rPET: recyceltes Polyester, meist aus PET-Flaschen
Fasern & Garne Redaktion Outdoorberater Stand 10/2026
rPET steht für recyceltes Polyethylenterephthalat — also Polyester, dessen Rohstoff nicht aus Erdöl, sondern aus bereits verwendetem Material stammt. Auf Etiketten erscheint es als „recyceltes Polyester", oft mit einer Prozentangabe.
Chemisch ist das Ergebnis dasselbe Polymer. Eine rPET-Faser verhält sich wie eine aus Neuware: gleiche Festigkeit, gleiche Feuchteaufnahme, gleiches Trocknungsverhalten. Die Angabe betrifft die Herkunft des Rohstoffs und nicht die Eigenschaften des Stoffes.
Woher der Rohstoff kommt
Der weitaus größte Teil des Recycling-Polyesters in Textilien stammt aus gebrauchten Getränkeflaschen, nicht aus Altkleidern. Das hat einen technischen Grund: Flaschen sind sortenrein, gut erfasst und liegen in großer Menge vor; Altkleider sind Mischgewebe mit Nähten, Reißverschlüssen und Ausrüstungen, deren Trennung bisher kaum wirtschaftlich gelingt.
Daraus folgt der wichtigste Einwand gegen die Erzählung vom geschlossenen Kreislauf: Der Weg führt von der Flasche in die Jacke — und dort endet er. Eine Flasche hätte wieder zur Flasche werden können; die Jacke wird mit heutiger Technik zu nichts mehr. Fachlich heißt das Downcycling: Der Rohstoff verlässt einen funktionierenden Kreislauf und tritt in einen ein, der noch keiner ist.

Polyester oder Polyamid: eine Zahl erklärt das meiste
Beide sind Chemiefasern, beide trocknen schneller als Baumwolle. Zwischen ihnen liegen aber zwei messbare Unterschiede — und der erste davon erklärt, warum fast jedes Ausrüstungsstück aus beiden besteht.
Feuchterückgewinn
Wie viel Wasser eine ofentrockene Faser aus der Luft aufnimmt, in Prozent ihres Trockengewichts (ISO 139)
Was nicht in der Faser steckt, muss auch nicht heraus. Darum trocknet Polyester am schnellsten, bleibt formstabil und wärmt auch feucht — und darum riecht es, weil der Schweiß außen auf der Faser sitzt.
Die Arbeitsteilung

Polyamid
Nylon, Perlon
- Stark
- Zäher, hält Scheuern besser aus
- Schwach
- Wird in der Sonne spröde, nimmt zehnmal mehr Feuchte auf
- Typisch für
- Rucksackböden, Hosenknie, Gamaschen, Gepäck

Polyester
PET, dieselbe Chemie wie Getränkeflaschen
- Stark
- Trocknet am schnellsten, verträgt Sonne
- Schwach
- Weniger abriebfest, nimmt Gerüche an
- Typisch für
- Funktionswäsche, Fleece, Zeltaußenhaut
Keine der beiden Fasern ist die bessere. An fast jedem Ausrüstungsstück findet man beide — Polyester dort, wo Trockenzeit und Sonne zählen, Polyamid dort, wo gescheuert wird. Ein Rucksack aus reinem Polyester wäre leichter und UV-fester, aber sein Boden wäre früher durch; eine Funktionsjacke aus reinem Polyamid wäre robuster und bliebe länger klamm.

Was das Verfahren bedeutet
Üblich ist das mechanische Recycling: Flaschen werden gereinigt, zerkleinert, eingeschmolzen und neu zu Fasern gesponnen. Das ist energetisch günstig, verkürzt aber die Molekülketten etwas — weshalb rPET oft mit Neuware gemischt wird, um Festigkeit und Spinnbarkeit zu sichern.
Beim chemischen Recycling wird das Polymer in seine Bausteine zerlegt und neu aufgebaut; das Ergebnis ist von Neuware nicht unterscheidbar und verträgt auch verunreinigte Ausgangsstoffe. Das Verfahren ist aufwendiger und hat sich für Textilien bisher nicht breit durchgesetzt.
Was GRS belegt — und was nicht
Der Global Recycled Standard ist das verbreitetste Prüfprogramm. Er verfolgt den Anteil recycelten Materials durch die Lieferkette und stellt zusätzlich soziale und umweltbezogene Anforderungen an die verarbeitenden Betriebe. Eine GRS-Angabe ist damit ein Nachweis für den Anteil — nicht für die Umweltbilanz des fertigen Produkts und nicht dafür, dass das Material erneut recycelt werden kann.
Ohne ein solches Programm ist eine Prozentangabe auf dem Etikett eine Eigenerklärung. Das ist derselbe Punkt wie bei Mulesing: Prüfbar wird eine Aussage erst durch ein Programm, das die Kette rückverfolgt.
Ein Punkt bleibt von rPET unberührt: Mikrofaserabrieb beim Waschen betrifft recyceltes Polyester genauso wie neues. Wer das verringern will, kommt über das Material nicht weiter, sondern über Waschhäufigkeit und Filter.

