezählt werden Farben und Größenfassungen, nicht Modelle. Dahinter liegen fünf Baureihen, benannt nach Einsatz und nicht nach Preis: Ortles für Hochtour und Eis, Sella für Skitour, Puez für Bergwandern, Pedroc für schnelles Gehen, Fanes für Hütte und Alltag.
Was diese Marke von den Nachbarmarken trennt, ist kein Stoff, sondern eine Inkonsequenz im Datenblatt. Salewa verbaut zwei Membranfamilien — die zugekaufte und die hauseigene Powertex —, und sie beschreibt deren Atmungsaktivität in zwei Maßen, die sich nicht ineinander umrechnen lassen. Bei den GORE-TEX-Jacken steht ein RET-Wert, bei den Powertex-Jacken eine Gramm-Angabe ohne Prüfverfahren. Im selben Katalog, in derselben Rubrik, oft in derselben Baureihe — wer zwei Salewa-Jacken vergleichen will, vergleicht an dieser Stelle Unvergleichbares.
Die Jackenreihen und wofür sie gebaut sind
Alle folgenden Zahlen entstammen den Spezifikationsfeldern der Produktseiten — etwa dem Datenblatt der Ortles GORE-TEX Pro, abgerufen am 7. Oktober 2026, und gelten für die Herrenfassung.
| Baureihe | Aufbau | Für wen | Kennwerte | Preis |
|---|---|---|---|---|
| Ortles GORE-TEX Pro / 3 Layers ePE | 3 Lagen, ePE | Bergsteigen, Skitour | 450 bzw. 525 g, 28.000 mm, RET unter 13,5 bzw. 13 | €€€ |
| Ortles Powertex 3L / Extreme 3L | 3 Lagen, hauseigen | Trekking bis Hochtour | 410 bzw. 400 g, 98–110 g/m² | €€ |
| Ortles Daunenjacken | Isolierung | Standzeiten in der Kälte | 830 g, 234 g Füllung, Oberstoff 35 g/m² | €€€ |
| Sella Free 3 Layers Powertex | 3 Lagen, weiter Schnitt | Freeride, Skitour | 590 g, 20.000 mm (ISO 811), 120 g/m² | €€€ |
| Sella Durastretch | Softshell, membranfrei | Aufstieg, kühl und trocken | 470 g, 188–223 g/m², mit Elastan | €€ |
| Puez GORE-TEX 2 / 3 Layers ePE | 2 bzw. 3 Lagen | Bergwandern im Regen | 480 bzw. 400 g, 28.000 mm, RET unter 20 | €€ |
| Puez 2.5L Powertex | 2,5 Lagen | Wandern, leicht und günstig | 310 g, 10.000 mm, 105 g/m² | € |
| Pedroc 2 Powertex 2.5 Layers Light | 2,5 Lagen | Speed Hiking, Notjacke | 170 g, 20.000 mm, 58 g/m² | €€ |
| Fanes Sarner | Wollstrick | Hütte, Alltag | 850 g, 565 g/m² | €€ |
Die Kennwerte der Gattung im Salewa-Katalog
Atmungsaktivität — der Kern der Sache. Die GORE-TEX-Jacken tragen ein eigenes Feld mit RET-Werten: unter 13 bei der Ortles 3 Layers ePE, unter 13,5 bei der Ortles Pro, unter 20 bei beiden Puez-Fassungen. Das ist eine brauchbare Angabe, weil der RET-Wert an ein Verfahren gebunden ist und niedrig gut heißt. Die Powertex-Jacken tragen dagegen Gramm-Angaben — 10.000 bei der Puez 2.5L, 20.000 bei der Sella Free, 30.000 bei der Ortles Powertex Extreme, 40.000 bei der Pedroc 2 Light. Eine Prüfnorm steht bei keiner davon. Solche Werte fallen je nach Verfahren ganz verschieden hoch aus; welche Normen in Frage kommen und warum keine von ihnen einen Grenzwert kennt, führt Wassersäule und Atmungsaktivität aus. Ohne Verfahren belegt die 40.000 der Pedroc also nicht, dass sie doppelt so durchlässig wäre wie die Sella Free.

RET: welche Zahlen in einer Norm stehen — und welche nicht
RET misst den Widerstand gegen Wasserdampf: je niedriger, desto weniger staut sich. Gemessen wird nach ISO 11092 — bewertet wird dort nicht. Beide Skalen unten beanspruchen dieselbe Größe.
Normativ EN 343:2019, Schutzkleidung gegen Regen
Branchenkonvention in keiner Norm auffindbar
„The test conditions used in this International Standard are not intended to represent specific comfort situations, and performance specifications in relation to physiological comfort are not stated."
ISO 11092:2014, Abschnitt 1 „Scope", letzter Absatz
RET ist ein Widerstand
Wasserdampf-Druckunterschied geteilt durch den Verdunstungs-Wärmestrom. Eine kleinere Zahl heißt: weniger Widerstand, mehr Durchlass.
Gemessen wird an einer heißen Platte
Das „Hautmodell" hält 35 °C und verdunstet Wasser durch eine Membran. Gemessen wird die Heizleistung — kein flüssiges Wasser berührt den Stoff.
Nur der stationäre Zustand
Die Norm beschreibt ausdrücklich Gleichgewichtsbedingungen. Schwitzen am Anstieg, Windböen und Kleidungswechsel bildet sie nicht ab.
RET und g/m²/24 h sind nicht umrechenbar
MVTR kommt aus dem Becherverfahren. Am selben Stoff liefern fünf Verfahren systematisch verschiedene Zahlen — die Rangfolge ist belegt.
Klassengrenzen nach EN 343:2019; die Ret-Werte dieser Fassung sind über mehrere übereinstimmende Fachquellen belegt, der Normtext selbst lag nur als Entwurf von 2017 vor (dort 40 / 20 / 10). Die untere Skala steht weder in ISO 11092 noch in einer Hohenstein-Veröffentlichung; sie wird hier gezeigt, weil sie im Handel verbreitet ist — nicht, weil sie eine Grundlage hätte.

Wassersäule. Drei Werte tragen das Programm: 28.000 Millimeter bei allen GORE-TEX-ePE-Jacken, 25.000 bei der Ortles Powertex Extreme, 20.000 bei Sella Free und Pedroc 2 Light, 10.000 bei der Puez 2.5L. Die Prüfnorm nennt genau eine Jacke, die Sella Free. Und bei der Ortles Powertex 3L ist das Spezifikationsfeld gar nicht gefüllt: Dort steht die Zahl nur im Beschreibungstext und in der Stoffbezeichnung „20k/20k" — bei der nächsten Jacke derselben Reihe dagegen schon. Welcher Druck dabei überhaupt gemessen wird, erklärt der Eintrag Wassersäule.
Lagenzahl. Das Feld ist durchgehend gefüllt, mit vier Werten: 2 Lagen, 2,5 Lagen, 3 Lagen und, bei den Isolationsjacken, „Isolierung". Die 2,5-Lagen-Jacken sind die leichtesten des Programms — 170 Gramm bei der Pedroc 2 Light, 310 bei der Puez 2.5L —, haben aber kein Futter, sondern einen aufgedruckten Innenschutz. Deshalb werden sie bei anhaltender Anstrengung innen klamm; was da passiert, erklärt Kondenswasser in der Jacke. Welche Bauform wofür gedacht ist, trennt die Hardshelljacke.
Flächengewicht. Hier ist Salewa ungewöhnlich auskunftsfreudig: Das Flächengewicht (g/m²) steht in der Stoffbezeichnung fast jedes Kleidungsstücks. Die Spanne reicht von 35 Gramm je Quadratmeter beim Oberstoff der Ortles-Daunenjacken über 58 bei der Pedroc 2 Light, 98 bis 139 bei den Hardshells, 188 bis 223 beim Durastretch-Softshell bis zu 565 beim Wollstrick der Fanes Sarner. Das ist die einzige Zahl, mit der sich zwei Salewa-Jacken ohne Vorbehalt vergleichen lassen — und sie sagt mehr über die Robustheit als jede Wassersäule, denn durchgescheuert wird eine Jacke am Rucksackträger, nicht vom Regen; dazu gehört der Begriff Abriebfest.
Isolation. Zwei Füllungen, getrennt ausgewiesen. Die Daunenjacken nennen Füllgewicht, Mischung und Bauschkraft: 234 Gramm Entendaune im Verhältnis 90/10 mit 750 cuin bei der Ortles Heavy Down Pro, 100 Gramm im Verhältnis 80/20 mit 550 cuin bei der Brenta. Zertifiziert ist die Daune nach dem Responsible Down Standard. Das Prüfverfahren hinter der cuin-Zahl nennt Salewa nicht — und weil für die Bauschkraft mehrere Verfahren im Umlauf sind, bleibt die Zahl nur im eigenen Katalog vergleichbar. Die zweite Füllung heißt TirolWool, eine Mischung aus Polyester und Schurwolle mit 60 oder 80 Gramm je Quadratmeter. Dass kein Dämmstoff selbst wärmt, sondern Luft festhält, steht bei der Isolation.
Technologien und was sie technisch sind
Powertex. Die hauseigene Membran, laminiert und in 2, 2,5 oder 3 Lagen verarbeitet. Salewa beschreibt sie selbst (7. Oktober 2026) als wasserdicht, winddicht und atmungsaktiv, ohne einen Messwert zu nennen; die Zahlen stehen nur in den Produktdatenblättern. Der Membrantyp bleibt offen — nur bei der Ortles Powertex Extreme steht „PP Membrane", also Polypropylen. Woran die Leistung einer Membran hängt, steht im Glossar.
Durastretch. Das Softshellgewebe der Marke, membranfrei und dadurch ohne Dampfbremse. Der Elastananteil steht im Datenblatt: 11 bis 12 Prozent, Rest Polyamid und Polyester. Membranfrei heißt aber auch: nicht wasserdicht. Eine Wassersäule gibt Salewa für die Durastretch-Jacken folgerichtig nicht an, nur eine DWR-Ausrüstung — der Unterschied zur Hardshell ist eine Bauentscheidung, keine Qualitätsstufe, siehe Softshelljacke.
Preisniveau
€€€. Bei der Bekleidung liegt Salewa höher als in den anderen Gattungen der Marke. Zwischen der günstigsten Hardshelljacke, der Puez 2.5L Powertex, und der teuersten, der Ortles GORE-TEX Pro, liegt mehr als das Vierfache; das obere Drittel besetzen die Ortles- und Sella-Modelle mit Dreilagenaufbau. Nach unten reicht das Programm bis in die Mittelklasse, nicht in die Einstiegsklasse: Die Puez 2.5L liegt dort, wo bei Volumenmarken die Mitte beginnt.
Für wen — und für wen nicht
Passend ist Salewa, wenn die Jacke unter einem Klettergurt und mit Helm getragen wird: Die Ortles-Reihe hat erweiterbare Kapuzen und Taschen, die über dem Gurt zugänglich bleiben. Passend auch, wenn Gewicht zählt — 170 Gramm bei 20.000 Millimetern Wassersäule sind eine ernste Zahl. Und passend für den, der Flächengewichte vergleicht: Kaum eine Marke nennt sie so durchgehend.
Nicht passend ist Salewa für Käufer, die zwei Jacken rein nach Zahlen vergleichen wollen: Solange RET und Gramm-Angabe nebeneinander stehen und letztere ohne Verfahren bleibt, taugt die Atmungsaktivität nicht als Entscheidungsgrundlage — man muss auf Lagenzahl und Flächengewicht ausweichen. Nicht passend auch für weite Schnitte: Außer Sella und Fanes ist das Programm eng, und der Athletic Fit verzeiht wenig. Und wer eine Regenjacke für den Weg zur Arbeit sucht, zahlt hier Bergmerkmale mit, die auf dem Radweg nichts tun.
Alternativen
- Dynafit — wenn der Schwerpunkt ganz auf Skibergsteigen liegt.
- Mammut — breiteres Programm zwischen Berg und Alltag.
- RAB — wenn die Daunenjacke die Hauptsache ist.
- La Sportiva — ähnlicher Zuschnitt, stärker beim Klettern.
Häufige Fragen zu Salewa-Bekleidung
Ist Powertex so gut wie GORE-TEX?
Das lässt der Katalog nicht entscheiden. Die GORE-TEX-Jacken nennen einen RET-Wert, die Powertex-Jacken eine Gramm-Angabe ohne Prüfverfahren — zwei Größen, die sich nicht umrechnen lassen. Vergleichbar sind die Wassersäulen: 28.000 Millimeter bei den GORE-TEX-ePE-Jacken gegen 10.000 bis 25.000 bei Powertex.
Welche Salewa-Jacke ist am leichtesten?
Die Pedroc 2 Powertex 2.5 Layers Light mit 170 Gramm in der Herrenfassung, Oberstoff 58 Gramm je Quadratmeter. Sie ist als Notjacke gedacht, nicht als Dauerregenschutz — bei 2,5 Lagen fehlt das Futter, das die Membran von innen vor Abrieb schützt.
Was ist TirolWool?
Eine Isolationsfüllung aus Polyester und Schurwolle, keine reine Wolle, in zwei Fassungen: „Responsive" als Vliesmatte mit 60 oder 80 Gramm je Quadratmeter, „Air" als Hohlfaser. Sie sitzt in den Hybridjacken, teils neben Daune im selben Kleidungsstück.
Sind die Jacken PFAS-frei?
Bei den neueren Modellen führt das Datenblatt die Beschichtung als PFAS-frei und den Oberstoff mit dem Zusatz „PFAS FREE" oder „PFC-FREE". Für das ganze Programm gilt das nicht — es steht je Modell im Spezifikationsblock.
Was bedeutet „Athletic Fit"?
Das engste der drei Schnittfelder von Salewa; die anderen heißen „Regular" und „Loose". Daneben steht die Rückenlänge in Zentimetern — 71,5 bei der Ortles Pro, 81 bei der Sella Free. Wer darunter schichten will, rechnet die Lagen ein, bevor er die Größe wählt.

