Daunen-Blend-Verhältnis: was 90/10 und 80/20 bedeuten
Wärme & Isolation Redaktion Outdoorberater Stand 10/2026
Auf dem Etikett eines Daunenprodukts stehen fast immer zwei Zahlen: 90/10, 80/20, manchmal 70/30. Gemeint ist das Verhältnis von Daunen zu Federn in der Füllung — die erste Zahl ist der Daunenanteil.
Daunen und Federn sind zwei verschiedene Dinge. Eine Daune ist dreidimensional, hat keinen festen Kiel und bauscht in alle Richtungen; eine Feder hat einen Kiel, liegt flach und baut deutlich weniger Volumen auf. Je höher der Daunenanteil, desto mehr Loft baut dieselbe Masse auf — und desto höher fällt auch die Bauschkraft aus.
Was EN 12934 vorschreibt
Seit 1999 regelt die europäische Norm EN 12934 die Kennzeichnung von Füllungen aus verarbeiteten Federn und Daunen. Drei Festlegungen daraus bestimmen, was auf dem Etikett steht:
Die Rundung ist der Grund, warum man im Handel fast nur glatte Zahlen sieht. „93/7" gibt es nicht als Kennzeichnung nach dieser Norm — eine solche Füllung stünde als 90/10 auf dem Etikett.

Wie Bauschkraft gemessen wird
Die Zahl auf dem Etikett — 600, 700, 850 cuin — kommt aus einem Glaszylinder. Wer den Aufbau kennt, versteht auch, warum zwei gleiche Zahlen nicht dasselbe bedeuten müssen.

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30 Gramm Daune, nicht eine Unze
Eingewogen werden 30 Gramm — obwohl die Einheit „cubic inches per ounce" heißt. Die Probe lagert vorher im Klimaraum, damit Temperatur und Luftfeuchte bei jeder Messung gleich sind.
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Ein Zylinder von 288 Millimetern
Der Durchmesser ist festgelegt, damit die Füllhöhe vergleichbar wird. Ein engerer Zylinder ergäbe bei derselben Daune eine höhere Säule — und damit eine andere Zahl.
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94,25 Gramm Auflast, 60 Sekunden
Immer dieselbe Scheibe, immer dieselbe Zeit. Danach wird die Füllhöhe abgelesen und in Kubikzoll umgerechnet. Jede Abweichung an einer dieser Stellen verschiebt das Ergebnis.
Die Bauschkraft sagt, wie gut eine Daune ist — nicht, wie warm die Jacke ist. Dafür braucht es die zweite Zahl: das Füllgewicht. Eine Jacke mit 850 cuin und 80 Gramm Füllung ist kühler als eine mit 650 cuin und 200 Gramm. Und weil es zwei Prüfnormen gibt, die unterschiedlich messen, sind zwei gleiche Zahlen nur dann vergleichbar, wenn dieselbe Norm dahintersteht.

Warum die zweite Zahl nicht null ist
Eine Füllung ganz ohne Federanteil gibt es praktisch nicht, und das hat zwei Gründe. Der erste ist das Rohmaterial: Beim Verarbeiten lassen sich Daunen und kleine Federn nicht vollständig trennen, und je näher man an die reine Daune kommt, desto aufwendiger wird die Sortierung. Der zweite ist technischer Natur — ein kleiner Federanteil gibt der Füllung Struktur und hilft, dass sie sich in der Kammer verteilt.
Für die Praxis heißt das: Der Sprung von 90/10 auf 95/5 kostet überproportional viel und bringt wenig. Der Sprung von 70/30 auf 90/10 ist dagegen deutlich spürbar, weil der Federanteil Gewicht beiträgt, ohne Dämmung aufzubauen.
Was das Blend-Verhältnis nicht sagt
Das Blend-Verhältnis sagt nichts über die Qualität der Daune — dafür steht die Bauschkraft. Es sagt nichts über die Menge — dafür steht das Füllgewicht. Und es sagt nichts über die Herkunft: Ob die Daune aus einem Betrieb ohne Lebendrupf stammt, steht in keiner dieser Zahlen, sondern allenfalls in einem Zertifikat wie dem Responsible Down Standard.
Drei Angaben, drei verschiedene Fragen — und erst zusammen beschreiben sie eine Füllung. Ein Etikett, das nur eine davon nennt, ist unvollständig, auch wenn die genannte Zahl beeindruckend aussieht.

