Millet Bekleidung & Jacken Beratung
Millet ordnet seine Bekleidung nach Bergsportdisziplin, nicht nach Wetterlage: je eine Linie für Höhenbergsteigen, Klettern, Skitouren, Wandern und Alltag — und innerhalb jeder Linie Jacke, Hose, Isolationsteil und Unterzieher aus demselben Konzept. Die Bekleidungsabteilung des Herstellershops (abgerufen am 7. Oktober 2026) führt 817 Artikel, Farbvarianten einzeln gezählt; davon sind 232 Jacken, 195 Fleece- und Sweatshirtteile, 116 lange Hosen und 149 Accessoires wie Mützen, Handschuhe und Socken.
Was die Marke von ihren Nachbarn trennt, ist nicht diese Linienlogik, sondern die Entscheidung, zwei Wetterschutzwege parallel zu fahren: zugekauftes Laminat von Gore in den Alpinlinien, die hauseigene Membran in Ski und Allround, daneben ein eigenes Stretchgewebe ohne jede Membran. Wer eine durchgehende Membranstrategie sucht, findet sie hier nicht; wer die Wahl will, findet sie.
Die Bekleidungslinien und wofür sie gebaut sind
Die Zahlen stehen in den Datenblättern der einzelnen Artikel. Gewichte sind Teilegewichte in Herrengröße M; die Damenschnitte liegen 10 bis 20 Prozent darunter.
| Linie | Einsatz | Kennzeichnendes Material | Für wen | Preisklasse |
|---|---|---|---|---|
| Trilogy Icon | Höhenbergsteigen, Eis | GORE-TEX Pro 70D ePE, dreilagig; Jacke 420 g | lange Touren bei Schlechtwettergarantie | €€€ |
| Trilogy Jorasses | Expedition, Wettkampfalpinismus | Stoffe mit Dyneema-Anteil, Wollmischungen, Daune | Kleinserien für sehr wenige Tage im Jahr | €€€ |
| Kamet | Bergsteigen und Klettern | GORE-TEX Pro 70D ePE dreilagig (Jacke 480 g), Softshell aus Element Shield PCM | Zustieg, Fels, Gurtbetrieb | €€€ |
| Grands Montets | Ski und Freeride | DRYEDGE zweilagig, gefüttert mit PrimaLoft Silver Eco oder Repreve-Wattierung | Pistenrand und Lift, kalte Standzeiten | €€€ |
| Pierra Ment | Skitourenrennen | X.C.S. 200, membranlos und elastisch | Aufstiegstempo vor Wetterschutz | €€ |
| Seneca | Wandern und Trekking | DRYEDGE Plain 75D dreilagig (Jacke 480 g), Element Shield, Velours-Fleece mit 300 g/m² | Mehrtagestouren ohne Gletscher | €€ |
| Ubic | Wandern, Reisen | GORE-TEX 75D ePE zwei- und dreilagig, Gitterfleece | Einstieg in den Wetterschutz der Marke | €€ |
| Evole | Isolation für Pausen und Biwak | Entendaune 90/10 mit FP 700, Gänsedaune mit FP 800 | Packmaß und Wärme pro Gramm | €€ |
| Fitz Roy | Isolation für Bewegung | Repreve-Kunstfaserfüllung, seitlich Stretchfleece | feuchte Kälte, Dauerbetrieb | €€ |
| MXP | Expedition über 7.000 Meter | Pertex Diamond über Gänsedaune mit FP 1000, Overall 1.950 g | Achttausender und Polarreisen | €€€ |
Kennwerte der Gattung, auf Millet bezogen
Membran und Lagenzahl. Drei Wetterschutzfamilien stehen nebeneinander. Das zugekaufte Laminat GORE-TEX Pro in der PFAS-freien ePE-Ausführung, dreilagig und mit 70 Denier Oberstoff, sitzt in Trilogy Icon und Kamet; die einfacheren Ubic- und Seneca-Teile tragen GORE-TEX ePE mit 75 Denier in zwei oder drei Lagen. Die Hausmembran DRYEDGE tut in den Ski- und Wanderlinien dasselbe, in mehreren Ausführungen. Element Shield schließlich ist ein Verbund mit winddichter Membran und angerauter Innenseite für die Softshellteile. Was eine Membran von einer Beschichtung unterscheidet, gehört in jeden Vergleich zweier dieser Teile.

Membranaufbau im Schnitt: 2, 2,5 und 3 Lagen
Alle drei Bauweisen halten mit derselben Membran dicht. Unterschiedlich ist nur, was die Membran auf der Innenseite schützt — und daran hängen Gewicht, Haltbarkeit und Tragegefühl.
2 Lagen
Membran am Oberstoff, Futter lose
- Oberstoff mit Imprägnierung
- Membran aufkaschiert
- Innenfutter separat eingenäht, hängt lose
- Dafür
- Futter frei wählbar, auch mit Isolierung kombinierbar
- Dagegen
- Das lose Futter scheuert an der Membran
- Typisch für
- Alltag, Reise, Jacken mit Wattierung
2,5 Lagen
Schutzdruck statt Futter
- Oberstoff mit Imprägnierung
- Membran aufkaschiert
- Schutzdruck Raster oder Punkte, keine volle Lage
- Dafür
- Leichteste und kleinste der drei Bauweisen
- Dagegen
- Klebt bei Schweiß auf der Haut, empfindlichste Innenseite
- Typisch für
- Notfalljacke im Rucksack, Laufen, Radfahren
3 Lagen
Alle drei Lagen fest verbunden
- Oberstoff mit Imprägnierung
- Membran einlaminiert
- Trikotfutter fest verbunden
- Dafür
- Keine Reibung zwischen den Lagen, deshalb langlebig
- Dagegen
- Steifer und schwerer, teuerste Bauweise
- Typisch für
- Bergsport, Trekking, dauerhafte Belastung
Die Lagenzahl sagt nichts über die Wassersäule aus — sie beschreibt nur, wie die Membran verbaut ist. Neben diesen drei gibt es die Z-Liner-Bauweise, bei der die Membran frei zwischen Oberstoff und Futter hängt.

Wassersäule und Atmungsaktivität. Hier ist Vorsicht nötig, an einer Stelle, die wie eine Angabe aussieht. Millet schreibt die Leistung in den Stoffnamen hinein: „DRYEDGE Plain 75D 20K/20K 3L“, „Element Shield 10K/10K 3L“. Die erste Hälfte dieser Paare ist die Wassersäule in Millimetern und brauchbar, weil für sie mit ISO 811 ein festgelegtes Verfahren existiert. Die zweite ist der Dampfdurchsatz, und dazu nennt der Hersteller kein Prüfverfahren — die gebräuchlichen Aufbauten unterscheiden sich grundlegend, also steht diese Zahl hier nicht. Einen RET-Wert nach ISO 11092, der vergleichbar wäre, veröffentlicht Millet für keines seiner Materialien. Was die beiden Normen messen und was sie ausdrücklich nicht festlegen, steht bei Wassersäule und Atmungsaktivität.
Flächengewicht. Millet nennt das Gewicht des fertigen Teils, nicht das Flächengewicht des Stoffes. Es taucht nur auf, wo das Gewebe selbst das Produkt ist: Seneca Polar mit 300 Gramm je Quadratmeter Velours-Fleece, die Hose Kamet XCS mit einem Ripstop von 230 Gramm. Sonst bleibt der Vergleich über das Teilegewicht — in dem Reißverschlüsse und Verstärkungen mitwiegen.
Isolation. Beide Wege sind besetzt, und sie stehen sogar in einem Teil nebeneinander. Die Daunenfüllungen sind als Mischung 90/10 ausgewiesen, nach dem Responsible Down Standard zertifiziert und mit ihrer Bauschkraft in cuin benannt: FP 700 bei Entendaune, FP 800 und FP 1000 bei Gänsedaune. Das Füllgewicht steht daneben und reicht von 43 Gramm im leichtesten Evole-Teil bis 720 Gramm im Expeditionsoverall. Die Expeditionsfüllungen sind zusätzlich als hydrophob behandelt ausgewiesen. Als Kunstfaser setzt Millet recycelte Repreve-Wattierung und PrimaLoft ein, letzteres mit 80 oder 100 Gramm je Quadratmeter Füllvlies. In den Evole-Jacken sitzt beides: Daune in der Fläche, Kunstfaser an den reibungs- und feuchteanfälligen Stellen.
Technologien und was sie technisch sind
X.C.S. Millets Eigenname für ein elastisches Polyamidgewebe ohne Membran, in mehreren Grammaturen und in den Hosen der Kamet- und Pierra-Ment-Linien verbaut. Es ist kein Wetterschutz, sondern ein wasserabweisend ausgerüsteter Softshellstoff — brauchbar für Aufstiege, bei denen eine Hardshelljacke am Dampf scheitert. Das Gegenstück ist die Softshelljacke aus Element Shield.
Dual Tech. Eine Bauweise, keine Faser: Zwei Gewirke werden zonenweise verbaut, Wärme dort, Dampfdurchlass hier. In der Fleecejacke Trilogy Icon X Loft sind das Polartec Thermal Pro X Loft in der Fläche und ein Stretchgewirke von Pontetorto an den Flanken. Das ist dieselbe Idee, die hinter der Aktivisolation steht, nur über die Schnittführung gelöst statt über das Vlies.
K Dry und Expedry. Zwei Namen für die hydrophobe Ausrüstung der Daune, der erste bei Entendaune, der zweite bei der FP-800-Gänsedaune. Eine Zahl dazu nennt Millet nicht, und die Behandlung ersetzt keine wasserdichte Außenlage.
RECCO. Ein passiver Reflektor in den Alpin- und Skijacken. Er ist kein Sender und kein Ersatz für ein Verschüttetensuchgerät — er antwortet nur einem Suchgerät der Bergrettung.
PFC-freie Ausrüstung. Millet weist die wasserabweisende Ausrüstung durchgehend als PFC-frei aus, das GORE-TEX-Pro-Laminat als ePE-Ausführung ohne PTFE. Praktisch heißt das: Die Imprägnierung hält kürzer und muss häufiger aufgefrischt werden; die Regeln dazu stehen bei PFAS in Outdoorausrüstung.
Preisniveau
€€€. Die wasserdichten Jacken liegen im oberen Drittel ihrer Klasse, die Trilogy-Teile an der Spitze des Sortiments. Nach unten öffnet sich das Angebot bei Fleece, T-Shirts und Strick deutlich: Der Median über alle 817 Artikel liegt bei einem Bruchteil des Medians der Jacken. Wer die Marke über ein Fleeceteil kennenlernt, kauft nicht in derselben Klasse wie bei einer Hardshell.
Für wen — und für wen nicht
Passend ist Millet, wenn die Bekleidung zum Bergsteigen gehört und nicht zum Spazieren: helmkompatible Kapuzen, gurtzeugtaugliche Taschen, Unterarmbelüftung mit doppeltem Schieber und Raglanärmel sind in den Alpinlinien die Regel, nicht das Merkmal einer Topvariante. Passend auch, wenn das Linienkonzept zählt: Jacke, Hose, Isolationsteil und Unterzieher einer Linie sind aufeinander geschnitten, was das Zwiebelschalenprinzip erleichtert.
Nicht passend ist die Marke, wenn der Vergleich über veröffentlichte Prüfwerte laufen soll: Eine Atmungsaktivität mit Verfahren gibt es nicht, und die Zahlenpaare in den Stoffnamen legen eine Vergleichbarkeit nahe, die ihre zweite Hälfte nicht hat. Nicht passend auch für feuchtwarmes Klima — das Sortiment ist auf Kälte, Wind und Nässe gebaut, und Funktionsunterwäsche führt die deutsche Fassung nur noch in drei Artikeln. Und nicht, wenn die wärmste Lage ohne Tierprodukte auskommen soll: Kunstfaser gibt es, aber nicht in derselben Spitzenklasse wie die Daune.
Alternativen
- Arc’teryx — die Gegenprobe, wenn durchgehend zugekauftes Laminat gewünscht ist und keine Hausmembran daneben.
- Mammut — zu vergleichen, wenn Bekleidung, Seil und Sicherungstechnik aus einer Hand kommen sollen.
- Salewa — für Fels und Zustieg im Südalpenraum, mit mehr Wollanteil in den Unterziehern.
- Dynafit — die engere Wahl, wenn ausschließlich Skibergsteigen und Rennbetrieb gemeint sind.
- Haglöfs — der Blick auf eine nordische Auslegung derselben Preisklasse, mit anderem Schnittverständnis.
Häufige Fragen zu Millet-Bekleidung
Welche Millet-Jacke trägt echtes GORE-TEX Pro?
Die Linien Trilogy Icon und Kamet, beide mit GORE-TEX Pro 70D ePE in dreilagigem Aufbau und 420 beziehungsweise 480 Gramm in Herrengröße M. Die Ubic- und Seneca-Teile mit GORE-TEX tragen die einfachere ePE-Ausführung mit 75 Denier, teils nur zweilagig.
Ist DRYEDGE schlechter als GORE-TEX?
Aus den veröffentlichten Angaben lässt sich das nicht entscheiden. Für beide liegt eine Wassersäule vor, für keines ein RET-Wert. Der belastbare Unterschied ist ein anderer: Die GORE-TEX-Teile sitzen in den Alpinlinien mit Verstärkungen an Schulter und Ellbogen, die DRYEDGE-Teile in Ski und Wandern.
Was bedeutet „20K/20K“ im Stoffnamen?
Die erste Zahl ist die Wassersäule in Millimetern, die zweite der Dampfdurchsatz. Nur die erste hat mit ISO 811 ein einheitliches Verfahren hinter sich; die zweite ist ohne Angabe des Prüfaufbaus für einen Vergleich wertlos — auch zwischen zwei Teilen derselben Marke.
Welche Isolationsjacke für Dauerbewegung, welche für Pausen?
Für Pausen und das Biwak die Daunenteile der Evole-Linie: viel Wärme je Gramm, empfindlich gegen Feuchte. Für Dauerbewegung die Fitz-Roy-Teile mit Repreve-Füllung und seitlichen Fleecebahnen — schlechter pro Gramm, in der Nässe brauchbar. Grundlagen im Ratgeber zur Daunenjacke.
Wie pflege ich die PFC-freie Imprägnierung?
Mit Spezialwaschmittel für Funktionstextilien, ohne Weichspüler, danach auf dem sauberen Stoff auffrischen und mit Wärme aktivieren. Saugt sich das Außengewebe voll, wirkt die Jacke innen nass, obwohl die Membran nichts durchlässt.




