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66 North Outdoor Bekleidung Beratung

Markenlogo 66 North

Der Herstellershop führt am 8. Oktober 2026 genau 779 Artikel, Farben und Größen dabei zusammengefasst: 251 Oberteile, 203 Teile Oberbekleidung, 201 Zubehörartikel und 112 Hosen, dazu zwölf Sets aus Jacke und Hose. Geordnet ist das nicht nach Sportart, sondern nach Lage am Körper – Outerwear, Tops, Bottoms, Accessories –, und quer dazu läuft eine Rubrik Bademode mit 20 Artikeln, ein Teil davon aus recyceltem Polyamid. Das ist für eine Marke, die mit Nordatlantikwetter wirbt, der erste überraschende Befund: Der Katalog ist breiter als das Klima, für das er gebaut wird.

Der zweite ist ein Verzicht. Diese Marke erklärt ihre Teile über Materialnamen, nicht über Zahlen. GORE-TEX steht auf 86 Artikeln, Polartec auf 74 – eine Wassersäule aber nur auf 16, ein Gewicht auf keinem einzigen, und einen Laborwert zur Atmungsaktivität nennt der Hersteller nirgends. Wer bei den Nachbarmarken gewohnt ist, Millimeter gegen Millimeter zu stellen, findet hier nichts zum Rechnen und muss stattdessen die Materialfamilie lesen.

779 ArtikelBekleidung und Zubehör im Herstellershop, Stand 10/2026
86 und 74Artikel mit GORE-TEX beziehungsweise mit Polartec im Materialtext
16 von 779nennen eine Wassersäule, nämlich 10.000, 15.000 oder 20.000 mm
0 von 3.812Artikelvarianten tragen eine Gewichtsangabe

Die Reihen, die der Hersteller selbst hervorhebt

Der Shop führt eine eigene Liste „Our heroes“, und sie nennt sieben Reihen. Alle tragen isländische Orts- und Bergnamen, und sie teilen sich nach Bauart auf: Schalenjacken ohne Wärmeleistung auf der einen, Daune und Wattierung auf der anderen Seite. Die Zahl in der Spalte „Artikel“ zählt Katalogeinträge der Reihe, also Damen-, Herren-, Jacken-, Hosen- und Jubiläumsfassungen zusammen.

ReiheArtikelKennzeichnendes MaterialFür wenPreisklasse
Hornstrandir17GORE-TEX PRO, als Hardshelljacke und -hoseDauerregen, Wind, Bergeinsatz€€€
Dyngja53dreilagiges Gewebe mit 10.000 mm; dazu eine Daunenfassungdie breiteste Reihe, Schale und Wärme€€ bis €€€
Snæfell22Schale ohne benanntes Laminat; Hose aus Polartec Power Shield ProAlltag und Tour in einem Stück€€ bis €€€
Skálafell17zweilagiges GORE-TEX GTKYD mit Polartec Power Fill, teils WINDSTOPPERSki und Snowboard€€€
Tindur37Daune mit 800 fill power, Schalenfassung danebenKälte ohne Bewegung, Expedition€€€
Jökla10Parka für extreme KälteStadt und Standzeit im Winter€€€
Keilir22Daunenweste, Kapuzenjacke und Mantel mit 800 fill powerZwischenschicht€€
Aðalvík12einpackbare Regenbekleidung mit 15.000 mmReise, Notfallschicht€€
Ljósufjöll30Netzwattierung und PrimaLoft, sehr leichtBewegung bei feuchter Kälte€€
Esja, Bylur, Vonarstræti23Polartec-200-Fleece und isländischer WollstrickZwischenschicht und Alltag€ bis €€

Kennwerte: drei Millimeterwerte im ganzen Katalog

Eine Wassersäule steht an genau drei Stellen im Katalog: Die einpackbare Aðalvík-Regenbekleidung nennt 15.000 Millimeter, die Dyngja-Schalenteile nennen 10.000 Millimeter bei dreilagigem Aufbau, und eine Hüfttasche der Snæfell-Reihe nennt 20.000 Millimeter. Zusammen sind das 16 Artikel. Ein Prüfverfahren fehlt bei allen drei Angaben; ISO 811 kommt im ganzen Katalog nicht vor. Was die Norm festlegt und was sie ausdrücklich nicht abdeckt, steht unter Wassersäule und Atmungsaktivität.

Bei der Atmungsaktivität ist die Lage eindeutiger: Es gibt keine Zahl. Weder ein RET-Wert noch ein MVTR-Wert taucht an einem der 779 Artikel auf. Die Datenblätter schreiben stattdessen „highly breathable“ oder nennen das Laminat – und das ist bei zugekauftem Material immerhin eine verwertbare Auskunft, weil die Leistung dann an der Materialmarke hängt und nicht am Konfektionär. Auf die folgende Skala lässt sich diese Marke trotzdem nicht legen.

Infografik
Outdoor Beratung und Ratgeber
Atmungsaktivität

RET: welche Zahlen in einer Norm stehen — und welche nicht

RET misst den Widerstand gegen Wasserdampf: je niedriger, desto weniger staut sich. Gemessen wird nach ISO 11092 — bewertet wird dort nicht. Beide Skalen unten beanspruchen dieselbe Größe.

Normativ EN 343:2019, Schutzkleidung gegen Regen

Branchenkonvention in keiner Norm auffindbar

„The test conditions used in this International Standard are not intended to represent specific comfort situations, and performance specifications in relation to physiological comfort are not stated."

ISO 11092:2014, Abschnitt 1 „Scope", letzter Absatz

RET ist ein Widerstand

Wasserdampf-Druckunterschied geteilt durch den Verdunstungs-Wärmestrom. Eine kleinere Zahl heißt: weniger Widerstand, mehr Durchlass.

Gemessen wird an einer heißen Platte

Das „Hautmodell" hält 35 °C und verdunstet Wasser durch eine Membran. Gemessen wird die Heizleistung — kein flüssiges Wasser berührt den Stoff.

Nur der stationäre Zustand

Die Norm beschreibt ausdrücklich Gleichgewichtsbedingungen. Schwitzen am Anstieg, Windböen und Kleidungswechsel bildet sie nicht ab.

RET und g/m²/24 h sind nicht umrechenbar

MVTR kommt aus dem Becherverfahren. Am selben Stoff liefern fünf Verfahren systematisch verschiedene Zahlen — die Rangfolge ist belegt.

Klassengrenzen nach EN 343:2019; die Ret-Werte dieser Fassung sind über mehrere übereinstimmende Fachquellen belegt, der Normtext selbst lag nur als Entwurf von 2017 vor (dort 40 / 20 / 10). Die untere Skala steht weder in ISO 11092 noch in einer Hohenstein-Veröffentlichung; sie wird hier gezeigt, weil sie im Handel verbreitet ist — nicht, weil sie eine Grundlage hätte.

Mit KI-Unterstützung erstellt Schematische, nicht maßstabsgetreue Darstellung.

Beim Gewicht ist die Lücke vollständig. In keiner der 3.812 Artikelvarianten des Shops steht ein Gramm; ein Flächengewicht nennt der Hersteller an einem einzigen Artikel, der Regenjacke Sif mit 210 Gramm je Quadratmeter – und das ist das Erbstück der Fischerlinie, nicht das Spitzenprodukt. Wer eine Jacke dieser Marke in ein Gewichtsbudget einplanen will, muss sie wiegen.

Bei der Daune steht eine Zahl, und auch sie ist unvollständig. Die Reihen Tindur und Keilir nennen Gänsedaune mit 800 fill power – ohne das Messverfahren, ohne Füllgewicht in Gramm und ohne das Daunen-Blend-Verhältnis. Für die Bauschkraft gibt es zwei Messwege, die sich nicht ineinander umrechnen lassen, und ohne das zweite Gewicht bleibt die Wärmeleistung der Jacke offen. Einen Lieferanten benennt der Hersteller dagegen: Die Daune stammt nach eigener Darstellung von einem langjährigen Partner in Deutschland, der Zertifikate nach dem Responsible Down Standard, nach Downpass, nach dem Oeko-Tex-Standard 100 und eine Veterinärbescheinigung hält. Einzelne Teile – die Mäntel der Eldey-Reihe und eine Dyngja-Weste – sind als recycelte Daune ausgewiesen, letztere zusätzlich als frei von PFAS.

Technologien: zugekauft, und zwar bei zwei Häusern

Das Besondere an dieser Marke ist, wie eng sie an zwei Lieferanten hängt. Von Gore kommen vier verschiedene Dinge, und sie leisten nicht dasselbe: GORE-TEX Pro in der Hornstrandir-Reihe ist die wasserdichte Hardshell-Ausführung; GORE-TEX WINDSTOPPER und die unter demselben Dach geführte INFINIUM-Variante sind winddicht und wasserabweisend, aber nicht wasserdicht; und „GORE-TEX GTKYD“ ist eine zweilagige Ausführung, die der Hersteller in der Skiserie Skálafell verbaut, ohne das Kürzel irgendwo aufzulösen. Wer eine Jacke dieser Marke kauft, weil GORE-TEX darauf steht, hat damit noch nicht gesagt, ob sie Regen aushält.

Von Polartec kommen die wärmenden und die dehnbaren Lagen: Polartec Power Fill als Wattierung in den Skiteilen, Power Grid als Gitterfleece, Power Shield und Power Shield Pro als Softshellgewebe, Polartec Power Stretch Pro in Zipnecks und Handschuhen, Polartec Alpha in Sturmhauben und die Serie 200 als klassisches Fleece. Die luftdurchlässige Membran Polartec NeoShell sitzt heute in genau einem Artikel, dem Reiseanorak Vatnsmýri – sie war einmal das Aushängeschild dieser Marke und ist es nicht mehr.

Zwei Materialentscheidungen fallen aus dem Rahmen. Teile der Regenbekleidung – die 7 Einträge der Sif-Reihe und die Seesäcke mit 60 und 90 Litern – sind mit Polyurethan oder mit Polyvinylchlorid beschichtet statt mit einer Membran ausgestattet – das ist das Material der alten Fischerkleidung, dicht und zäh, aber nicht atmungsaktiv. Und der Hersteller verarbeitet Echtfell von Nerz und Fuchs, bezogen von einem namentlich genannten Auktionshaus. Beides steht offen auf der Materialseite; beides ist für einen Teil der Käufer ein Ausschlussgrund.

Preisniveau

€€€. Die Oberbekleidung liegt im oberen Drittel ihrer Klasse, und zwar durchgehend: Der Median der 203 Artikel dieser Rubrik liegt deutlich über dem Median des Gesamtprogramms, und zwischen dem günstigsten und dem teuersten Stück dieser Rubrik liegt etwa der Faktor dreizehn. Nach unten öffnet sich das Angebot über Zubehör, T-Shirts und Socken bis in die Klasse €, und die Heritage-Regenbekleidung der Sif-Reihe ist spürbar günstiger als die technischen Schalen. Ein Einstiegssegment in der Oberbekleidung gibt es nicht.

Für wen – und für wen nicht

Wer eine Jacke mit zwei Leben sucht, ist hier richtig: Die Schnitte sind ausdrücklich auf Alltag und Tour gleichzeitig gebaut, und die Reihen Snæfell und Dyngja sind genau dafür gemacht. Passend auch, wenn zugekauftes Material gewünscht ist, dessen Leistung sich außerhalb des Katalogs nachlesen lässt – bei GORE-TEX Pro und den Polartec-Familien ist das der Fall. Und passend, wenn Wolle und Strick dazugehören sollen: 99 Artikel nennen Wolle, 29 davon Merinowolle, und mit Bylur, Vonarstræti und Kjalarnes stehen drei eigene Strickreihen im Programm.

Falsch liegt hier, wer rechnen will: Ohne Gramm und ohne Prüfnorm bleibt jeder Vergleich am Materialnamen hängen. Nicht passend für Skibekleidung als Schwerpunkt: Dafür gibt es eine einzige Reihe mit 17 Artikeln, und wer ein vollständiges Skiprogramm sucht, ist bei 8848 Altitude oder 2117 of Sweden besser versorgt. Nicht passend außerdem, wenn tierfreie Ausrüstung Bedingung ist: Echtfell und Gänsedaune sind beide im Programm. Und nicht passend für den, der die alte Fischerbekleidung sucht – die gibt es weiter, aber nur in zwei isländischen Filialen und über die Firmenkundenabteilung, nicht im Webshop.

Alternativen

  • Bergans – die nordische Gegenprobe, die zu ihren Schalenteilen Messwerte veröffentlicht.
  • RAB – wenn Daunenjacken mit Füllgewicht und Verfahrensangabe gebraucht werden.
  • Lundhags – dieselbe Mischung aus Arbeitskleidungserbe und Tourenbekleidung, skandinavisch.
  • Patagonia – wenn Echtfell im Programm ein Ausschlussgrund ist.
  • Haglöfs – vergleichbare Preisklasse mit breiterem Tourenprogramm.

Häufige Fragen

Ist die Snæfell-Jacke noch aus Polartec NeoShell?

Nein. Die Reihe ist heute eine Familie aus Schalenjacke, Schalenhose, Stretchjacke, T-Shirt, Handschuh und Hüfttasche; die Hose nennt Polartec Power Shield Pro, der Handschuh GORE-TEX INFINIUM, und die Jacke nennt kein Laminat beim Namen. NeoShell steht am 8. Oktober 2026 auf genau einem Artikel des Katalogs, dem Anorak Vatnsmýri.

Welche Reihe ist die wasserdichte?

Für Dauerregen die Hornstrandir-Reihe mit GORE-TEX PRO, für wechselndes Wetter die dreilagigen Dyngja-Schalenteile mit 10.000 Millimetern, als Notfallschicht die einpackbare Aðalvík-Regenbekleidung mit 15.000 Millimetern. Die WINDSTOPPER- und INFINIUM-Teile sind winddicht und wasserabweisend, aber nicht wasserdicht – Details im Ratgeber zur Regenjacke.

Wie schwer ist eine Daunenjacke dieser Marke?

Der Hersteller sagt es nicht. In keiner der 3.812 Artikelvarianten steht ein Gewicht, und auch das Füllgewicht der Daune fehlt. Angegeben ist nur die Bauschkraft mit 800 fill power, und zwar ohne Messverfahren – was das für den Vergleich bedeutet, steht im Ratgeber zur Daunenjacke.

Gibt es die Fischerbekleidung noch?

Ja, aber getrennt vom Katalog. Die Arbeitsbekleidung für isländische Fischer läuft unter dem alten Firmennamen Sjóklæðagerðin weiter und ist nach Herstellerangabe in zwei isländischen Filialen sowie über die Firmenkundenabteilung zu beziehen. Im Webshop stehen davon nur die Erbstücke: die Regenlatzhose und die Regenjacke Sif, der Anorak Skipagata und die Trawler-Taschen mit einer Außenlage aus isländischem Fischernetz.

Was steckt in der Jubiläumskollektion?

Zum hundertjährigen Bestehen greift der Hersteller je Jahrzehnt ein Archivstück auf und datiert es im Produkttext: den Fischeranorak und -hut Slippurinn aus dem ersten Jahrzehnt, den Strickpullover Bylur aus den Jahren 1956 bis 1966, den Regenmantel Ægisíða aus 1966 bis 1976, den Parka Þórsmörk aus 2006 bis 2016 und die Schale Snæfell aus 2016 bis 2026. Die Stücke sind Neuauflagen in heutigen Materialien, meist in GORE-TEX WINDSTOPPER.

Woher kommt der Name 66 North?

Vom Breitengrad, nicht vom Längengrad: Der Hersteller leitet den Namen vom Breitenkreis des Polarkreises ab, der den Súgandafjörður in den isländischen Westfjorden berührt. Die Verwechslung mit dem Längengrad ist verbreitet – ein Längengrad läuft von Pol zu Pol und hat mit dem Polarkreis nichts zu tun.

Wo wird produziert?

Der Hersteller betreibt nach eigener Darstellung eigene Fabriken und gibt an, die Produktion finde heute überwiegend in Europa statt; ein Land nennt er nicht. Zur Energie schreibt er, außerhalb Islands werde zu 78,9 Prozent erneuerbare Energie eingesetzt; Island selbst arbeitet mit Erdwärme und Wasserkraft.

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