Zum Inhalt springen

Haglöfs Bekleidung & Jacken Beratung

Markenlogo Haglöfs

Bei dieser Marke ist Bekleidung nicht ein Zweig neben der Ausrüstung, sondern der Hauptteil des Geschäfts. Die Inhaltsschnittstelle des deutschen Shops (abgerufen am 7. Oktober 2026) zählte an Oberteilen und Hosen 582 Damen- und 455 Herrenartikel, davon 427 Jacken. Die gesamte Ausrüstungsabteilung mit Rucksäcken, Schlafsäcken und Accessoires kommt dagegen auf 296.

Das Besondere ist, wie weit der Hersteller sein Datenblatt öffnet: Zu fast jedem Oberstoff stehen Lagenzahl, Fadenstärke, Wassersäule, ein RET-Wert und ein Flächengewicht da. Das ist mehr, als die meisten Nachbarmarken zeigen, und macht den Vergleich innerhalb des Sortiments überhaupt erst möglich. Nur nennt er zu keiner dieser Zahlen das Prüfverfahren – was sie damit noch hergeben, ordnet der Abschnitt zu den Kennwerten ein.

Artikel an Oberteilen und Hosen582 für Damen, 455 für Herren, davon 427 Jacken (Herstellerzählung, 7. Oktober 2026)
Technologieplattformen der Jackenabteilungfünf: GORE-TEX, Proof, Mimic, Daune, Polartec
Wassersäule der Hartschalen15.000 bis 28.000 mm nach Herstellerdatenblatt, ohne genannte Prüfnorm
RET-Werte im Sortiment6 bis 20 nach Herstellerdatenblatt, ohne genannte Prüfnorm

Die Baureihen und woraus sie gebaut sind

Die Werte stammen aus den Spezifikationsfeldern der Jackendatenblätter (abgerufen am 7. Oktober 2026), nicht aus den Beschreibungstexten daneben.

BaureiheAufbauFür wenKennwertePreisklasse
Spitz GTX Pro IIGORE-TEX Pro, 3 Lagen, 70 DenierBergsteigen28.000 mm, RET 13,5 und 14, 116 bis 148 g/m², 558 g€€€
L.I.M ZT II GTXGORE-TEX, 3 Lagen, 15 DenierAlpinklettern28.000 mm, RET 13, 318 g€€€
Nallo Touring GTXGORE-TEX Ripstop, 3 Lagen, 30 DenierSkitour28.000 mm, RET 13, 101 g/m², 407 g€€€
ROC Sight, Vassi GTX IIGORE-TEX, 3 Lagen, 75 Denier Polyesterrobuste Ganzjahreshülle28.000 mm, RET 20, 133 g/m², 540 und 720 g€€
Astral, Zodiac III, KlyvaGORE-TEX, 2 Lagen, 40 bis 75 DenierWandern28.000 mm, RET 13, 79 bis 100 g/m², 470 bis 590 g€€
L.I.M GTX IIGORE-TEX Paclite Plus, 2,5 Lagen, 20 DenierRegenschutz im Rucksack28.000 mm, RET 6, 74 g/m², 270 g€€
Front Proof II, Alper ProofProof PRO, 3 Lagen, 75 DenierDauerregen20.000 mm, 157 g/m², 550 und 680 g€€
Ozka ProofProof, 2 Lagen, 75 DenierAlltag15.000 mm, 150 g/m², 660 g€
Kaja Proof IIPertex Shield Ripstop, 2,5 Lagen, 50 Denierleichte Regenjacke20.000 mm, 98 g/m², 300 g€
Särna, Breeze, Mimic AlertKunstfaserisolation Mimicfeuchte KälteClusterfaser und Vlies, 476 g beim Särna Mimic II€
L.I.M Down II, Rosson, LidenDaune, teils mit Vlieseinsatztrockene KälteBauschkraft 600 bis 800 cuin, Blendverhältnis 90/10 und 80/20€€ bis €€€
Latnja Woolnahtlose WollmischungBasisschichtWollanteil 57 Prozent, 275 g beim Crew Neck€€

Kennwerte der Gattung, auf Haglöfs bezogen

Die Wassersäule trennt hier nichts. Jedes GORE-TEX-Laminat im Sortiment trägt denselben Wert: 28.000 mm, vom 15-Denier-Alpinstoff bis zur 75-Denier-Allroundjacke. Nur die hauseigenen Proof-Stoffe liegen darunter, bei 20.000 und 15.000 mm. Wer Hartschalen dieser Marke nach der Wassersäule sortiert, bekommt zwei Gruppen und innerhalb der größeren keine Abstufung. Welche Norm den Wert regelt, steht unter Wassersäule und Atmungsaktivität – das Datenblatt nennt sie nicht.

Infografik
Outdoor Beratung und Ratgeber
Atmungsaktivität

RET: welche Zahlen in einer Norm stehen — und welche nicht

RET misst den Widerstand gegen Wasserdampf: je niedriger, desto weniger staut sich. Gemessen wird nach ISO 11092 — bewertet wird dort nicht. Beide Skalen unten beanspruchen dieselbe Größe.

Normativ EN 343:2019, Schutzkleidung gegen Regen

Branchenkonvention in keiner Norm auffindbar

„The test conditions used in this International Standard are not intended to represent specific comfort situations, and performance specifications in relation to physiological comfort are not stated."

ISO 11092:2014, Abschnitt 1 „Scope", letzter Absatz

RET ist ein Widerstand

Wasserdampf-Druckunterschied geteilt durch den Verdunstungs-Wärmestrom. Eine kleinere Zahl heißt: weniger Widerstand, mehr Durchlass.

Gemessen wird an einer heißen Platte

Das „Hautmodell" hält 35 °C und verdunstet Wasser durch eine Membran. Gemessen wird die Heizleistung — kein flüssiges Wasser berührt den Stoff.

Nur der stationäre Zustand

Die Norm beschreibt ausdrücklich Gleichgewichtsbedingungen. Schwitzen am Anstieg, Windböen und Kleidungswechsel bildet sie nicht ab.

RET und g/m²/24 h sind nicht umrechenbar

MVTR kommt aus dem Becherverfahren. Am selben Stoff liefern fünf Verfahren systematisch verschiedene Zahlen — die Rangfolge ist belegt.

Klassengrenzen nach EN 343:2019; die Ret-Werte dieser Fassung sind über mehrere übereinstimmende Fachquellen belegt, der Normtext selbst lag nur als Entwurf von 2017 vor (dort 40 / 20 / 10). Die untere Skala steht weder in ISO 11092 noch in einer Hohenstein-Veröffentlichung; sie wird hier gezeigt, weil sie im Handel verbreitet ist — nicht, weil sie eine Grundlage hätte.

Mit KI-Unterstützung erstellt Schematische, nicht maßstabsgetreue Darstellung.

Der RET-Wert trennt umso mehr, und nicht so, wie der Name vermuten lässt. Die leichteste Hartschale, das L.I.M GTX II aus einem 2,5-lagigen Paclite-Plus-Laminat, nennt RET 6. Die teuerste, das Spitz GTX Pro II, nennt 13,5 für die Hauptbahn und 14 für die Ripstop-Verstärkung – mehr als das Doppelte, und hoher RET heißt schlechter durchlässig. Am oberen Ende stehen mit RET 20 die beiden 75-Denier-Polyesterjacken ROC Sight und Vassi GTX II. Das Muster dahinter ist nicht Qualität, sondern Masse: Was der Oberstoff an Fadenstärke und Flächengewicht (g/m²) zulegt, verliert das Laminat an Durchlässigkeit. „Pro" bezeichnet Haltbarkeit, nicht Atmung. Was die Zahl misst, erklärt der RET-Wert – und weil das Verfahren fehlt, tragen alle diese Zahlen nur innerhalb dieses Sortiments.

Lagenzahl und Fadenstärke sind die eigentlichen Unterscheidungsmerkmale. Im Sortiment stehen 2, 2,5 und 3 Lagen nebeneinander, die Fadenstärke reicht von 15 bis 75 Denier. Was diese Bauweisen leisten, trennt der Lagenaufbau auf. Zwischen dem 318 Gramm schweren L.I.M ZT II und dem 720 Gramm schweren Vassi GTX II liegen bei gleicher Wassersäule sieben RET-Punkte. Bei den Proof-Stoffen steht zusätzlich eine Feuchtigkeitsdurchlässigkeit in Gramm je Quadratmeter und Tag – auch ohne Verfahren und deshalb nicht gegen die RET-Werte zu halten.

Technologien und was sie technisch sind

Infografik
Outdoor Beratung und Ratgeber
Materialaufbau

Membranaufbau im Schnitt: 2, 2,5 und 3 Lagen

Alle drei Bauweisen halten mit derselben Membran dicht. Unterschiedlich ist nur, was die Membran auf der Innenseite schützt — und daran hängen Gewicht, Haltbarkeit und Tragegefühl.

2 Lagen

Membran am Oberstoff, Futter lose

außen Haut
  1. Oberstoff mit Imprägnierung
  2. Membran aufkaschiert
  3. Innenfutter separat eingenäht, hängt lose
Dafür
Futter frei wählbar, auch mit Isolierung kombinierbar
Dagegen
Das lose Futter scheuert an der Membran
Typisch für
Alltag, Reise, Jacken mit Wattierung

2,5 Lagen

Schutzdruck statt Futter

außen Haut
  1. Oberstoff mit Imprägnierung
  2. Membran aufkaschiert
  3. Schutzdruck Raster oder Punkte, keine volle Lage
Dafür
Leichteste und kleinste der drei Bauweisen
Dagegen
Klebt bei Schweiß auf der Haut, empfindlichste Innenseite
Typisch für
Notfalljacke im Rucksack, Laufen, Radfahren

3 Lagen

Alle drei Lagen fest verbunden

außen Haut
  1. Oberstoff mit Imprägnierung
  2. Membran einlaminiert
  3. Trikotfutter fest verbunden
Dafür
Keine Reibung zwischen den Lagen, deshalb langlebig
Dagegen
Steifer und schwerer, teuerste Bauweise
Typisch für
Bergsport, Trekking, dauerhafte Belastung

Die Lagenzahl sagt nichts über die Wassersäule aus — sie beschreibt nur, wie die Membran verbaut ist. Neben diesen drei gibt es die Z-Liner-Bauweise, bei der die Membran frei zwischen Oberstoff und Futter hängt.

Mit KI-Unterstützung erstellt Schematische, nicht maßstabsgetreue Darstellung.

GORE-TEX in vier Bauweisen. Dieselbe Zukaufmembran läuft in vier Zuschnitten: als GORE-TEX® Pro Shell im Spitz, als Dreilagenlaminat in Nallo Touring und ROC Sight, als Zweilagenlaminat in Astral, Zodiac und Klyva und als GORE-TEX Paclite / Paclite Plus im L.I.M. Bei Astral, Zodiac, Klyva und L.I.M ZT II weist das Blatt ausdrücklich ein GORE-TEX ePE aus, bei ROC Sight und Vassi nicht – die Umstellung läuft mitten durch das Sortiment.

Proof ist die eigene Antwort darauf, aber kein einheitliches Material. Front Proof und Alper Proof tragen einen 75-Denier-Polyesterstoff mit 20.000 mm und 157 g/m², Ozka Proof eine Zweilagenversion mit 15.000 mm. Das Kaja Proof II dagegen trägt nach eigenem Datenblatt gar keinen Proof-Stoff, sondern ein zugekauftes Pertex-Shield-Laminat – und das L.I.M Airak 2,5L, das den Namen nicht im Titel führt, trägt genau dasselbe Material. Der Plattformname sagt also nicht, welche Membran verbaut ist.

Mimic und Daune als getrennte Plattformen. Mimic gibt es als voluminöse Clusterfaser mit daunenähnlichem Griff und als Vlies mit Flächengewichtsangabe, in Jacken mit 80 und 100 g/m². In mehreren Modellen sitzen Daune und Vlies im selben Stück, das Vlies dort, wo Träger und Rucksackgurt drücken; den Gedanken dahinter ordnet die Aktivisolation (Active Insulation) ein. Bei der Daune nennt der Hersteller zwei eigene Qualitäten und eine mit Expedry bezeichnete Behandlung, Bauschkraft 600 bis 800 cuin und jeweils das Daunen-Blend-Verhältnis (90/10, 80/20). Alle Daunenstücke sind nach dem Responsible Down Standard geprüft, siehe RDS / Traceable Down, und als Hydrophobe Daune ausgerüstet; der Oberstoff darüber ist Pertex Quantum mit 10 Denier und 26 g/m².

Was im deutschen Datenblatt fehlt. Dieselben Artikel tragen in der englischen Shopfassung zu jedem Stoff zwei Angaben mehr: einen Vermerk zur DWR-Ausrüstung ohne bewusst zugesetzte Fluorchemie und einen Materialvermerk namens bluepass. Nachgeprüft am Astral GTX II und am Ridge GTX II: Gewicht, Wassersäule, RET und Flächengewicht stimmen in beiden Sprachen überein, die Zusätze fehlen nur im Deutschen. Was rechtlich gilt, steht unter PFAS in Outdoorausrüstung.

Preisniveau

€€€ an der Spitze, €€ im Kern. Die GORE-TEX-Hartschalen für Bergsteigen und Skitour bilden das obere Ende, die Zwei- und Zweieinhalblagenjacken und die Proof-Reihen den breiten Mittelbau. Eine Einstiegsklasse unterhalb der Proof-Zweilagenjacken gibt es nicht.

Für wen – und für wen nicht

Passend ist sie für Leute, die vor dem Kauf rechnen wollen: Weil Lagenzahl, Denier, Flächengewicht und RET bei fast jedem Artikel dastehen, lässt sich eine Hardshelljacke gegen die nächste abwägen statt Werbetexte zu vergleichen. Passend auch für den Schichtaufbau, weil Hartschale, Mimic-Isolation, Fleece und Wollbasisschicht aus einer Hand kommen – was das Prinzip leistet, erklärt das Zwiebelschalenprinzip.

Nicht passend ist sie, wenn die Zahlen über Markengrenzen hinweg vergleichbar sein sollen – ohne Prüfnorm sind sie das nicht. Ebenfalls nicht, wenn eine atmungsaktive Hartschale über den Produktnamen gesucht wird: Die teuerste Jacke hat hier den höheren RET-Wert als die leichteste. Und nicht bei knappem Budget, denn eine Regenjacke unterhalb der Proof-Zweilagenklasse führt der Hersteller nicht.

Alternativen

  • Fjällräven – wenn Mischgewebe über der Membran steht.
  • Bergans – ähnlich zugeschnitten, mit eigener Membranfamilie neben GORE-TEX.
  • Peak Performance – wenn Ski und Lifestyle den Schwerpunkt bilden.
  • Mammut – wenn Alpinklettern und Hochtour den Ton angeben.
  • Patagonia – wenn Reparatur und Rücknahme den Ausschlag geben.

Zu den übrigen Gattungen derselben Marke führen Haglöfs im Rucksackratgeber, Haglöfs im Schlafsackratgeber und Haglöfs Wanderschuhe.

Häufige Fragen zu Haglöfs-Bekleidung

Welche Haglöfs-Jacke hat die höchste Atmungsaktivität?

Nach Datenblatt das L.I.M GTX II mit RET 6 – die leichteste Hartschale, nicht die teuerste. Das Spitz GTX Pro II liegt bei 13,5 und 14, die 75-Denier-Modelle ROC Sight und Vassi GTX II mit 20 am oberen Ende. Eine Prüfnorm nennt der Hersteller zu keinem dieser Werte.

Ist „Proof" eine eigene Membran von Haglöfs?

Teilweise. Front Proof, Alper Proof und Ozka Proof tragen einen Stoff, den das Blatt als Proof beziehungsweise Proof PRO ausweist. Das Kaja Proof II trägt ein zugekauftes Pertex-Shield-Laminat und heißt trotzdem Proof. Der Name ist eine Sortimentsklasse, keine Materialangabe.

Warum tragen alle GORE-TEX-Jacken dieselbe Wassersäule?

Weil die Angabe die Membran beschreibt und nicht den Oberstoff darüber. 28.000 mm steht bei jedem GORE-TEX-Laminat, von 15 bis 75 Denier. Unterschiede liegen im Gewicht, in der Abriebfestigkeit und im RET-Wert.

Gibt es Haglöfs-Isolationsjacken ohne Daune?

Ja, die Mimic-Reihen mit Clusterfaser oder Vlies. Welche Bauweise zu welchem Einsatz passt, trennen Daunenjacke und Softshelljacke auf. Hilfreich ist dabei nicht die Aktivitätsauswahl des Shops: Dort stehen 773 von 774 Herren- und 895 von 901 Damenartikeln, die Achse schließt also fast nichts aus.

Inhalt

Gefällt dir, was du hier liest?

Teilen-Bild zu Haglöfs Bekleidung: Laminate und RET-Werte im Sortiment

Gefällt dir, was du hier liest?

Wir stecken viel Arbeit in outdoorberater.de — gemessene Angaben statt Werbesprüche, keine Bezahlschranke, keine Werbeflut. Wenn dir das hilft, ist Weiterempfehlen die schönste Art, Danke zu sagen. Jedes Teilen hilft anderen, uns zu finden, und hält das Projekt am Leben.

Zurück zum Seitenanfang