Zum Inhalt springen

Isomattentypen: Schaumstoff, selbstaufblasend, Luftmatte

Schlafsystem & Isomatte Redaktion Outdoorberater Stand 10/2026

Die Isomatte entscheidet über die Wärme nach unten, und zwar allein: Die Füllung eines Schlafsacks ist unter dem Körper zusammengedrückt und dämmt dort kaum. Welche Bauart man wählt, ist deshalb keine Komfortfrage, sondern Teil der Wärmerechnung.

Drei Bauarten teilen den Markt. Sie unterscheiden sich nicht graduell, sondern in jeder einzelnen Eigenschaft — Wärme, Gewicht, Packmaß, Haltbarkeit, Preis.

Fünf Modelle, ein Hersteller, eine Prüfnorm

Die folgenden Zahlen stammen alle von Therm-a-Rest, und alle R-Werte sind nach ASTM F3340 ermittelt. Das ist Absicht: Nur so sind sie untereinander vergleichbar.

ModellBauartR-WertGewichtDickePackmaß
Z Lite SOLSchaumstoff2,0410 g2 cm51 × 13 × 14 cm
Trail Proselbstaufblasend4,4850 g7,6 cm28 cm, Ø 22 cm
BaseCampselbstaufblasend6,01.140 g5 cm54 cm, Ø 22 cm
NeoAir XLite NXTLuftmatte4,5370 g7,6 cm23 cm, Ø 10 cm
NeoAir XTherm NXTLuftmatte7,3440 g7,6 cm—

Der aussagekräftigste Vergleich steht in der dritten und fünften Zeile. Trail Pro (R 4,4) und XLite NXT (R 4,5) sind thermisch praktisch gleich. Die selbstaufblasende Matte wiegt dabei das 2,3-Fache und packt, auf das Volumen gerechnet, rund sechsmal so groß: 10,6 gegen 1,8 Liter.

Packvolumen (Zylinder) = π × (Durchmesser ÷ 2)² × Länge

Was jede Bauart kann

Schaumstoff ist die einzige Matte, die nicht ausfallen kann: Kein Ventil, keine Naht, kein Loch. Sie wiegt wenig, kostet wenig und dient unterwegs als Sitzunterlage. Ihr R-Wert bleibt aber im Bereich 2, und sie packt groß — meist außen am Rucksack. Therm-a-Rest empfiehlt sie ausdrücklich als Unterlage: „Add 2.0 R-Value … when you layer the Z Lite SOL under another sleeping pad." R-Werte addieren sich beim Stapeln.

Selbstaufblasende Matten sind der Mittelweg: robuster als Luftmatten, wärmer als Schaumstoff, dafür am schwersten. Ihre Stärke liegt beim Basislager und beim Autocamping, wo Packmaß und Gewicht nicht zählen und eine Matte zehn Jahre halten soll.

Luftmatten haben das mit Abstand beste Verhältnis von Wärme zu Gewicht — 7,3 R bei 440 Gramm erreicht keine andere Bauart. Der Preis dafür ist die Verletzlichkeit: Ein Loch, und die Matte ist weg. Ein Flickzeug gehört deshalb ins Gepäck, nicht in den Keller. Wie ihr Inneres unterteilt ist — quer oder längs, mit oder ohne Vlies in den Kammern —, entscheidet über Wärme und Liegegefühl und steht unter Baffle-Konstruktion.

Welcher R-Wert wofür

Als Anhaltspunkt dient der Prüfaufbau der Schlafsacknorm: ISO 23537-1 prüft auf einer Unterlage mit einem Wärmedurchlasswiderstand von 0,85 ± 0,06 m²K/W — das entspricht etwa R 4,5 bis R 5,2. Wer mit einer dünneren Matte schläft, verlässt damit die Bedingung, unter der die Temperaturangabe seines Schlafsacks ermittelt wurde.

Infografik
Outdoor Beratung und Ratgeber
Isomatten

R-Wert: die Skala, die keine Norm einteilt

Wie der R-Wert gemessen wird, steht in ASTM F3340-22. Welcher Wert zu welcher Jahreszeit passt, steht dort nicht. Diese Einteilung stammt von Marken — und die sind sich nicht einig.

Sea to Summit Herstellerangabe
Switchback Travel Fachredaktion, 12/2025
Ultralight Outdoor Gear Händler
Ohne Urheber nur in Aggregator-Blogs

R 4,8 — der einzige Wert aus einer Norm

ISO 23537-1 prüft Schlafsäcke auf einer Matratze mit R_ct = (0,85 ± 0,06) m²·K/W, umgerechnet rund R 4,8. Die Komforttemperatur auf dem Etikett gilt nur mit dieser Unterlage. Eine Sommermatte mit R 1,5 betreibt den Sack außerhalb seiner Prüfbedingung — und eine Matte mit R 8 macht ihn nicht wärmer als damals, sie stellt die Bedingung wieder her.

Der aufgedruckte Wert ist imperial

Die Norm schreibt SI-Einheiten vor, die Marktangabe folgt dem imperialen Widerstand: R 5,7 sind rund 1,0 m²·K/W. Deutsche Ratgeber, die den Aufdruck als m²·K/W ausgeben, rechnen um den Faktor 5,7 falsch.

Gemessen wird eine Matte, liegend, neu

Wärmefluss senkrecht nach unten, gleichbleibender Anpressdruck, stationärer Zustand. Randverluste, Drehen im Schlaf und Alterung sind ausdrücklich nicht erfasst — das schreibt die Norm selbst.

Zwei Matten: Addieren ist Herstellerauskunft

Die Norm misst stets eine Matte und schließt Zusatzisolierung aus. „R-Werte addieren sich" sagen Hersteller; eine veröffentlichte Messung am Stapel gibt es nicht.

Alte Werte sind nicht einfach geschönt

Bei der Umstellung 2020 stiegen manche Werte (XLite 3,2 → 4,2) und andere fielen (Ether Light XT 3,8 → 3,2). Die Richtung ist uneinheitlich — gemessen wurde vorher anders, nicht durchweg großzügiger.

Prüfverfahren: ASTM F3340-22 (seit Juli 2022 gültig; die verbreitete Angabe „F3340-18" ist überholt). Die vier Einteilungen stammen von Marken, einer Fachredaktion und — bei der untersten — aus keiner auffindbaren Quelle. Eine Umrechnung von R-Werten in Außentemperaturen gibt es nicht; wo sie im Netz steht, ist sie ein Faustwert ohne Herkunftsnachweis.

Mit KI-Unterstützung erstellt Schematische, nicht maßstabsgetreue Darstellung.
Quellen: ASTM F3340-22

Das ist der nüchternste Maßstab, den es gibt: Eine Matte unterhalb von R 4,5 macht die Zahl auf dem Schlafsack zur Fiktion, gleichgültig wie warm der Sack ist.

Inhalt

Gefällt dir, was du hier liest?

Teilen-Bild zu Isomattentypen: drei Bauarten im Zahlenvergleich

Gefällt dir, was du hier liest?

Wir stecken viel Arbeit in outdoorberater.de — gemessene Angaben statt Werbesprüche, keine Bezahlschranke, keine Werbeflut. Wenn dir das hilft, ist Weiterempfehlen die schönste Art, Danke zu sagen. Jedes Teilen hilft anderen, uns zu finden, und hält das Projekt am Leben.

Zurück zum Seitenanfang