Qualitätsmerkmale eines guten Rucksackes
Was macht einen Top-Rucksack aus? Diese Frage sollte sich jeder Rucksackkäufer stellen, denn anders als bei vielen Outdoor-Produkten ist der Preis bei einem Rucksack kein zuverlässiges Qualitätsmerkmal. Zudem hilft es Ihnen überhaupt nicht, wenn Ihr Rucksack eine überragende Qualität hat, aber überhaupt nicht zu Ihrem Körper passt.
Das erste und wichtigste Kriterium für einen Top-Rucksack lautet deswegen:
Nur wenn ein Rucksack optimal zu Ihrem Körper passt, kann es sich für Sie um ein Top-Rucksack handeln! Aber selbstverständlich gibt es auch Qualitätskriterien, die nichts mit der Passform zu tun haben.
Qualitätskriterien von Rucksäcken
Material eines Rucksackes
Das Material muss zur Rucksackgröße und zum Einsatzzweck passen. Bei einem leichten Daypack kann das Material leichter sein als bei einem Schwerlastrucksack. Mehr zu diesem Thema finden Sie hier: Materialien des Rucksacks.
Verarbeitung eines Rucksackes
Bei einem guten Rucksack sind alle Nähte perfekt und stabil. Wenn Sie den Rucksack vor dem Kauf inspizieren, sollten Sie sich in Ruhe alle Nähte anschauen und ausprobieren, ob die Nähte nachgeben, wenn Sie den Rucksack beladen oder versuchen, eine Naht auseinander zu ziehen.
Das Tragesystem spielt eine große Rolle
Es gibt viele gute Tragesysteme für Innengestell- und Außengestell-Rucksäcke. Bei einem Daypack ist dieses Thema nicht besonders wichtig, da Sie mit einem kleinen Rucksack keine großen Lasten transportieren. Wenn Sie sich für einen Markenhersteller entscheiden, bekommen Sie in der Regel ein gutes bis sehr gutes Tragesystem. Ob das Tragesystem aber auch gut zu Ihnen passt, können Sie nur durch einen gründlichen Praxistest mit beladenem Rucksack überprüfen.

Warum der Gurt auf den Knochen gehört
Ein Hüftgurt soll das Gewicht des Rucksacks auf das Skelett bringen — nicht auf die Muskulatur. Dafür gibt es genau eine Stelle: den oberen Rand des Beckenknochens. Ein paar Zentimeter darüber, und die Konstruktion arbeitet gegen sich selbst.
Auf dem Beckenkamm
Der Gurt liegt auf Knochen

Die Polsterung liegt auf dem Knochenrand. Das Gewicht läuft von dort durch das Becken in die Beine, ohne über die Schultern zu gehen.
- Die Last geht
- Durch das Becken in die Beine
Zu hoch
Der Gurt sitzt in der Taille

Über dem Knochen liegt nur Weichteilgewebe. Der Gurt findet keinen Halt, rutscht nach unten oder schnürt ein — und die Last bleibt an den Schultern hängen.
- Die Last geht
- Zurück auf die Schultern
Die Probe ist einfach: Mit den Daumen die Oberkante des Beckenknochens suchen, den Gurt so anlegen, dass seine Mitte darauf liegt, und erst dann schließen. Rutscht er beim Gehen nach unten, ist die Rückenlänge zu lang eingestellt — nicht der Gurt zu locker.

Raumaufteilung eines Rucksackes
Die meisten Rucksäcke haben mehrere Fächer und Taschen. Bei einem großen Rucksack ist beispielsweise meist ein Fach für den Schlafsack vorhanden. Bei vielen Modellen ist es aber auch möglich, das Schlafsackfach mit dem restlichen Raum zu verbinden, indem Sie das trennende Element herausnehmen. Die Raumaufteilung muss nicht besonders aufwendig oder kleinteilig sein. Wichtig ist, dass die Raumaufteilung für Ihre Zwecke und Bedürfnisse optimal ist.
Ausstattung eines Rucksackes
Befestigungsschlaufen für Trekkingstöcke, Skier, einen Eispickel und andere Gegenstände können ebenso nützlich sein wie eine Innentasche für einen Trinkrucksack oder eine Außentasche für eine Trinkflasche. Wenn Sie aber auf geringes Gewicht Wert legen, ist vielleicht ein sehr einfacher Rucksack für Sie die beste Wahl.
Einstellmöglichkeiten eines Rucksackes
Ein guter Rucksack sollte sich nicht nur auf Ihren Körper einstellen lassen, sondern auch Anpassungen an unterschiedliche Transportgewichte und besondere Gegebenheiten erlauben. Wenn Sie z.B. auf einem engen Höhenpfad unterwegs sind, ist es zweckdienlich, den Rucksack sehr nah an den Körper zu ziehen, um eine maximale Stabilität zu erreichen. An einem Top-Rucksack sind Einstell- und Stabilisationsriemen, mit denen Sie als Träger die Rucksackposition jederzeit verändern können, ohne den Rucksack abzusetzen.
Design eines Rucksackes
Ob ein Rucksack ein gutes Design hat oder nicht, ist nicht nur eine Frage des persönlichen Geschmacks. Ein Jäger braucht z.B. einen Rucksack, der nicht schon von weitem Wildtiere warnt. Wenn Sie im Notfall von einem Hubschrauber gerettet werden möchten, kann es dienlich sein, einen Rucksack in einer Farbe zu wählen, die sich deutlich vom natürlichen Hintergrund abhebt. Nicht zuletzt gehört auch die Form zum Design. Grundsätzlich sollten Sie darauf achten, dass die Form so gestaltet ist, dass Sie das Gewicht möglichst nah am Körper tragen können. Manchmal kann aber auch eine schlanke Rucksackform Vorteile haben. Nicht zuletzt sollten Sie sich mit Rucksack wohlfühlen.
Die Qualität eines Rucksack-Materials beurteilen
Selbst für Fachleute ist es nicht ganz einfach, die Qualität eines Rucksackmaterials ohne Praxistest zu beurteilen. Schlechte Qualität können Sie aber relativ leicht erkennen, wenn z.B. das Gewebe Unregelmäßigkeiten aufweist. Wenn Sie das Gewebe dehnen, sollten sich zwischen den einzelnen Fäden keine sichtbaren Spalten bilden. Wenn Sie einen Rucksack testen, sollten Sie den Rucksack mit dem maximal zugelassen Gewicht beladen und in diesem Zustand sorgfältig prüfen, ob das Material die Belastung gut aushält. Wenn das Material beispielsweise zu dünn ist, beult der Rucksack sehr stark aus bei Vollbelastung.
Die Verarbeitungsqualität eines Rucksacks beurteilen
Sie sollten sich unbedingt alle Nähte anschauen, auch wenn das ein wenig Zeit in Anspruch nimmt. Wenn irgendwo Fäden heraushängen, ist das ein schlechtes Zeichen. Auch Nähte, die sich unter Spannung öffnen oder verschieben, sind nicht vertrauenserweckend. Nehmen Sie sich gerade bei großen Trekkingrucksäcken Zeit, um den Rucksack mit unterschiedlichen Gewichtsbelastungen zu testen! Nur wenn die Verarbeitungsqualität im beladenen Zustanden einen guten Eindruck macht, lohnt sich der Kauf.
Tipp: Lassen Sie sich nicht von irgendwelchen Verzierungen oder schönen Accessoires blenden: Viel wichtiger ist, dass der Rucksack eine solide Verarbeitung aufweist.
Ein wichtiger Tipp zum Schluss: Das beste Material und die beste Verarbeitung nutzen nichts, wenn Ihnen der Rucksack nicht passt.
Woran Sie die Verarbeitung im Laden erkennen
Qualität an einem Rucksack lässt sich prüfen, und zwar ohne Werkzeug. Fünf Stellen sagen mehr als jedes Datenblatt.
Die Lastaufnahmepunkte. Dort, wo Träger und Hüftgurt am Korpus ansetzen, muss die Naht mehrfach geführt und das Gewebe verstärkt oder mit einem Riegel gesichert sein. Das sind die Stellen, an denen ein Rucksack reißt — nicht in der Fläche.
Die Nahtbilder. Gleichmäßige Stichlängen, keine übersprungenen Stiche, keine losen Fadenenden. Ein schief geführter Saum ist ein Hinweis auf die Sorgfalt in der Fertigung insgesamt.
Die Reißverschlüsse. Sie müssen sich mit einer Hand und ohne Haken bewegen lassen, auch an den Ecken. Zwei Schieber sind besser als einer, weil sich der Verschluss dann von beiden Seiten öffnen lässt. Eine Abdeckleiste über dem Verschluss hält Wasser und Schmutz ab.
Die Schnallen. Sie müssen sich unter Zug schließen und wieder öffnen lassen. Dünne, flache Kunststoffschnallen am Hüftgurt sind ein Sparzeichen — dort wirkt die größte Kraft.
Die Innenseite. Eine saubere Beschichtung ohne Risse und Blasen, versäuberte Nahtkanten, keine scharfen Kunststoffkanten am Rahmen. Was innen kratzt, scheuert mit der Zeit das Gewebe durch.
Das Tragesystem ist das eigentliche Qualitätsmerkmal
Am Rucksack entscheidet nicht das Gewebe über die Brauchbarkeit, sondern die Frage, ob die Last auf der Hüfte landet. Dafür arbeiten vier Bauteile zusammen.
Der Rahmen — Alustreben, eine Kunststoffplatte oder beides — nimmt die Last auf und leitet sie nach unten. Ohne Rahmen hängt das Gewicht an den Schultern, und oberhalb von etwa zehn Kilogramm ist das spürbar.
Der Hüftgurt übernimmt die Last am Becken. Er muss die Hüftknochen umschließen und breit genug gepolstert sein, ohne die Bewegung zu blockieren. Seine Vorformung entscheidet mit, ob er auf dem Becken bleibt.
Die Schulterträger führen den Rucksack am Körper, tragen aber nicht. Sie müssen anliegen, ohne zu drücken, und ihr Abstand sollte zur Schulterbreite passen.
Die Lastkontrollriemen zwischen Trägeransatz und Rucksackkorpus ziehen die Last an den Rücken. Sie sind das am häufigsten ignorierte Bauteil und verändern den Sitz erheblich — ein Rucksack mit gelockerten Lastkontrollriemen fällt nach hinten und zieht an den Schultern.
Ob diese vier zusammenpassen, hängt an der Rückenlänge und nicht am Preis. Wie sie gemessen wird, steht im Ratgeber zu den Rucksackgrößen.
Welche Materialangaben etwas sagen
Auf Rucksäcken steht häufig eine Zahl mit der Einheit „D" — etwa 210D oder 600D. Das ist die Angabe in Denier, und sie wird regelmäßig als Festigkeitsmaß gelesen, obwohl sie die Garnfeinheit beschreibt.
Ein höherer Wert bedeutet dickeres Garn und damit meist ein robusteres, aber auch schwereres Gewebe. Er sagt aber nichts über die Gewebebindung, die Beschichtung oder die Reißfestigkeit im eigentlichen Sinn. Ein Ripstop-Gewebe mit eingewebtem Verstärkungsraster kann bei niedrigerem Denier-Wert widerstandsfähiger sein als ein glattes Gewebe mit höherem.
Aussagekräftiger ist, wo welches Material sitzt: Ein Rucksack mit verstärktem Boden und verstärkten Seitenpartien hält länger als einer mit durchgehend mittlerem Gewebe — bei gleichem Gewicht. Mehr dazu im Ratgeber zu den Rucksackmaterialien.
Welche Ausstattung wirklich gebraucht wird
Rucksäcke werden mit vielen Zusatzfunktionen angeboten. Vier davon zählen auf Tour, der Rest ist Gewicht.
Kompressionsriemen. Sie ziehen einen halb gefüllten Rucksack zusammen, damit der Inhalt nicht wandert. Ein Rucksack ohne sie trägt bei halber Füllung schlecht, weil die Last beim Gehen pendelt.
Ein Deckel oder eine Dehnfalte macht den Rucksack um einige Liter erweiterbar — nützlich für die Hinfahrt und erlaubt, eine Nummer kleiner zu kaufen. Ein voll gedehnter Rucksack trägt allerdings schlechter, weil die Last weiter vom Rücken wegliegt.
Zwei Seitentaschen für Trinkflaschen, erreichbar im Gehen. Das ist mehr als Komfort: Eine Flasche, die man nur beim Auspacken erreicht, wird nicht benutzt.
Eine Regenhülle, mitgeliefert oder im Rucksack verstaut. Sie macht den Rucksack nicht dicht — Wasser läuft am Rücken hinein —, hält aber den Hauptinhalt weitgehend trocken und das Gewebe davon ab, sich mit Wasser zu füllen.
Weniger gebraucht werden Eispickelhalter ohne Eispickel, Helmnetze, Schlaufen an jeder Außenseite und abnehmbare Tagesrucksäcke — Letztere sind in beiden Funktionen Kompromisse.
Preis und Haltbarkeit
Beim Rucksack hängt der Preis überwiegend am Tragesystem und an der Verarbeitungsqualität, weniger am Gewebe. Das erklärt, warum zwei Rucksäcke mit demselben Gewebe und demselben Volumen weit auseinanderliegen können.
Woran sich sparen lässt, ohne die Funktion zu verlieren: an der Zahl der Zusatzfunktionen, am Markennamen, an der Farbe. Woran nicht: am Rahmen, am Hüftgurt und an den Nähten der Lastaufnahmepunkte — das sind die Teile, die über die Brauchbarkeit und über die Lebensdauer entscheiden.
Ein Hinweis zur Ersatzteilversorgung, die selten geprüft wird: Hersteller, die Schnallen, Hüftgurte und Rückenpolster einzeln nachliefern, verlängern die Nutzungsdauer erheblich. Eine gebrochene Schnalle sollte kein Grund für einen neuen Rucksack sein. Mehr zur Pflege und zu den Verschleißteilen im Ratgeber zur Rucksackpflege.
Zwei Jahre später
Qualität zeigt sich nicht beim Kauf, sondern nach zwei Saisons. Dann steht fest, ob die Nähte an den Lastaufnahmepunkten halten, ob die Beschichtung innen klebt und ob die Schnallen spröde geworden sind.
Wer das vorher abschätzen will, hat zwei Anhaltspunkte: die Verarbeitung an den geprüften Stellen und die Frage, ob der Hersteller Ersatzteile liefert. Beides lässt sich im Laden klären.


