Inlett: dünner Innenschlafsack für Hygiene und Wärme
Schlafsystem & Isomatte Redaktion Outdoorberater Stand 10/2026
Ein Inlett — auch Inlay oder Innenschlafsack — ist ein dünner Sack, der in den Schlafsack gelegt wird. Es gibt ihn aus Seide, Baumwolle, Mikrofaser und Fleece, in Mumien- und Deckenform, mit und ohne Kapuzenteil.
Sein Hauptzweck wird oft übersehen, weil die Werbung den Nebenzweck nach vorn stellt: Ein Inlett ist in erster Linie ein Hygieneartikel. Es nimmt Schweiß, Hautfett und Hautschuppen auf und wandert nach der Tour in die Waschmaschine — während der Schlafsack selbst möglichst selten gewaschen werden sollte, weil jede Wäsche die Füllung belastet.
Die Gradangabe und was sie wert ist
Auf Verpackungen und in Shops steht häufig eine Zahl: „bis zu 5 °C mehr", manchmal auch 8 oder 10. Diese Zahlen stammen aus keiner genormten Prüfung, und das lässt sich belegen.
Die Temperaturangaben eines Schlafsacks entstehen nach ISO 23537-1 an einer Thermopuppe mit festgelegter Kleidung und auf einer festgelegten Unterlage (Wärmedurchlasswiderstand 0,85 ± 0,06 m²K/W). Ein Inlett ist in diesem Aufbau nicht vorgesehen. Eine Angabe „+5 °C" ist deshalb keine Messung am Produkt, sondern eine Schätzung — in der Fachpresse finden sich Spannen von 5 bis 15 Grad Fahrenheit, also etwa 3 bis 8 Grad Celsius, je nach Quelle verschieden.

Was das Material am Packmaß ausmacht
Auf bewirtschafteten Hütten ist ein eigener Schlafsack vorgeschrieben — aus hygienischen Gründen, nicht aus Wärmegründen. Die Decken liegen bereit. Was man mitbringt, ist eine Zwischenlage, und ihr Material entscheidet über Packmaß und Gewicht.
Seide
Faustgroß gefaltet

Dünn, glatt und sehr klein zu packen. Wärmt kaum — und soll es auch nicht, denn die Decken der Hütte liegen darüber.
- Passt, wenn
- Jede Hüttentour, bei der jedes Gramm zählt
Fleece
Deutlich voluminöser

Wärmt spürbar und ist angenehm auf der Haut. Dafür nimmt es ein Vielfaches des Platzes ein — und auf einer warmen Hütte ist das Gewicht umsonst getragen.
- Passt, wenn
- Kalte Hütten, Winterräume, unbewirtschaftete Unterkünfte
Dazwischen liegen Baumwolle und Mikrofaser: schwerer als Seide, kleiner als Fleece, billiger als beide. Wer nur die Vorschrift erfüllen will, nimmt Seide oder Mikrofaser. Wer auf unbewirtschafteten Hütten übernachtet, wo keine Decken liegen, braucht ohnehin einen richtigen Schlafsack.

Was die Materialien unterscheidet
Die Wahl folgt dem Zweck. Wer Hygiene will, nimmt das leichteste Material, das sich waschen lässt. Wer wirklich Wärme braucht, nimmt Fleece — und sollte wissen, dass er damit das Gewicht eines halben Sommerschlafsacks mitträgt und besser gleich einen wärmeren Schlafsack nähme.
Der zweite, oft entscheidende Zweck
In vielen Hütten ist ein Inlett Pflicht: Bettzeug ist vorhanden, der eigene Schlafsack bleibt draußen, und das Inlett liegt zwischen Gast und Hüttendecke. Dafür gibt es eigene Modelle, die im Ratgeber Hüttenschlafsack stehen — meist aus Baumwolle oder Seide, mit großzügigem Schnitt.
Dasselbe gilt auf Reisen in Unterkünften, deren Wäschewechsel man nicht einschätzen kann. In beiden Fällen ist das Inlett kein Zubehör zum Schlafsack, sondern sein Ersatz.

