Messverfahren: welche Kennzahl wofür steht
Messwerte & Normen Redaktion Outdoorberater Stand 10/2026
Wer zwei Jacken vergleichen will, braucht Zahlen — und für jede Eigenschaft gibt es eine. Sechs Kennzahlen decken ab, worüber im Outdoorbereich gestritten wird:
| Was gemessen wird | Kennzahl | Norm | Leserichtung |
|---|---|---|---|
| Dichtheit gegen Wasser | Wassersäule in mm | ISO 811 | hoch = dichter |
| Dampfdurchlässigkeit | MVTR in g/m²/24h | mehrere | hoch = besser |
| Dampfwiderstand | RET in m²·Pa/W | ISO 11092 | niedrig = besser |
| Wärmeleistung | clo | ISO 9920 | hoch = wärmer |
| Wärmedurchlasswiderstand | TOG | — | hoch = wärmer |
| Abriebfestigkeit | Scheuertouren | ISO 12947 | hoch = haltbarer |
Die Regel, die für alle gilt
Innerhalb jeder dieser Größen gibt es mehrere Verfahren, und sie liefern verschiedene Ergebnisse. Am deutlichsten beim MVTR: Dieselbe Membran kam nach einem Verfahren auf 10.200, nach einem anderen auf 900 g/m²/24h — Faktor elf, allein durch die Methode.

Welcher Test welche Frage beantwortet
Hinter jeder Zahl auf einem Etikett steht ein Prüfaufbau. Wer ihn kennt, versteht, was die Zahl aussagt — und was nicht. Fünf Verfahren decken den größten Teil dessen ab, was an Outdoortextilien gemessen wird.
Becherverfahren
Wasserdampfdurchlässigkeit

Ein Becher Wasser wird mit dem Prüfling verschlossen und gewogen. Was an Masse verschwindet, ist als Dampf durch den Stoff gegangen.
- Die Frage dahinter
- Wie viel Dampf kommt in einer bestimmten Zeit durch?
Spray-Test
Oberflächenbenetzung

Wasser wird aus fester Höhe auf den schräg gespannten Prüfling gesprüht. Benotet wird, wie viel davon abperlt und wie viel haften bleibt.
- Die Frage dahinter
- Wirkt die Imprägnierung noch?
Bundesmann
Beregnung von oben

Künstlicher Regen fällt über längere Zeit auf vier Prüflinge. Gemessen wird, wie viel Wasser durchkommt und wie viel der Stoff aufnimmt.
- Die Frage dahinter
- Was passiert im Dauerregen?
Martindale
Scheuerfestigkeit

Ein belasteter Prüfkopf reibt in festgelegten Bahnen über den Stoff. Gezählt wird, wie viele Touren bis zum ersten Fadenbruch vergehen.
- Die Frage dahinter
- Wie lange hält der Stoff Reibung aus?
Weiterreißversuch
Reißfestigkeit

Ein eingeschnittener Streifen wird auseinandergezogen. Gemessen wird die Kraft, die nötig ist, damit der Riss weiterläuft.
- Die Frage dahinter
- Was passiert, wenn der Stoff erst einmal ein Loch hat?
Keine dieser Zahlen beschreibt die Jacke als Ganzes. Ein Stoff mit hoher Scheuerfestigkeit kann an der Naht reißen, einer mit guter Dampfdurchlässigkeit im Regen durchnässen. Die Verfahren prüfen den Stoff — nicht die Verarbeitung, und schon gar nicht die Passform.

Was Zahlen nicht können
Sie beschreiben ein Stück Material unter Laborbedingungen. Zwischen dieser Probe und dem fertigen Kleidungsstück liegen Nähte, Reißverschlüsse, Schnitt und Verarbeitung — alles Dinge, die in keiner Prüfung vorkommen und über die Praxis mitentscheiden.
Dazu kommt, dass manche Normen ausdrücklich keine Bewertung vornehmen: ISO 811 kennt keine Schwelle für „wasserdicht", ISO 11092 schließt Komfortaussagen ausdrücklich aus. Wer dort Klassen liest, liest Branchenkonvention.

