Salomon Bekleidung & Jacken Beratung
Die Bekleidung dieser Marke kommt aus dem Laufsport, und das ist an jedem Datenblatt zu erkennen. Die Bekleidungsübersicht des Herstellers führt 73 Artikel im Herrensortiment, die Damenliste 62 (beide abgerufen am 7. Oktober 2026). Eine Laufhose der Bonatti-Reihe wiegt 95 Gramm, die Shelljacke für Ski und Snowboard 664 — zwischen diesen beiden Werten spielt sich das Programm ab, und der Schwerpunkt liegt am leichten Ende.
Der zweite Befund ist eine Abwesenheit: In den wasserdichten Jacken steckt keine eingekaufte Membran. Während die Salomon Wanderschuhe fast durchgehend GORE-TEX tragen, heißt die Angabe bei den Shelljacken adv.DRY oder AdvancedSkin Dry, bei einer Laufhose Pertex Shield. Das ist zunächst weder gut noch schlecht — es verschiebt nur die Beweislast: Bei einer Fremdmembran bürgt der Zulieferer für die Werte, bei einer Hausmembran der Hersteller selbst. Und genau dort wird es dünn.
Die Baureihen und wofür sie gebaut sind
Alle Werte unten sind Herstellerangaben aus den Spezifikationsfeldern der Produktseiten, abgerufen am 7. Oktober 2026. Wo eine Jacke für Damen und für Herren geführt wird, unterscheiden sich die Gewichte; genannt ist jeweils die geprüfte Ausführung.
| Baureihe | Art | Für wen | Kennwerte | Preisklasse |
|---|---|---|---|---|
| Bonatti Waterproof | Shelljacke | Trailrunning im Regen | 200 g, 10.000 mm, Polyamid | €€ |
| Bonatti Pro | Shelljacke, schmal | Wettkampf, enger Schnitt | 199 g, 20.000 mm | €€€ |
| S/Lab Bonatti Infinite | Shelljacke | lange Läufe in rauem Gelände | 233 g, 20.000 mm, Dyneema-Vorderseite | €€€ |
| Outerpath 2.5L | Shelljacke | Wandern, Alltag | 300 g in der Herrenausführung | €€ |
| Outscape 2L | Shelljacke, kurz | Weg zur Arbeit, Spaziergang | 406 g in der Damenausführung, versiegelte Nähte | €€ |
| Absolute 3L | Shelljacke | Ski und Snowboard | 664 g, Wasserdichtigkeit nur als Markenname | €€€ |
| Elixir Micro und Ultra Down | Daunenjacke | Pausen, Winterwege | 326 und 451 g, Füllung 90/10 | €€€ |
| Elixir Hybrid | Kunstfaserjacke | Skitour, Wandern in Bewegung | 394 g, Stretcheinsatz am Rumpf | €€ |
| Mountain Flex | Kunstfaserjacke | wechselnde Belastung | 417 g, Belüftungszonen | €€€ |
| Thernova, Essential LightWarm | Midlayer | Zwischenschicht | 305 und 221 g | € |
Kennwerte bei Outdoorbekleidung, auf Salomon bezogen
Wassersäule. Es gibt genau zwei Werte im ganzen Sortiment, 10.000 und 20.000 Millimeter — und sie stehen ausschließlich an den drei Bonatti-Modellen, also an der Laufreihe. Bei Outerpath, Outscape, Outquest und Absolute führt dasselbe Feld „Wasserdichtigkeit" nur einen Markennamen, beim Outlife 3L Shell fehlt es ganz. Eine Prüfnorm nennt der Hersteller in keinem Fall. Ohne ISO 811 ist eine Millimeterangabe nicht mit der eines anderen Herstellers vergleichbar; was sie aussagt und wo sie aufhört, aussagekräftig zu sein, steht bei der Wassersäule und in der Normübersicht Wassersäule und Atmungsaktivität.
Atmungsaktivität. Hier steht eine Angabe, die keine ist. Das Feld heißt „Wasserdampfdurchgangswiderstand", als Einheit folgt „g/m²" — und beides passt nicht zusammen. Ein Widerstand wird nach ISO 11092 in Quadratmeter mal Pascal je Watt gemessen, eine durchgelassene Menge in Gramm je Quadratmeter und 24 Stunden. Der Feldname nennt das eine, die Einheit das andere, die Zeitangabe fehlt ganz, eine Prüfnorm ebenfalls. Damit ist der Wert unbrauchbar, gleich welche Zahl dort steht; wir übernehmen ihn deshalb nicht. Was ein belastbarer RET-Wert aussagt und warum ein MVTR-Wert ohne Verfahren nichts belegt, erklären die beiden Begriffsseiten.

RET: welche Zahlen in einer Norm stehen — und welche nicht
RET misst den Widerstand gegen Wasserdampf: je niedriger, desto weniger staut sich. Gemessen wird nach ISO 11092 — bewertet wird dort nicht. Beide Skalen unten beanspruchen dieselbe Größe.
Normativ EN 343:2019, Schutzkleidung gegen Regen
Branchenkonvention in keiner Norm auffindbar
„The test conditions used in this International Standard are not intended to represent specific comfort situations, and performance specifications in relation to physiological comfort are not stated."
ISO 11092:2014, Abschnitt 1 „Scope", letzter Absatz
RET ist ein Widerstand
Wasserdampf-Druckunterschied geteilt durch den Verdunstungs-Wärmestrom. Eine kleinere Zahl heißt: weniger Widerstand, mehr Durchlass.
Gemessen wird an einer heißen Platte
Das „Hautmodell" hält 35 °C und verdunstet Wasser durch eine Membran. Gemessen wird die Heizleistung — kein flüssiges Wasser berührt den Stoff.
Nur der stationäre Zustand
Die Norm beschreibt ausdrücklich Gleichgewichtsbedingungen. Schwitzen am Anstieg, Windböen und Kleidungswechsel bildet sie nicht ab.
RET und g/m²/24 h sind nicht umrechenbar
MVTR kommt aus dem Becherverfahren. Am selben Stoff liefern fünf Verfahren systematisch verschiedene Zahlen — die Rangfolge ist belegt.
Klassengrenzen nach EN 343:2019; die Ret-Werte dieser Fassung sind über mehrere übereinstimmende Fachquellen belegt, der Normtext selbst lag nur als Entwurf von 2017 vor (dort 40 / 20 / 10). Die untere Skala steht weder in ISO 11092 noch in einer Hohenstein-Veröffentlichung; sie wird hier gezeigt, weil sie im Handel verbreitet ist — nicht, weil sie eine Grundlage hätte.

Flächengewicht. Nicht veröffentlicht. Angegeben ist nur das Gewicht des fertigen Kleidungsstücks, von 95 Gramm bei der Laufhose bis 664 Gramm bei der Skijacke. Für den Vergleich zweier Jacken ist das brauchbar, für den Vergleich zweier Stoffe nicht — das Flächengewicht wäre die Zahl dafür, und sie fehlt durchgehend.
Membran und Laminat. Ob adv.DRY eine Membran oder eine Beschichtung ist, sagt der Hersteller nicht; im Feld steht nur der Name. Die Zusammensetzung hilft kaum weiter, weil sie meist „100 Prozent Polyamid" lautet und damit nur die Trägerschicht beschreibt. Beim S/Lab Bonatti Infinite ist es ausnahmsweise genauer: Die Vorderseite besteht aus 89 Prozent Polyamid und 11 Prozent Polyethylen, also aus eingewebtem Dyneema — in der biobasierten Ausführung. Wie eine Membran überhaupt funktioniert, gehört zum Verständnis jeder dieser Angaben.
Lagenzahl. Die steht im Modellnamen, nicht im Datenblatt: Outscape 2L, Outerpath 2.5L, Absolute 3L. Das ist ungewöhnlich praktisch, hat aber eine Lücke — das Outlife 3L Shell trägt die Lagenzahl im Namen und kein einziges Feld zur Wasserdichtigkeit. Eine Jacke, die sich Shell nennt, ohne eine Wasserdichtigkeitsangabe zu tragen, ist beim Kauf eine offene Frage. Was eine Hardshell leisten muss, ist ohnehin nicht genormt.
Technologien und was sie technisch sind
adv.DRY und AdvancedSkin Dry. Zwei Schreibweisen für die hauseigene Wasserdichtigkeit, die erste an den Laufjacken, die zweite an den Wander- und Skijacken. Technisch bleibt offen, was dahintersteht; belegt sind nur die beiden Wassersäulenwerte und versiegelte Nähte.
HeiQ XReflex. Eine aufgebrachte Schicht, die Körperwärme reflektiert, verbaut in den Elixir-Isolationsjacken zusätzlich zur Füllung. Physikalisch wirkt sie gegen Wärmestrahlung, nicht gegen Wärmeleitung — sie ersetzt also keine Füllung, sondern ergänzt sie. Eine Zahl zum Wärmegewinn nennt der Hersteller nicht.
PrimaLoft und Daune. Die Kunstfaserjacken sind mit PrimaLoft gefüllt, die Elixir-Daunenjacken mit einem Gemisch aus 90 Prozent Gänsedaunen und 10 Prozent Gänsefedern. Beim Outpulse ist das Verhältnis 85 zu 15, und Kapuze und Ärmel tragen dort Polyesterwatte statt Daune — eine Mischbauweise, die der Modellname nicht verrät. Eine Bauschkraft gibt der Hersteller zu keiner Füllung an; was das Daunen-Blend-Verhältnis über die Qualität sagt, ist deshalb die einzige greifbare Angabe.
ClimateSync. Belüftungsöffnungen in der Mountain-Flex-Jacke, die sich nach Herstellerangabe mit der Belastung öffnen und schließen. Das ist mechanische Zonenbelüftung, keine aktive Steuerung, und sie löst dasselbe Problem, das die Aktivisolation anders angeht.
Ausrüstung ohne Fluorchemie. Nach dem Nachhaltigkeitsbericht 2025 waren Ende 2025 rund 93 Prozent der Produktreferenzen ohne absichtlich zugesetzte PFAS; der Hersteller bezeichnet die Zahl selbst als Schätzung auf dem damaligen Datenstand. Was dahintersteht und was der Rechtsrahmen tatsächlich fordert, trennt die Übersicht PFAS in Outdoorausrüstung auf; die Pflege der Imprägnierung erklärt der Begriff DWR.
Preisniveau
€€. Midlayer und Einstiegsjacken bilden das untere Drittel des Programms, die Shelljacken der Bonatti- und Outerpath-Reihen die Mitte, die S/Lab-Ausführung die Spitze — sie kostet mehr als das Doppelte der einfachsten Shelljacke. Gleich darunter liegen die Skijacke der Absolute-Reihe und die Daunenjacken, und das ist der bemerkenswerte Teil: Zu genau diesen beiden Gruppen liegen die wenigsten Kennwerte vor.
Für wen — und für wen nicht
Passend ist Salomon, wenn eine Jacke leicht und bewegungsnah sein soll: 200 Gramm bei 10.000 Millimetern sind ein günstiges Verhältnis von Gewicht zu angegebener Dichtigkeit, und die schmalen Schnitte der Bonatti-Reihe sind für Laufen gebaut, nicht für Lagen darunter. Passend auch für Skitouren, weil Hardshell und Isolation in derselben Größenlogik aufeinander abgestimmt sind.
Nicht passend ist Salomon überall dort, wo Kennwerte die Kaufentscheidung tragen sollen. Es gibt kein Flächengewicht, keine belastbare Atmungsaktivitätsangabe, keine Prüfnorm zur Wassersäule und keine Bauschkraft — wer zwei Jacken rechnerisch vergleichen will, hat hier zu wenig in der Hand. Nicht passend außerdem für Lagen unter einer Hardshell: Die Schnitte der Laufreihen sind eng, und ein Midlayer mit 221 Gramm ersetzt keine Isolationsschicht für Standzeiten. Wie ein Schichtsystem aufgebaut wird, erklärt das Zwiebelschalenprinzip.
Alternativen
- Arc’teryx — die Gegenprobe, wenn Membranname, Laminataufbau und Prüfwerte ausgewiesen sein sollen.
- Patagonia — zu vergleichen bei Isolationsjacken mit nachvollziehbarer Füllungsangabe.
- Dynafit — der nächste Nachbar bei schmal geschnittener Bergsportbekleidung.
- The North Face — breiteres Programm, wenn Alltag und Berg dieselbe Jacke sein sollen.
- Salewa — für Wandern und Klettern statt Laufen, mit anderem Schnittverständnis.
Häufige Fragen zu Salomon-Bekleidung
Haben Salomon-Jacken eine GORE-TEX-Membran?
Die Jacken nicht. In der GORE-TEX-Kollektion des Herstellers stehen fast ausschließlich Schuhe; die wasserdichten Jacken tragen adv.DRY oder AdvancedSkin Dry, eine Laufhose Pertex Shield. Wer die Membran als Kaufkriterium nimmt, findet sie hier im Schuh und nicht in der Jacke.
Was bedeutet 2.5L im Modellnamen?
Die Lagenzahl des Laminats: zwei Lagen plus eine aufgedruckte Schutzschicht innen statt eines eigenen Futters. Das spart Gewicht und Packmaß — die Outerpath 2.5L wiegt 300 Gramm — und geht auf Kosten des Tragegefühls auf der Haut.
Wie warm ist eine Elixir-Daunenjacke?
Das lässt sich aus den Angaben nicht beantworten. Genannt sind Gesamtgewicht und das Verhältnis von Daunen zu Federn, nicht aber Füllgewicht und Bauschkraft — und nur aus diesen beiden ergibt sich die Wärmeleistung. Der Vergleich bleibt die Anprobe.
Welche Jacke passt zum Wandern mit Rucksack?
Aus dem Programm am ehesten die Outerpath- oder Outscape-Reihe, weil sie weiter geschnitten und für Wandern ausgewiesen ist. Die Bonatti-Reihe ist für Laufen gebaut; ein Rucksack auf 200 Gramm Material scheuert an den Schultern. Welche Bauart wofür gedacht ist, trennt die Hardshelljacke auf.

