Rotlicht
Licht & Energie Redaktion Outdoorberater Stand 10/2026
Rotlicht ist eine zweite, rote Leuchtdiode in einer Stirnlampe. Bei den besser ausgestatteten Modellen sitzt sie auf einem eigenen Schaltweg, sodass man sie erreicht, ohne vorher die weiße Stufe einzuschalten — das ist der eigentliche Gebrauchswert, und er steht im Ratgeber zur Stirnlampe als Merkmal der Mittelklasse.
Was die Hersteller als Grund nennen
Zwei der nachgesehenen Hersteller begründen die Funktion mit der Nachtsicht. Der eine schreibt, rotes Licht habe „die Fähigkeit, die natürliche Nachtsichtfähigkeit des menschlichen Auges zu erhalten". Der andere nennt sie „red light illumination designed for preserving night vision" und ergänzt als Anwendungen Kartenlesen bei Nacht, Sternbeobachtung und Nachtfotografie. Ein dritter begründet sein Rotlicht ganz anders: damit andere Personen nicht geblendet werden.
Keines der als Beleg abgelegten Lampenblätter nennt für sein Rotlicht eine Wellenlänge, eine Helligkeit oder eine Messung. Wellenlängen stehen dort nur bei UV-Leuchten, mit 365 und 375 Nanometern.
Was sich belegen lässt
Die Richtung der Begründung ist tragfähig. Die Dunkeladaption des Auges beruht auf dem Sehpigment Rhodopsin, und sie braucht nach einer Darstellung des National Park Service 20 bis 40 Minuten, während wenige Sekunden helles Licht genügen, um sie zu zerstören. Tiefrotes Licht löse diesen Abbau nicht aus — aber auch dort steht der Vorbehalt dabei, dass helles rotes Licht das Rhodopsin ebenfalls verringert, ein dunkles also besser ist. Dazu passt die Physik: Die Hellempfindlichkeit des Nachtsehens hat ihr Maximum bei 507 Nanometern und spricht oberhalb von 600 Nanometern kaum noch an.
Und was offen bleibt
Die übliche Kurzfassung „Rot erhält die Nachtsicht" hält der Nachfrage nicht stand. Eine Übersicht aus dem Sanitätsdienst der britischen Marine berichtet, der Vorsprung von rotem gegenüber weißem Licht nehme mit sinkender Helligkeit ab und sei bei den tatsächlich verwendeten geringen Beleuchtungsstärken praktisch bedeutungslos; rotes Licht sei zudem für andere Aufgaben im Raum nachteilig. Entscheidend ist demnach die geringe Helligkeit, nicht zwingend die Farbe.
