RDS / Traceable Down: Daunensiegel gegen Lebendrupf und Zwangsfütterung
Messwerte & Normen Redaktion Outdoorberater Stand 10/2026
Der Responsible Down Standard (RDS) ist ein freiwilliger Standard der Organisation Textile Exchange für Daunen und Federn. Er beantwortet eine Frage, die man einer Füllung nicht ansieht: Unter welchen Bedingungen haben die Tiere gelebt, von denen sie stammt.
Anlass sind zwei Praktiken, die in der Daunengewinnung vorkommen und beide auf dem fertigen Produkt unsichtbar bleiben: das Rupfen lebender Tiere und die Zwangsfütterung, wie sie in der Stopflebererzeugung üblich ist. Beide verbietet der Standard ausdrücklich.
Was der Standard verlangt
Die vier tragenden Festlegungen stehen bei Textile Exchange selbst, und zwar in dieser Reihenfolge:
Das Logo darf ein Produkt tragen, wenn es die Mindestanforderungen der Zertifizierung erfüllt. Die gültige Fassung ist RDS 3.0, veröffentlicht am 1. Juli 2019.
Der Satz, der in keiner Werbung steht
In den häufigen Fragen von Textile Exchange steht eine Einschränkung, die den Kern der Sache trifft: „Our standards aren't designed to provide full supply chain transparency." Wer wissen will, von welchem Hof die Daune in der eigenen Jacke stammt, muss sich direkt an seine Lieferanten wenden — ein Rückverfolgungssystem ist in Entwicklung.
Traceable Down Standard — nicht dasselbe
Neben dem RDS begegnet im Handel der Begriff Traceable Down Standard (TDS). Er stammt nicht von Textile Exchange, sondern von einem Daunenlieferanten, und ist damit ein firmeneigener Standard. Die Namensähnlichkeit legt eine Gleichwertigkeit nahe, die sich aus den Dokumenten nicht ableiten lässt — wer vergleichen will, muss beide Regelwerke nebeneinanderlegen.

Was welches Siegel prüft — und was es nicht prüft
Acht Siegel, fünf Prüfbereiche. Kein einziges deckt alle fünf ab: Jedes ist in seinem Bereich belastbar und sagt über die anderen nichts. Ein „nein" bedeutet hier, dass der Standardtext gelesen wurde und der Bereich darin nicht vorkommt.
| Siegelmaßgebliche Fassung | Schadstoffeim Endprodukt | Umweltder Produktion | TierwohlHaltung, Rupf | ArbeitSozialstandards | RezyklatAnteil, Herkunft |
|---|---|---|---|---|---|
| OEKO-TEX STANDARD 100Edition 01.2026 | ja | nein | nein | nein | nein |
| OEKO-TEX MADE IN GREENEdition 01.2025 | ja | ja | nein | ja 1 | nein |
| bluesign PRODUCTCRITERIA v4.1, 2024-07 | ja | ja | nein | teils 2 | teils 3 |
| GOTSVersion 7.0 | ja | ja | teils 4 | ja | teils 5 |
| GRSVersion 5.0 | nein 6 | ja | nein | ja | ja |
| RDSVersion 3.0 | nein | nein | ja | nein | teils 7 |
| DOWNPASSV1.0 vom 10.11.2022 | nein | nein | ja | nein | teils 8 |
| Fair Wear FoundationBrand Performance Check 2023 | nein | nein | nein | ja 9 | nein |
Die letzte Zeile steht abgesetzt, weil sie eine andere Prüfebene betrifft: Fair Wear zertifiziert kein Produkt, sondern bewertet das Verhalten einer Marke.
„The Standard restricts the use of hazardous chemicals in the processing of GRS products; it does not address the chemicals present in the Reclaimed Materials or what may be present in final GRS products."
Global Recycled Standard 5.0, Abschnitt A3.2d — der Grund für das einzige ausdrücklich erklärte „nein" in dieser Matrix
- MADE IN GREEN, Arbeit: Der Standard verlangt eine STeP-Zertifizierung der Produktionsstätten. Belegt ist die Verknüpfung — der STeP-Standardtext selbst wurde nicht gelesen, die Prüftiefe dahinter ist offen.
- bluesign, Arbeit: Sozialkriterien stehen in den CRITERIA for production sites (ILO 138/182, ILO 1, Diskriminierungsverbot), ihre Bewertung darf aber an fremde Programme wie SAI oder SLCP delegiert werden.
- bluesign, Rezyklat: Materialherkunft ja (≥ 90 % der Textilfläche bluesign APPROVED), Rezyklatanteil nein — verlangt wird nur eine Selbstverpflichtung mit Zeitplan, kein geprüfter Anteil.
- GOTS, Tierwohl: nur punktuell — gemuleste Wolle ist verboten. Daune, Haltungsbedingungen, Lebendrupf und Stopfleber kommen im Standard nicht vor.
- GOTS, Rezyklat: geregelt ist nur die zulässige Beimischung (Synthetik ≤ 20 %). Es gibt keinen Mindestanteil und keine Pflicht, das Rezyklat nach GRS oder RCS zertifizieren zu lassen.
- GRS, Schadstoffe: keine Messlücke, sondern ein wörtlicher Selbstausschluss — siehe das Zitat oben. Geregelt ist allein, womit während der Verarbeitung gearbeitet werden darf.
- RDS, Rezyklat: Rückverfolgung von der Brüterei bis zum letzten B2B-Verkäufer, das Produktlabel gilt aber schon ab 5 % RDS-Material. Rezyklierte Daune ist ausdrücklich nicht zertifizierbar.
- DOWNPASS, Rezyklat: auditierte Kette mit eigener Verifizierungsnummer je Erzeugnis und Parallelproduktionsverbot; ein Rezyklatanteil ist nicht geregelt. Dafür als einziges Siegel hier eine Füllqualität: EN 12934 Klasse I oder II.
- Fair Wear, Arbeit: geprüft wird die Marke in vier Ebenen, mit den Ergebnissen Leader, Good, Needs Improvement oder Suspended — einschließlich ihrer eigenen Einkaufspraxis, also des Preis- und Termindrucks auf Zulieferer.
Stand 18. September 2026, Grundlage ist jeweils der Standardtext selbst. ⚠️ Zwei Angaben haben ein absehbares Verfallsdatum: bluesign PRODUCT heißt künftig bluepass (Übergang ab Ende 2026), und GRS 4.0 darf noch bis zum 30.12.2026 auditiert werden — bis dahin sind beide Fassungen im Markt. GOTS 8.0 und 8.1 sind veröffentlicht, wirksam aber erst zum 1. März 2027; heute gilt 7.0.

Dieselbe Vorsicht gilt für Formulierungen wie „ethisch gewonnene Daune", „kontrollierte Herkunft" oder „ohne Lebendrupf" ohne Siegel. Sie sind Eigenaussagen des Herstellers; geprüft hat sie niemand, solange kein Zertifikat genannt ist.
Was gerade passiert: der Materials Matter Standard
Im Dezember 2025 hat Textile Exchange den Materials Matter Standard eingeführt, der die bisherigen Einzelstandards zusammenführen soll. Für Daune ändert sich zunächst nichts: „Down will not be included in the first version" — nach Pilotprüfungen kam die Organisation zu dem Schluss, dass die Erzeuger dafür mehr Unterstützung brauchen. Marken und Lieferanten nutzen den RDS also weiter.

