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Delamination: wenn sich die Lagen einer Hardshell lösen

Membranen & Beschichtungen Redaktion Outdoorberater Stand 09/2026

ISO 1419 Verfahren CAlterungsprüfung für beschichtete Textilien, mindestens 95 Prozent relative Luftfeuchte
DIN 53530Trennversuch für textile Verbunde; DIN EN ISO 2411 dagegen für Beschichtungen
Polyester gegen Polyether16 Wochen in Wasser bei 70 Grad Celsius: Estertyp verliert Molmasse, Ethertyp kaum

Delamination ist die Ablösung der Lagen eines Verbundstoffs voneinander. An einer Hardshell trennt sich der Oberstoff von der Membran. Der Träger sieht zwei Bilder: außen wirft der Oberstoff flache Blasen, weil er nicht mehr überall anliegt, innen fühlt sich die Fläche klebrig an und löst sich in Fetzen ab. „Die Jacke blättert innen ab" beschreibt einen Haftungsschaden, keine Verschmutzung.

Die Ursache: Hydrolyse des Polyurethans

Laminiert wird mit Klebstoffen aus Polyurethan; Covestro nennt dafür TPU-Klebstoffe und feuchtigkeitshärtende PU-Schmelzklebstoffe. Entscheidend ist, welches Weichsegment ein solcher Klebstoff trägt. An Modellpolyurethanen, 16 Wochen in Wasser bei 70 Grad Celsius gealtert, ist der Unterschied gemessen: Bei den Estertypen fiel die Molmasse deutlich, bei den Ethertypen blieb sie nahezu unverändert. Die Esterbindung spaltet sich zu Säure und Alkohol, und die Säure treibt die Reaktion weiter — die Kettenspaltung ist autokatalytisch. Welchen der beiden Typen ein bestimmtes Laminat verwendet, geben die Hersteller nicht an.

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Aufbau

Aufgetragen oder eingelegt: zwei Wege zur dichten Jacke

Dicht wird eine Jacke auf zwei grundsätzlich verschiedene Arten. Welche es ist, steht selten auf dem Etikett — man merkt es erst nach Jahren, wenn eine davon anfängt, sich in Fetzen abzulösen.

Beschichtung

Flüssig aufgetragen, härtet aus

Aufgeschnittenes Stück Jackenstoff: Unter dem Obergewebe liegt ein dünner Film, der in die Zwischenräume der untersten Fäden hineinreicht — zwei Lagen ohne Fuge dazwischen.
  1. Obergewebe
  2. PU-Film, aufgetragen
  3. keine Fuge dazwischen

Polyurethan wird flüssig auf die Rückseite des fertigen Oberstoffs aufgetragen. Es entsteht keine eigene Folie, sondern ein Film, der mit dem Gewebe eine Einheit bildet.

Kommt mit zwei Lagen aus — eine Trägerlage ist nicht nötig.

Dafür
Günstiger, leichter, trägt kaum auf
Dagegen
Der Film liegt ungeschützt innen und ist mechanisch empfindlich

Blättert nach Jahren in Fetzen ab (Hydrolyse) — nicht reparierbar

Laminat

Eigene Folie, eingeklebt

Aufgefächertes Stück Jackenstoff: Obergewebe, Klebepunktraster, eine eigenständige weiße Folie, noch ein Klebepunktraster und ein Futtergestrick — fünf getrennte Ebenen.
  1. Obergewebe
  2. Klebstoff
  3. Membran, eigene Folie
  4. Klebstoff
  5. Trägerlage

Die Membran ist eine eigenständige Folie und wird mit Klebstoff zwischen Oberstoff und Futter einlaminiert — ein zusätzlicher Arbeitsgang.

Braucht eine Trägerlage; daraus werden 2,5 oder 3 Lagen.

Dafür
Haltbarer, die Folie liegt geschützt zwischen den Lagen
Dagegen
Teurer, trägt mehr auf, etwas schwerer

Löst sich an der Klebefläche (Delamination) — ebenfalls endgültig

Für gelegentliches Tragen reicht eine Beschichtung aus. Unter einem schweren Rucksack ist das Laminat die haltbarere Wahl: Dort scheuert der Gurt genau auf der Schulter, und eine aufgetragene Schicht hat an dieser Stelle keinen Schutz. Beide Bauarten altern im warmen Schrank schneller als im Gebrauch — trocken und kühl gelagert halten sie am längsten.

Mit KI-Unterstützung erstellt Schematische, nicht maßstabsgetreue Darstellung.

Treiber sind Feuchte und Wärme gemeinsam. Das Kanadische Konservierungsinstitut nennt zwei Faustregeln: Halbierte Luftfeuchte senkt die Hydrolysegeschwindigkeit um mehr als die Hälfte, und je 5 Grad Celsius mehr verdoppelt sich der Abbau etwa. Eine feucht zusammengelegte Jacke im warmen Schrank ist damit genau der Zustand, den die Alterungsprüfung absichtlich herstellt: ISO 1419 Verfahren C hält mindestens 95 Prozent Luftfeuchte und begutachtet die Probe wöchentlich auf Risse, Ablösen und Delamination. Der US-Fachverband Association for Contract Textiles verlangt in seinem Leitfaden für beschichtete Polsterbezüge im Gesundheitswesen fünf Wochen bei 70 Grad Celsius und hält fest, dass sich Prüfwochen nicht in Einsatzjahre umrechnen lassen. Eine Haltbarkeit in Jahren ist deshalb nicht seriös anzugeben; trocken, luftig und ungepresst lagern verlängert sie.

Beide Normen gelten ihrem Anwendungsbereich nach beschichteten Textilien, nicht Laminaten; für textile Verbunde führt das Prüfinstitut FILK den Trennversuch nach DIN 53530.

Abgrenzung: was Delamination nicht ist

Nicht zu verwechseln mit der nachlassenden Imprägnierung: Die DWR sitzt außen auf dem Oberstoff, wird durch Gebrauch und Wäsche dünner und lässt sich durch Waschen und Neuimprägnieren erneuern. Delamination betrifft den Verbund darunter und ist nicht umkehrbar: Der Klebstoff ist danach ein anderer Stoff, eine abgelöste Fläche lässt sich nicht zurückverkleben. Zweitens die Beschichtung: Eine beschichtete Zweilagenjacke hat gar kein Laminat, dort blättert die aufgetragene PU-Schicht vom Gewebe ab. Ihr Abrieb ist wiederum mechanisch, Hydrolyse dagegen chemisch. Drittens das Nahtband: Löst es sich als Streifen entlang der Naht, ist die Fläche daneben oft unversehrt. Und Polyurethan sitzt im Laminat mehrfach — außer im Klebstoff auch als dünne durchgehende Schicht auf der Membran, die deren Poren vor Hautfetten schützt.

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