Antishock
Ausrüstungsteile Redaktion Outdoorberater Stand 10/2026
Antishock ist die Federdämpfung in einem Trekkingstock: ein Elastomer- oder Federelement, das den Stoß abfängt, mit dem der Stock beim Aufsetzen auf hartem Boden gegen die Hand zurückschlägt. Der Begriff ist eine Herstellerbezeichnung und keine Norm — jede Marke nennt ihre Ausführung anders.
Wie verbreitet die Dämpfung ist
Wie verbreitet das Merkmal ist, lässt sich auszählen. Über die vollständigen Sommerstock-Kategorien von fünf Herstellern, nachgesehen am 8. Oktober 2026, führen 8 von 128 Modellen eine Dämpfung: 5 von 31 bei LEKI, 2 von 24 bei Masters, 1 von 16 bei Black Diamond, 0 von 37 bei Komperdell, 0 von 20 bei Fizan. Das sind sechs Prozent — ein Minderheitsmerkmal, aber kein verschwundenes, und zwei der fünf Hersteller bieten es überhaupt nicht an.
Der Ort ist je Marke verschieden, und das ist für den Käufer die wichtigere Unterscheidung. LEKI legt die Dämpfung in die Spitze: Die Modelle mit dem Namenszusatz „AS" tragen das Feld „Dämpfungssystem: Dynamic Suspension System (DSS)" und statt der sonst verbauten Spitze eine „DSS Tip", die es einzeln als Ersatzteil gibt. Black Diamond setzt sie unter den Griff und die Griffverlängerung, Masters nennt sie „Antishock Cushioning Spring System". Eine Angabe, dass sich die Dämpfung abschalten lässt, steht bei keinem der drei.
Was sie kostet, ist über Modellpaare messbar, die sich in keinem anderen Datenblattfeld unterscheiden. Bei LEKI sind es in vier Fällen genau 10 Euro je Paar und 5 bis 7 Gramm je Stock — der Khumbu steht mit 277 g und 85 Euro, der Khumbu AS mit 284 g und 95 Euro. Bei Masters liegt das Mehrgewicht höher und der Preisunterschied niedriger: 9 g und 4 Euro beim einen Paar, 16 g und kein Preisunterschied beim anderen.
Was sich zur Wirkung belegen lässt
Eine unabhängige Messung gibt es, und sie fand keinen Unterschied. Drei Sportwissenschaftler um Bert H. Jacobson ließen 2005 zwölf geübte Geher — jeder mit mindestens fünf Jahren Stockerfahrung — mit 18 bis 20 Kilogramm im Rucksack und auf 4,42 km/h getaktetem Tempo über eine Kraftmessplatte gehen, in drei Bedingungen: ohne Stöcke, mit Standardstöcken, mit gedämpften Stöcken. In keiner der drei Kraftrichtungen am Fuß — seitlich, vorwärts, senkrecht — ergab sich ein bedeutsamer Unterschied zwischen den beiden Stocktypen, und ebenso keine messbare Verlagerung von Last aus den Beinen in den Oberkörper. Am Stock selbst traten mit Dämpfung sogar 12 Prozent höhere senkrechte Kräfte auf als ohne.
Diese Messung widerlegt die Dämpfung nicht, sie begrenzt, was über sie bekannt ist. Gegangen wurde auf ebener Strecke, über 15 bis 20 Minuten, und Ermüdung blieb außen vor — die Verfasser nennen das selbst als Grenze ihrer Arbeit. Genau der Fall, für den eine Dämpfung gedacht ist, kommt darin nicht vor: der Abstieg. Dort wirken nach Darstellung des Deutschen Alpenvereins „vor allem auf das Kniegelenk heftige Kraftspitzen", die sich mit Stöcken puffern lassen. Dieselbe Quelle nennt die Gegenrichtung mit, und sie betrifft genau das Gelenk, das die Dämpfung schützen soll: Intensiver Stockeinsatz kann vor allem die Handgelenke überlasten. Eine veröffentlichte Messung, die beide Stocktypen im Abstieg vergleicht, war hier nicht auffindbar; die Frage bleibt damit offen.
Wo die Frage nachrangig wird
Vor der Dämpfung entscheiden zwei andere Dinge, und beide stehen in derselben Lehrmeinung. Das erste ist das Gelände: In grobem Blockwerk bedeuten Stöcke nach dem DAV-Lehrteam Bergsteigen „mehr Gefahr als Nutzen" — dort fällt die Dämpfung als Kaufgrund weg, weil der Stock selbst nicht hingehört. Welcher Untergrund das Setzen der Spitze wie schwer macht, ist bei der Hartmetallspitze gestaffelt. Das zweite ist das Maß: Dieselbe Quelle rät, häufig zwischen dem Gehen mit und ohne Stöcke zu wechseln, weil die neuromuskuläre Feinabstimmung in den Beingelenken das Knie gesund hält und nur ohne Stöcke geschult wird.
Dazu kommt die Technik, die mehr ändert als jedes Bauteil. Was ein Stock dafür können muss, ist keine Dämpfung, sondern eine Länge, die sich unterwegs ändern lässt, und ein Klemmsystem, das dabei hält. Wie die Länge im Abstieg anzupassen ist und mit welcher Technik sich hohe Stufen überwinden lassen, beschreibt dieselbe Quelle beim Teleskopstock.
Eine Nebenbedingung gehört dazu: Zur gefederten Spitze schreibt der Hersteller „Diese Spitze ist ohne Ausnahme mit Teller zu verwenden" — der Stockteller ist hier Teil der Konstruktion. Dass auf keinem der 77 Blätter eine Belastbarkeit steht, dafür aber auf 19 von 20 ein Sicherheitshinweis, führt der Ratgeber zu Trekkingstöcken vor.
