Zum Inhalt springen

Ortlieb Rucksack Beratung & Ratgeber

Markenlogo Ortlieb

Ortlieb baut seine Rucksäcke nicht aus einem Oberstoff, der Wasser abhält, sondern aus beschichtetem Gewebe, dessen Zuschnitte unter Druck miteinander verschweißt werden. Die Kategorieübersicht des Herstellers führt dort 19 Einträge (gezählt am 8. Oktober 2026), darunter zwei Kuriertaschen und einen Transportsack mit Rucksackträgern. Das Volumen reicht von 17 Litern beim kleinsten Velocity bis 150 Litern beim größten X-Tremer.

Für den Vergleich zählt aber ein anderes Feld. Jedes Datenblatt trägt die Zeile „100 % Wasserdicht" — und daneben eine IP-Schutzart, und erst die unterscheidet: dreizehn Mal IP64, vier Mal IP67, zwei Mal IP53. Wer nur die erste Zeile liest, kauft zwei Stadtrucksäcke mit Sprühwasserschutz in der Annahme, sie hielten so viel aus wie ein Reiserucksack, der untertauchen darf.

19 RucksäckeEinträge der Rucksackübersicht, gezählt am 8. Oktober 2026
13 × IP64, 4 × IP67, 2 × IP53Verteilung der Dichtigkeitsklassen über diese 19, klassifiziert nach EN 60529
17 bis 150 LiterVolumenspanne des Programms nach dem Vergleichsraster des Herstellers
8 bis 16 kgSpanne der angegebenen Höchstzuladung, genannt bei 14 der 19 Modelle

Die Baureihen und ihre Verschlüsse

Alle Werte stehen im Vergleichsraster des Herstellers, das für jeden Rucksack dieselben Felder führt (abgerufen am 8. Oktober 2026). Die Spalte Preislage ordnet innerhalb dieses Programms ein.

BaureihenVerschlussFür wenKennwertePreislage
Atrack 25/35/45umlaufender TIZIP-ReißverschlussReise und Tour mit einem GepäckstückIP67, 1.430–1.560 g, Zuladung 10–16 kg, Nylon PS33oben
Atrack Bike, CR Urban, Metrospherewie AtrackBikepacking, Pendeln, GeschäftsreiseIP67, 25 und 34 Liter, Metrosphere 1.400 g, Zuladung 10 kgMitte bis oben
Vario 20L, Vario 26L, Vario LiteRollverschluss, Quick-LockArbeitsweg mit dem RadIP64, 20–26 Liter, 1.180–1.620 g, Zuladung 9–12,5 kgMitte
Velocity, Velocity Community EditionRollverschluss mit KlettRad und AlltagIP64, 17 bis 29 Liter, 730–1.070 g, Zuladung 10 kgunten
Commuter-DaypackRollverschlussPendeln mit RechnerIP64, 21 und 27 Liter, 740–860 g, Zuladung 8 kgMitte
Daypack 23L, Daypack MetrosphereRollverschlussAlltagIP64, 21 und 23 Liter, 830–870 g, Zuladung 8–10 kgMitte
Soulo, Soulo MetrosphereDeckelverschluss mit MagnetStadt und BürowegIP53, 25 Liter, 1.050–1.100 g, Zuladung 10 kgoben
PackmanRollverschlussTagestour mit HüftgurtIP64, 25 Liter, 1.020 g, keine ZuladungsangabeMitte
Light-PackRollverschlussZweitrucksack, Gramm zählenIP64, 25 Liter, 330 g, ungepolsterter Rückenunten
Messenger-Bag, Messenger-Bag ProRollverschluss mit KlettKurierdienst, flache MappenIP64, 39 Liter, Pro 1.950 g, keine ZuladungsangabeMitte
X-TremerRollverschlussFracht, Boot, ExpeditionsgepäckIP64, 35 bis 150 Liter, 640–1.320 gunten bis Mitte

Kennwerte der Gattung, auf Ortlieb bezogen

Dichtigkeitsklasse statt Millimeter. Der Hersteller löst seine drei Klassen selbst auf: IP53 heißt staubgeschützt und gegen Sprühwasser bis 60 Grad zur Senkrechten geschützt, IP64 staubdicht und gegen Spritzwasser aus allen Richtungen, IP67 staubdicht und gegen zeitweiliges Untertauchen bis einen Meter für 30 Minuten. Klassifiziert wurde nach DIN VDE 0470-1 beziehungsweise EN 60529, herausgegeben vom TÜV Rheinland — die Marke nennt zu ihrer Nässeangabe also das Prüfverfahren, und erst das macht sie vergleichbar. Was das Wort wasserdicht ohne eine solche Klasse wert ist und wo wasserabweisend aufhört, steht im Glossar.

Die Probe macht der Hersteller selbst. In seine Rubrik „Wasserdichte Rucksäcke" stellt er genau vier Modelle — dieselben vier, die IP67 tragen. Mit seiner eigenen Sortierung deckt sich also nicht die Zeile „100 % Wasserdicht", sondern die IP-Klasse.

Die eine Millimeterzahl. Auf seiner Seite zum Schweißverfahren schreibt Ortlieb, das verarbeitete Gewebe sei samt Schweißnähten „grundsätzlich wasserdicht bis 100.000 mm Wassersäule". Ein Prüfverfahren nennt dieser Satz nicht, obwohl die Materialseite derselben Marke ISO 811 ausdrücklich als Standardverfahren für die Wassersäule benennt. Die Zahl bleibt damit eine Herstellerbehauptung und kein Messwert.

Volumen, Gewicht und Last. Das Gewicht gilt für den fertigen Rucksack samt Rückenteil und reicht von 330 Gramm beim Light-Pack bis 1.950 Gramm bei der Messenger-Bag Pro. Am Volumen hängt es nicht: Light-Pack und Packman fassen beide 25 Liter und wiegen 330 gegen 1.020 Gramm — ungepolsterter Sack gegen gepolstertes Rückenteil mit Hüftgurt. Eine Höchstzuladung steht bei 14 der 19 Modelle, von 8 Kilogramm beim 21 Liter großen Daypack Metrosphere bis 16 Kilogramm beim 45 Liter großen Atrack. Ohne Angabe bleiben Light-Pack, Packman, X-Tremer und die beiden Kuriertaschen — beim Packman überrascht das, denn er trägt als einziges Modell einen gepolsterten Hüftgurt ohne Lastzahl. Was so ein Gurt auf das Becken bringt, erklärt der Hüftgurt und die Lastübertragung.

Keine Rückenlänge, nirgends. Das Vergleichsraster führt Höhe, Breite, Tiefe und sogar die Innenmaße des Laptopfachs in Zentimetern — eine Rückenlänge nennt es nicht, und kein Modell gibt es in zwei Rückengrößen. Die Passform lässt sich bei dieser Marke also nicht aus dem Datenblatt wählen, sondern nur anprobieren. Wie Größenklassen überhaupt zustande kommen, erklären die Rucksackgrößen, und welche Bauteile über die Haltbarkeit entscheiden, sammeln die Qualitätsmerkmale.

Die Zahl im Stoffnamen ist kein Denier. Im Programm stehen Nylon PS33, Nylon PS21R, Classic, Urban und TIDURA. Das Glossar des Herstellers löst die Kürzel auf: PS heißt einseitig beschichtet, PD beidseitig, R steht für Ripstop, C für Cordura. Zu den Ziffern heißt es dort wörtlich, sie bezögen sich „immer auf das Gewicht des Materials" pro Quadratmeter. Die 33 in PS33 ist damit eine Stufe beim Flächengewicht (g/m²) und kein Denier-Wert — eine Gegenüberstellung mit 420D oder 600D anderer Marken vergleicht zwei verschiedene Größen. Den Wert in Gramm je Quadratmeter veröffentlicht Ortlieb nicht. Beschichtet wird mit thermoplastischem Kunststoff, bei den Kunststoffteilen nennt der Hersteller Polyurethan (PU) ohne PVC, PFC und BPA. Welche Gewebe in dieser Gattung sonst vorkommen, ordnen die Materialien ein.

Infografik
Outdoor Beratung und Ratgeber
Tragesysteme

Was die Riemen an den Seiten wirklich tun

Kompressionsriemen gelten als Mittel, den Rucksack kleiner zu machen. Das ist der Nebeneffekt. Ihre eigentliche Aufgabe ist, den Inhalt am Rutschen zu hindern und ihn dicht an den Rücken zu ziehen — und das wirkt bei jedem Schritt.

Riemen offen

Der Inhalt hat Spiel

Halbvoll gepackter Trekkingrucksack mit lose hängenden Seitenriemen: Der Packsack hängt durch, die Seitenwand wölbt sich unregelmäßig nach außen. lose Riemen

Die Last sitzt tief und weit vom Rücken entfernt. Bei jedem Schritt arbeitet sie im Sack und zieht abwechselnd an Hüfte und Schultern.

Beim Gehen
Der Rucksack schaukelt, die Last wandert

Riemen gezurrt

Der Inhalt steht fest

Derselbe halbvoll gepackte Rucksack mit fest angezogenen Seitenriemen: Das Gewebe schnürt sich sichtbar ein, der Packsack ist schmal und kompakt. Einschnürung

Die Riemen ziehen die Seitenwände nach innen und die Last an den Rücken. Der Schwerpunkt rückt näher, der Hebel wird kürzer.

Beim Gehen
Die Last bleibt, wo sie hingehört

Die zweite Verwendung hat eine Grenze: Was außen unter die Riemen geklemmt wird — Matte, Stöcke, nasse Jacke —, liegt genau dort, wo der Hebel am längsten ist. Für Sperriges und Leichtes geht das; für Schweres verschlechtert es genau die Lastverteilung, die die Riemen sonst verbessern.

Mit KI-Unterstützung erstellt Schematische, nicht maßstabsgetreue Darstellung.

Technologien und was sie technisch sind

Hochfrequenzschweißen. Die Wärme entsteht durch Molekularschwingung im Material selbst; das Gewebe wird weich und unter hohem Druck zusammengefügt, und die Schweißnaht ist nach Herstellerangabe mindestens so stark wie das umgebende Material. Eine Radtasche entsteht im dreidimensionalen Verfahren aus drei Zuschnitten, die eine etwa 10 mm breite Überlappnaht verbindet. Warum diese Stelle die entscheidende ist, steht unter Nähte; was ein beutelförmiger Packsack leistet und was nicht, steht im eigenen Ratgeber.

Der Verschluss entscheidet die Klasse, nicht der Stoff. Der schärfste Beleg steckt in zwei Modellen: Soulo Metrosphere und Atrack Metrosphere bestehen beide aus Nylon PS33 — der eine erreicht IP53, der andere IP67. Unterschied ist allein die Öffnung, Magnetdeckel gegen umlaufenden Dichtreißverschluss. Alle vier IP67-Modelle liegen deshalb in der Atrack-Familie, und die beiden IP53-Modelle sind die beiden mit Deckelverschluss. Wie weit ein Rolltop trägt, auf dem dreizehn Modelle aufbauen, steht im Glossar.

TIZIP. Der Dichtreißverschluss besteht aus polyurethanbeschichtetem Gewebe mit Kunststoffzähnen; dicht wird er durch eine Dichtlippe, die beim Schließen zwischen den Kuppelgliedern zusammengepresst wird. Für die Bauform MasterSeal 10 nennt die Ortlieb-Seite eine Druckdichtigkeit von bis zu 500 mbar, ohne ein Prüfverfahren dazu anzugeben. Welche Bauform im Atrack sitzt, sagt dessen Produktseite nicht; dort heißt es nur „überarbeitete Version".

Quick-Lock. Die drei Vario-Modelle hängen sich über Quick-Lock 2.1, 2.2 oder 3.1 an den Gepäckträger und werden erst dadurch zum Doppelstück aus Tasche und Rucksack; was auf dem Rad an der Geometrie hängt, erklärt der Fahrradrucksack. Zehn der 19 Modelle führen ein Laptopfach mit angegebenem Innenmaß, 36 × 24,5 × 2,5 oder 39 × 27 × 2,5 Zentimeter — die Bauregel dahinter steht beim Laptoprucksack.

Preisniveau

€€€. Zwischen dem günstigsten Eintrag und dem teuersten liegt etwa das Dreifache; unten stehen Transportsack und Leichtmodell, oben die beiden großen Atracks. Ein Einstiegssegment fehlt ganz. Gegenzurechnen sind fünf Jahre Herstellergarantie ab dem Erstkauf und ein Ersatzteilprogramm von 103 Artikeln im eigenen Shop, 16 davon für Rucksäcke, darunter Hüftgurt, Brustgurt und Klettverschluss. Reinigung und Lagerung behandelt die Pflege.

Für wen — und für wen nicht

Dieses Programm passt, wenn der Inhalt trocken bleiben muss, ohne dass ein Überzug darüber kommt: Dreizehn Modelle schließen mit Rollverschluss, vier mit Dichtreißverschluss, und die Verbindungen sind in beiden Fällen keine Löcherreihen, sondern Schweißstellen. Passend außerdem für den Arbeitsweg mit dem Rad, weil die drei Vario-Modelle sich am Gepäckträger einhängen, und für alle, die reparieren statt ersetzen: Hüftgurte, Brustgurte und Verschlüsse sind einzeln bestellbar.

Nicht passend ist sie, wenn die Passform die Kaufentscheidung tragen soll. Es gibt keine Rückenlänge im Datenblatt, keine zweite Rückengröße und oberhalb von 45 Litern keinen Rucksack mit Tragesystem; der größte Sack des Programms ist Fracht ohne Lastangabe. Wer mehr als 16 Kilogramm bewegen will, ist hier am falschen Ende, und für eine Mehrtagestour mit Zelt führt der Weg zum Trekkingrucksack anderer Marken. Nicht passend auch, wo ein Luftspalt am Rücken zählt: Die Rückenteile sind TPU- oder Schaumpolster. Und wer die beiden Soulo-Stadtrucksäcke wegen der Zeile „100 % Wasserdicht" kauft, bekommt IP53 — Regen von oben, kein Untertauchen.

Alternativen

  • Exped — ebenfalls Säcke mit Rollverschluss, aber mit Rahmen, Rückenlänge und einer Zuladung bis 22 Kilogramm.
  • Deuter — wenn die Passform entscheidet: mehrere Rückenlängen und auf jedem Datenblatt eine Zuladungsempfehlung.
  • Osprey — für Trekkingvolumen über 45 Liter mit verstellbarem Rücken.
  • Ortovox — wenn der Rucksack nässefest sein und zugleich Lawinenausrüstung aufnehmen soll.

Häufige Fragen zu Ortlieb-Rucksäcken

Was bedeutet IP64 auf einem Ortlieb-Rucksack?

Die erste Ziffer steht für den Staubschutz, die zweite für den Wasserschutz: staubdicht und gegen Spritzwasser aus allen Richtungen geschützt. Klassifiziert ist das nach EN 60529; dreizehn der 19 Rucksäcke tragen diese Klasse.

Warum ist ein Soulo nur IP53, obwohl „100 % Wasserdicht" dasteht?

Weil diese Zeile das Gewebe meint und die Klasse das fertige Produkt. Der Soulo schließt mit einem Magnetdeckel, und ein Deckel lässt sich nicht so abdichten wie eine Rolle oder ein Dichtreißverschluss. IP53 heißt Sprühwasser bis 60 Grad zur Senkrechten — kein Untertauchen.

Nennt Ortlieb eine Wassersäule für seine Rucksäcke?

Nicht je Modell. Auf der Seite zum Schweißverfahren steht ein pauschaler Wert von 100.000 mm für Gewebe und Schweißnaht, allerdings ohne Prüfverfahren, obwohl die Materialseite derselben Marke ISO 811 als Standardverfahren benennt. Belastbar ist deshalb nur die IP-Klasse, denn sie nennt ihre Norm.

Ist die 33 in „Nylon PS33" eine Denier-Angabe?

Nein. Das Glossar des Herstellers sagt, die Ziffern hinter den Materialkürzeln bezögen sich auf das Gewicht des Materials pro Quadratmeter; PS steht für einseitig beschichtet. Ein Vergleich mit Denier-Werten anderer Marken führt deshalb in die Irre.

Deckt die Garantie einen undichten Reißverschluss?

Die Herstellergarantie läuft fünf Jahre ab dem Erstkauf und umfasst Reparatur oder gleichwertigen Ersatz, nimmt aber üblichen Verschleiß ausdrücklich aus, „z. B. die Abnutzung von Oberflächen, Reißverschlüssen oder Schnallen". Bei den vier IP67-Modellen ist genau der Dichtreißverschluss das Verschleißteil.

Inhalt

Gefällt dir, was du hier liest?

Teilen-Bild zu Ortlieb Rucksäcke: IP-Klasse statt Wassersäule

Gefällt dir, was du hier liest?

Wir stecken viel Arbeit in outdoorberater.de — gemessene Angaben statt Werbesprüche, keine Bezahlschranke, keine Werbeflut. Wenn dir das hilft, ist Weiterempfehlen die schönste Art, Danke zu sagen. Jedes Teilen hilft anderen, uns zu finden, und hält das Projekt am Leben.

Zurück zum Seitenanfang