Klemmsystem
Ausrüstungsteile Redaktion Outdoorberater Stand 10/2026
Das Klemmsystem ist das Bauteil, das die eingestellte Länge eines Teleskopstocks hält. Es gibt es in zwei Prinzipien, und sie sitzen an verschiedenen Stellen.
Der Drehverschluss sitzt im Rohr: Dreht man das äußere Segment, spreizt ein Konus einen Kunststoffdübel gegen die Innenwand. Der Hebelverschluss — auch Schnellspanner genannt — sitzt außen: Ein Hebel zieht eine Klemmschelle um das Rohr zusammen, und die Haltekraft wird über eine Schraube eingestellt, die offen zugänglich ist. Die Hersteller benennen ihre Ausführungen als Bauteile, nicht über Kennwerte; im Datenblattfeld steht dann „Powerlock 3.0", „Speed Lock plus" oder „Super Lock".
Welches der beiden noch gebaut wird
Die Vorstellung, der Drehverschluss sei vom Markt verschwunden, hält der Zählung nicht stand. Von 41 nachgesehenen europäischen Modellen tragen sieben noch einen, verteilt auf zwei Hersteller. Entscheidend ist, wo sie sitzen: Alle sieben liegen in der unteren Hälfte der jeweiligen Preisspanne, und einer der beiden Hersteller beschreibt die betroffenen Stöcke selbst als „preiswerter Aluminiumstock … mit einfachem Drehverschluss", während er für die übrigen „Powerlock 3.0 — unser stärkster Verschluss aus geschmiedetem Aluminium" angibt. Der Drehverschluss ist also kein Auslaufmodell, sondern das Merkmal der Einstiegsklasse — und beim Vergleich zweier Stöcke in dieser Klasse das erste, worauf zu sehen ist.
Warum keiner eine Haltekraft nennt
Eine Zahl zur Haltekraft gibt es nicht. Auf keinem der 77 Datenblätter, die der Ratgeber zu Trekkingstöcken ausgezählt hat, steht eine Belastbarkeit, und für den Verschluss auch kein Prüfverfahren. Was stattdessen dasteht, sind zwei Pflegeanweisungen: „Verschluss auf Haltekraft prüfen, bei Bedarf nachstellen und keinesfalls mit fettenden Substanzen behandeln" und die Aufforderung, sich auch während des Gebrauchs zu überzeugen, dass das Verstellsystem verschlossen bleibt. Die Haltekraft ist damit vom Hersteller ausdrücklich als veränderliche Größe beschrieben — nur eben als eine, die er nicht beziffert. Warum erst ein genanntes Prüfverfahren eine Zahl vergleichbar macht, steht bei den Messverfahren.
Die Prüfung, die an die Stelle der Zahl tritt
Wo der Hersteller keine Kennzahl liefert, bleibt die Prüfung am Gerät — und die ist keine Behelfslösung, sondern steht so in der Lehrmeinung. Das DAV-Lehrteam Bergsteigen gibt sie als einen von wenigen Punkten vor dem Start an: die zuverlässige Fixierung der Längenverstellung mit Druck testen. Die Begründung steht im selben Satz, und sie ist die Antwort auf die Frage, warum eine fehlende Zahl hier mehr ist als ein Schönheitsfehler: „wenn der Stock beim Draufstützen abrupt zusammenrutscht, ist das gefährlich".
Für die Technik, bei der das zählt, gibt es eine klare Stelle: Bei einem steilen Querweg werden die Stöcke unterschiedlich hoch gefasst — bergseitig unterhalb des Griffs, talseitig auf dem Knauf —, und im Abstieg werden sie länger gestellt. Beides verlagert Gewicht auf ein Segment, das gerade neu geklemmt wurde. Welche Längen am Teleskopstock überhaupt einzustellen sind, steht dort.
