Einsatzgebiete von Rucksäcken
Sie suchen einen Rucksack, aber Sie wissen noch nicht, welche Rucksackvariante für Sie optimal ist? Wir haben für Sie die Rucksäcke nach dem (sinnvollen) Einsatzzweck sortiert.
Tagestouren
Für eine Tagestour reicht ein Rucksack mit einer Größe von 5 bis 20 Litern (Daypack) aus. Der Rucksack sollte komfortable Schultergurte haben, die Sie mit Einstellriemen an Ihre Schultern anpassen können. Wenn Sie mehr als 20 Liter transportieren möchten, sollten Sie sich für einen Rucksack mit einem Hüftgurt (Touren- oder Trekkingrucksack) entscheiden, da der Hüftgurt den größten Teil des Gewichts auf die Hüfte überträgt. Ein Brustgurt ist ebenfalls empfehlenswert, denn mit dem Brustgurt stabilisieren Sie die Schultergurte und der Rucksack sitzt dadurch besser auf Ihrem Rücken.

Drei Entscheidungen hinter jedem Rucksack
Zwei Rucksäcke mit derselben Literzahl können grundverschieden sein. Die Unterschiede liegen in drei Bauentscheidungen — und jede davon bringt einen Tausch mit sich.
Wie kommt man hinein?

Toploader
Zugriff nur von oben, Deckelfach darüber. Kein Reißverschluss als Schwachstelle.

Panelloader
Umlaufender Reißverschluss, der die Front aufklappt — wie ein Koffer.

Rolltop
Oben eingerollt. Dicht erst ab drei bis vier Umdrehungen.
Reißverschlüsse sind bequem und zugleich die häufigste Stelle, an der ein Rucksack kaputtgeht.
Wie liegt er am Rücken?

Netzrücken
Ein gespanntes Netz hält den Packsack auf Abstand. Luft zieht dazwischen durch.

Kontaktrücken
Gepolsterte Flächen liegen direkt an. Die Last sitzt näher am Körper.
Der Netzrücken hält den Rücken trockener, rückt die Last aber vom Körper weg — bei schwerem Gepäck ein Nachteil.
Was gibt ihm Form?

Innengestell
Streben oder Platten im Rückenteil. Schmale Bauweise, folgt dem Körper.

Außengestell
Ein sichtbarer Rahmen, an dem der Packsack hängt. Heute selten.
Das Außengestell trägt sperrige Lasten und belüftet gut, bleibt aber überall hängen und schwankt beim Steigen.
Keine dieser Entscheidungen ist für sich genommen besser oder schlechter — sie hängen am Einsatz. Was dagegen immer gilt: Die Rückenlänge muss stimmen, sonst trägt keine der drei Bauarten die Last auf dem Becken.

Mehrtagestouren
Sie brauchen für Mehrtagestouren in der Regel einen Rucksack, der 20 Liter oder mehr fassen kann (Touren- oder Trekkingrucksack). Je nachdem, wie viel Ausrüstung und Verpflegung Sie transportieren müssen, sollten Sie sich für ein Volumen zwischen 20 und 60 Litern entscheiden. Ein größerer Rucksack ist höchstens erforderlich, wenn Sie auch noch die Ausrüstung und Verpflegung anderer Tourenteilnehmer tragen wollen/müssen, z.B. wenn Sie mit Ihren Kindern unterwegs sind. Der Rucksack muss mit Hüftgurt und Brustgurt ausgestattet sein. Zudem sollte der Rucksack diverse Einstell- und Stabilisationsriemen am haben, damit Sie den Rucksack optimal an ihren Körper anpassen können.
Mehrwöchige Trekkingtouren
Wenn Sie mehrere Wochen unterwegs sind, z.B. nach Australien, brauchen Sie einen Trekkingrucksack und eventuell sogar einen Schwerlastrucksack. Die Größe des Rucksacks nicht zuletzt davon ab, wie viel Verpflegung Sie benötigen. Aber auch mit regelmäßiger Verpflegung brauchen Sie einen Rucksack mit mindestens 60 Liter Volumen. Auch die Klimazone bzw. die Jahreszeit spielt eine Rolle. Bei einer Sommer-Tour durch Italien brauchen Sie z.B. weniger Gepäck als in der Arktis. Die größten Innengestell-Rucksäcke auf dem Markt haben ein Volumen von 130 Liter und ein maximale Transportgewicht von 30-35 kg. Wenn Ihnen das nicht reicht, brauchen Sie eine Lastenkraxe. Erst ab einem Gesamtgewicht von 25 kg ist ein Außengestell-Rucksack eine bedenkenswerte Alternative.
Als Anhaltspunkt: Wenn Sie bei einer zweiwöchigen Wildnistour in Skandinavien, Alaska oder Kanada weniger als 20 kg auf dem Rücken haben, sind Sie entweder auf einer Survival-Tour oder Sie haben ein ernstes Problem.
Wanderungen
- Kinderrucksack
- Daypack
- Wanderrucksack
- Tourenrucksack
Trekking
- Tourenrucksack
- Trekkingrucksack
- Schwerlastrucksack
- Lastenkraxe
Bergsteigen/Klettern
- Kletterrucksack
- Tourenrucksack
Schul-/Uni-/Arbeits-/Einkaufsrucksack
- Kinderrucksack
- Daypack
- City-Rucksack
- Eingurt-Rucksack
Fotowanderungen/Fotosafari
- Fotorucksack
Flug-/Auto-/Schiffsreisen
- Kofferrucksack
- Rucksack-Trolley
- Trekkingrucksack
Jagd
- Jagdrucksack
Lauftraining und -Wettbewerbe
- Trinkrucksack
Wenn Sie einen Rucksack für ein Outdoor-Abenteuer suchen, können Sie sich auch an der folgenden Einteilung orientieren:
Volumen und Rückenlänge sind zwei verschiedene Größen
Ein Rucksack hat zwei Maße, die nichts miteinander zu tun haben, und ihre Verwechslung ist der häufigste Fehler beim Kauf.
Das Volumen in Litern richtet sich nach der Tour: Wie viel muss mit? Es sagt nichts darüber, ob der Rucksack passt.
Die Rückenlänge richtet sich nach dem Körper: Sie ist der Abstand zwischen dem siebten Halswirbel und der Verbindungslinie der Hüftknochen. Davon hängt ab, ob der Hüftgurt auf dem Becken sitzt und die Träger auf der Schulter anliegen — und damit, ob die Last auf der Hüfte oder auf den Schultern landet.
Praktisch heißt das: Zuerst die Rückenlänge messen und den Rahmen oder die Rahmengröße auswählen, dann innerhalb dieser Größe das passende Volumen suchen. Viele Modelle gibt es in zwei oder drei Rahmengrößen bei gleichem Volumen. Beide Fragen gehören getrennt, und die verbreitete Größentabelle hat dabei eine Lücke: Bei 49,5 und bei 57,5 Zentimetern Rückenlänge ist keine Klasse zuständig.
Welches Volumen eine Tour wirklich braucht
Die Literangaben im Handel sind eine Orientierung, und sie werden regelmäßig zu groß gewählt — mit einer Folge, die nicht offensichtlich ist: Ein zu großer Rucksack wird voller gepackt, weil der Platz da ist.
Als Anhalt: Eine Tageswanderung mit Verpflegung, Regenjacke und Erste-Hilfe-Set kommt mit 20 bis 30 Litern aus. Eine Hüttentour mit Hüttenschlafsack und Wechselkleidung liegt bei 30 bis 40. Eine Zelttour mit Schlafsack, Matte, Zelt und Verpflegung braucht 50 bis 65 Liter — mehr nur bei Winterausrüstung oder bei langen Abschnitten ohne Nachschub.
Entscheidend ist nicht die Tourdauer, sondern was an Volumen tatsächlich zusammenkommt. Schlafsack und Isomatte sind die beiden größten Posten, und beide hängen an der Jahreszeit: Ein Wintersystem braucht deutlich mehr Platz als ein Sommersystem bei derselben Tourlänge.
Was die Traglast bedeutet
Zu jeder Rucksackgröße gehört eine Angabe, bis zu welchem Gewicht das Tragesystem die Last sinnvoll auf die Hüfte überträgt. Darüber hinaus wandert sie auf die Schultern — und dann hilft der beste Hüftgurt nicht mehr.
Zur verbreiteten Regel, man solle höchstens zehn Prozent des Körpergewichts tragen, gehört ein Einwand: Am Menschen gemessene Prozentanteile liegen deutlich höher. Bei 75 Kilogramm Körpergewicht entspricht die Traglast einer mittleren Rucksackklasse rund 33 Prozent, nicht 10. Die zehn Prozent sind eine Konvention ohne Messgrundlage.
Für die Praxis zählt weniger der Prozentwert als die Frage, ob das Tragesystem zum Gewicht passt: Ein Leichtrucksack ohne Rahmen überträgt oberhalb von etwa zehn Kilogramm kaum noch auf die Hüfte, ein Trekkingrucksack mit Rahmen deutlich mehr.
Spezialformen und wofür sie gebaut sind
Einige Bauarten lösen ein Problem, das ein normaler Wanderrucksack nicht löst — und sind dafür in anderer Hinsicht schlechter.
Kletter- und Tourenrucksäcke sind schmal geschnitten und haben wenig Außenschlaufen, damit sie in der Wand nicht hängenbleiben. Ihr Hüftgurt ist schmal, weil er unter dem Klettergurt sitzt — damit tragen sie Gewicht schlechter.
Trinkrucksäcke haben ein Fach und eine Schlauchführung für eine Trinkblase. Gut für Rad und Lauf, wo Anhalten teuer ist; auf einer Wanderung ist eine Flasche praktischer, weil man den Füllstand sieht.
Fotorucksäcke schützen Ausrüstung mit Polsterungen und Fächern, die Volumen und Gewicht kosten. Ihr Zugang ist auf schnelles Herausnehmen ausgelegt, nicht auf Lastübertragung.
Lastenkraxen und Außengestellrucksäcke tragen sperrige, schwere Last besser als jeder Innengestellrucksack. Dafür sind sie weniger körpernah und in unebenem Gelände unruhiger.
Der Zugang zum Hauptfach
Ein Merkmal, das den Alltagsnutzen stärker prägt als die Literzahl: Wie kommt man an den Inhalt?
Toplader öffnen oben, oft unter einem Deckel. Sie sind leicht, dicht und die klassische Trekkinglösung — dafür muss man zum Erreichen des Bodens umpacken. Das zwingt zu einer Packordnung, was auf einer Tour kein Nachteil ist.
Paneellader öffnen über einen umlaufenden Reißverschluss wie ein Koffer. Der Zugang ist bequem, das Gewicht höher, und der lange Reißverschluss ist eine Schwachstelle bei Nässe und unter Last.
Bodenfach mit Trennwand gibt separaten Zugang zum unteren Bereich — praktisch für den Schlafsack, der dort ohnehin liegt. Die Trennwand kostet Gewicht und lässt sich bei vielen Modellen herausnehmen.
Für Touren mit festem Ablauf ist der Toplader meist die bessere Wahl, für Reisen mit häufigem Zugriff der Paneellader. Welche Ordnung sich bewährt, steht im Ratgeber zum Rucksack packen.
Wofür welches Volumen
Als Anhaltspunkt, mit dem Hinweis, dass Literangaben nicht genormt sind und zwischen Marken abweichen:
Bis 20 Liter: Tageswanderung mit Verpflegung, Regenjacke und kleinem Erste-Hilfe-Set. Meist ohne Rahmen, Last auf den Schultern.
20 bis 35 Liter: lange Tagestour, Klettersteig, Skitour. Hier beginnt der Bereich, in dem ein Hüftgurt sinnvoll Last übernimmt.
35 bis 50 Liter: Hüttentour mit Wechselkleidung und Hüttenschlafsack, oder Zelttour mit sehr leichter Ausrüstung.
50 bis 70 Liter: Zelttour mit Schlafsack, Matte, Zelt und Verpflegung. Der verbreitetste Bereich für Mehrtagestouren mit allem auf dem Rücken.
Über 70 Liter: Winterausrüstung, lange Abschnitte ohne Nachschub, Expedition. Mit der Warnung, dass ein größerer Rucksack voller gepackt wird, weil der Platz da ist.
Einen oder zwei Rucksäcke
Bei Rucksäcken lohnt die Aufteilung aus einem anderen Grund als bei Schuhen: Es geht nicht um Passform, sondern um Volumen — und ein zu großer Rucksack wird voller gepackt, weil der Platz vorhanden ist.
Bewährt hat sich die Kombination aus einem Tagesrucksack von 20 bis 30 Litern und einem Trekkingrucksack für Mehrtagestouren. Der Tagesrucksack kommt deutlich häufiger zum Einsatz, und ein halb leerer 60-Liter-Rucksack trägt auf einer Tagestour schlecht, weil die Last pendelt.
Wer nur einen kaufen will, nimmt die Größe für die häufigsten Touren — nicht die für die größte geplante. Für den Ausnahmefall ist ein Leihrucksack oder eine Dehnfalte die sparsamere Lösung.
Die Anprobe mit Gewicht
Für jeden Einsatz gilt dieselbe Regel: Ein Rucksack lässt sich leer nicht beurteilen. Im Fachhandel gibt es Gewichtssäcke — richtig ist, mit dem Gewicht der geplanten Tour zu beladen und zehn Minuten zu tragen, mit Treppensteigen und Vorbeugen.
Geprüft wird dabei, ob der Hüftgurt auf dem Becken sitzt, ob die Träger anliegen ohne zu tragen, und ob irgendwo etwas drückt. Was nach zehn Minuten drückt, drückt nach vier Stunden deutlich mehr.
Das Tragesystem bestimmt die Grenze
Unabhängig vom Einsatzgebiet gilt eine Regel, die über die Brauchbarkeit entscheidet: Ein rahmenloser Rucksack überträgt oberhalb von etwa zehn Kilogramm kaum noch Last auf die Hüfte.
Das heißt nicht, dass er darüber unbrauchbar ist — es heißt, dass die Schultern tragen. Für eine Tageswanderung ist das hinnehmbar, für eine Mehrtagestour nicht. Wer also nach Einsatzgebiet sucht, prüft zuerst, wie viel Gewicht zusammenkommt, und erst dann die Literzahl. Welche Baugruppe diese Last überhaupt weiterleitet, beschreibt der Eintrag zum Tragesystem.
Das Gewicht einer Packliste zerfällt dafür in drei Teile: Basisgewicht, Verbrauchsgüter und Getragenes. Nur der erste schrumpft nie, und nur dort ändert eine Kaufentscheidung etwas.
Zum Weiterlesen
Wie die Rückenlänge gemessen wird und welche Lücken die verbreitete Größentabelle hat, steht im Ratgeber zu den Rucksackgrößen.


