Windchill: gefühlte Temperatur bei Wind (Windkühle)
Physik & Klima Redaktion Outdoorberater Stand 10/2026
Windchill — deutsch Windkühle — beschreibt, dass Wind kälter wirkt, als das Thermometer anzeigt. Die Lufttemperatur sinkt dabei nicht; was sich ändert, ist die Geschwindigkeit des Wärmeverlusts.
Was physikalisch passiert
Haut und Kleidung sind von einer dünnen, erwärmten Luftschicht umgeben. Wind trägt sie ab und ersetzt sie durch kalte Luft — das ist Konvektion. Der Körper muss die Schicht immer wieder neu aufheizen, und genau das kostet Wärme.
Die Lufttemperatur bleibt dabei unverändert. Ein Thermometer im Wind zeigt dieselbe Zahl wie eines im Windschatten — Windchill ist keine Temperatur, sondern ein Maß für Wärmeverlust.

Wie Wind durch einen Stoff kommt
Wind kühlt, indem er die stehende, vom Körper erwärmte Luftschicht wegreißt und durch kalte ersetzt. Ob ein Stoff das zulässt, hängt nicht an seinem Material, sondern daran, wie viel Luft zwischen seinen Fäden hindurchkann.
Dicht gewebt
Kaum Zwischenraum zwischen den Fäden

Die Luft findet kaum einen Weg hindurch. Die warme Schicht unter dem Stoff bleibt stehen, auch wenn es draußen zieht.
- Im Gebrauch
- Hält Wind ab, lässt dafür weniger Dampf durch
Offen gewebt
Deutliche Öffnungen im Gewebe

Durch die Öffnungen strömt Luft ungehindert. Die warme Schicht wird weggerissen — der Stoff wärmt im Windstillen und versagt im Wind.
- Im Gebrauch
- Atmet gut, kühlt im Wind schnell aus
Deshalb ist „winddicht" keine Eigenschaft wie „wasserdicht": Es gibt keine Norm und keine feste Schwelle, nur einen Marktgebrauch, der eine bestimmte Durchlässigkeit unterstellt. Ein Fleece unter einer dünnen, dicht gewebten Lage wärmt im Wind besser als ein doppelt so dickes ohne.

Die zwei Berechnungswege
Beide liefern unterschiedliche Zahlen für dieselbe Lage. Die ältere Formel gilt heute als überholt, taucht aber in Tabellen weiterhin auf — wer zwei Windchill-Angaben vergleicht, sollte deshalb wissen, welche Rechnung dahintersteht.
Windchill-Faktor und Windkühle
Der Windchill-Faktor ist die Zahl, um die der Wind die gemessene Temperatur auf die gefühlte drückt. Seine Entwicklung ist nicht linear: Von Windstille bis etwa 20 km/h steigt er steil an, darüber flacht die Kurve deutlich ab — die ersten Böen kosten am meisten.
Windkühle ist das deutsche Wort für dieselbe Sache, gelegentlich auch Windfrösteln. Alle drei Begriffe meinen denselben Effekt; im Handel und in Wetterberichten hat sich die englische Form durchgesetzt.
Wofür die Zahl taugt
Für die Einschätzung der Erfrierungsgefahr an ungeschützten Stellen. Die nordamerikanischen Tabellen nennen dazu Zeitangaben: Bei welcher Kombination aus Temperatur und Windgeschwindigkeit innerhalb von 30, 10 oder 5 Minuten mit Erfrierungen zu rechnen ist. Mehr dazu unter Erfrierung.
Nicht taugt sie für die Kleiderwahl des Rumpfes und nicht für Gegenstände: Ein Wasserbehälter gefriert im Wind schneller, aber nicht unter null Grad Lufttemperatur. Der Windchill beschleunigt die Abkühlung — er senkt nicht die Endtemperatur.

