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schoeller 3XDRY Funktionsmaterial

Gewebe & Oberstoffe Redaktion Outdoorberater Stand 10/2026

3XDRY ist keine Faser und kein Gewebe, sondern eine Ausrüstung — ein chemischer Veredlungsschritt, der auf einen fertigen Stoff aufgebracht wird. Hinter der Marke steht die Schweizer Schoeller Technologies AG, die sie an Webereien lizenziert. Man findet sie deshalb auf sehr unterschiedlichen Materialien: auf Hemdenstoffen, Arbeitsbekleidung, Sportshirts und Softshells gleichermaßen.

2gegensätzliche Ausrüstungen auf einem Stoff
außenwasser- und schmutzabweisend
innensaugfähig und spreitend
Lizenzdie Ausrüstung wird an Webereien vergeben, nicht an ein Gewebe gebunden

Warum eine DWR auf der Innenseite stört

Eine gewöhnliche wasserabweisende Ausrüstung wird auf die ganze Ware aufgebracht und wirkt damit auf beiden Seiten. Das hat eine unangenehme Nebenwirkung: Schweiß perlt auch auf der Innenseite ab. Er bleibt als Tropfen auf der Haut stehen, läuft an ihr herunter und verdunstet kaum, weil ein Tropfen eine kleine Oberfläche hat.

3XDRY trennt die beiden Seiten. Außen bleibt es bei der hydrophoben, also wasserabweisenden Ausrüstung — Regen perlt ab, Schmutz haftet schlechter. Innen kommt eine hydrophile, wasserliebende Ausrüstung hinzu. Schweiß wird dort aufgenommen und über eine große Fläche verteilt, statt als Tropfen liegen zu bleiben.

Der zweite, sichtbare Effekt folgt aus derselben Konstruktion: Weil nur die Innenseite Feuchtigkeit aufnimmt, schlägt Schweiß außen kaum durch. Schwitzflecken auf Rücken und unter den Armen bleiben nach Herstellerangabe praktisch unsichtbar — ein Punkt, der erklärt, warum die Ausrüstung außerhalb des Outdoorbereichs vor allem in Hemden, Uniformen und Berufsbekleidung sitzt und im Outdoorbereich am Funktionsshirt.

Infografik
Outdoor Beratung und Ratgeber
Ausrüstung

Außen abweisend, innen saugend

Manche Gewebe tragen auf jeder Seite eine andere Ausrüstung — die eine hält Wasser ab, die andere nimmt es auf. Beides zugleich ergibt nur Sinn, wenn man weiß, welches Wasser gemeint ist.

Ein gefaltetes Stück Funktionsgewebe: Auf der oberen Außenseite stehen drei kugelige Wassertropfen, auf der unteren Innenseite ist ein Tropfen flach zerlaufen und hat einen Feuchtefleck gebildet.
  1. Außen: Tropfen perlen ab

    Die Außenseite ist wasserabweisend ausgerüstet. Regen und Spritzer bleiben kugelig stehen und rollen ab, der Stoff saugt sich nicht voll.

  2. Innen: Schweiß zieht ein

    Die Innenseite ist gegenteilig ausgerüstet: Sie nimmt Feuchte auf und verteilt sie in die Fläche. Dort trocknet sie schneller, als wenn sie an einer Stelle stünde.

  3. Ein Stück Gewebe

    An der Faltkante sieht man, dass es sich um einen einzigen Stoff handelt und nicht um zwei verklebte Lagen. Beide Ausrüstungen sitzen auf demselben Gewebe.

Die beiden Ausrüstungen widersprechen sich nicht, weil sie unterschiedliche Seiten betreffen: Außen kommt das Wasser von der Umgebung, innen vom Körper. Wie jede Ausrüstung liegt auch diese auf dem Textil auf und lässt mit den Wäschen nach.

Mit KI-Unterstützung erstellt Schematische, nicht maßstabsgetreue Darstellung.
Mehr dazu: DWR · Softshell

Warum die Fläche über das Trocknen entscheidet

Verdunstung ist ein Oberflächenvorgang. Ein Milliliter Wasser, der als Tropfen auf der Haut liegt, hat eine Oberfläche von wenigen Quadratzentimetern; derselbe Milliliter, in ein Gewebe gesogen und über eine Handfläche verteilt, hat ein Vielfaches davon. Weil die Verdunstungsrate proportional zur benetzten Fläche ist, trocknet die verteilte Menge entsprechend schneller.

Das ist zugleich der Mechanismus hinter dem Kühleffekt. Wasser braucht zum Verdunsten Energie — bei 20 °C rund 2.450 Kilojoule je Kilogramm —, und diese Energie entzieht es seiner Umgebung. Je schneller verdunstet wird, desto mehr Wärme wird in derselben Zeit abgeführt. Die natürliche Kühlung des Körpers über Schweiß funktioniert genau so; eine Ausrüstung wie 3XDRY unterstützt sie, indem sie den Schweiß dorthin bringt, wo er verdunsten kann.

Daraus folgt aber auch die Kehrseite. Bei Kälte ist Verdunstungskühlung nicht erwünscht, sondern gefährlich. Ein Stoff, der Feuchtigkeit großflächig hält und verdunsten lässt, kühlt in der Pause stärker als einer, der sie weitergibt — der sogenannte Nachschwitzeffekt. Für hautnahe Schichten im Winter ist das ein Argument gegen saugfähige Ausrüstungen; wie die Lagen stattdessen zusammenspielen sollten, beschreibt das Zwiebelschalenprinzip.

Was eine Ausrüstung von einer Fasereigenschaft unterscheidet

Die entscheidende Einschränkung jeder Ausrüstung ist, dass sie auf der Faser sitzt und nicht in ihr. Sie kann abgerieben, ausgewaschen und durch Rückstände überdeckt werden. Eine Fasereigenschaft — etwa die geringe Feuchteaufnahme von Polyester oder die Rückstellkraft einer Elasthanfaser — verschwindet dagegen erst mit der Faser selbst.

Für 3XDRY heißt das: Die Wirkung hat eine begrenzte Lebensdauer, und wie lang diese ist, hängt von der Ausführung, der Faser und der Pflege ab. Zahlen dazu — etwa die Zahl der Waschgänge, nach denen die Wirkung messbar nachlässt — veröffentlicht der Lizenzgeber nicht. Das ist der wichtigste blinde Fleck dieser Technologie.

Wie 3XDRY zwei Chemien auf einen Stoff bringt

Dass zwei gegensätzliche Chemien auf demselben Stück Stoff nebeneinander bestehen, ist der eigentliche verfahrenstechnische Kniff. Üblicherweise läuft Ware in der Veredlung durch ein Bad und nimmt die Zubereitung auf beiden Seiten auf. Für eine seitenselektive Ausrüstung muss die Zubereitung einseitig aufgetragen werden — etwa im Pflatsch-, Schaum- oder Beschichtungsverfahren — und darf nicht auf die Gegenseite durchschlagen.

Das setzt Grenzen. Je dünner und offener ein Gewebe ist, desto schwieriger wird die saubere Trennung; bei sehr leichten Stoffen und bei Maschenware mit großem Porenanteil ist der Übergang fließend. Umgekehrt funktioniert die Trennung bei dichteren Geweben und Doppelgestricken gut, weil die beiden Warenseiten physikalisch weiter auseinanderliegen.

Der Lizenzgeber gibt die Ausrüstung entsprechend nicht als fertiges Material heraus, sondern als Verfahren, das die Weberei auf ihrer eigenen Ware anwendet. Ein 3XDRY-Hemdenstoff und die Gewebe einer Softshelljacke haben deshalb außer dem Namen wenig gemeinsam — und wie gut die Trennung im Einzelfall gelingt, steht in keinem Datenblatt.

Wo 3XDRY etwas bringt — und wo es schadet

Am klarsten ist der Gewinn dort, wo ein Kleidungsstück gut aussehen und gleichzeitig Schweiß bewältigen muss. Ein Hemd, eine Uniform oder ein Poloshirt kann nicht aus einem offenen Funktionsgestrick bestehen; es soll glatt fallen und einfarbig bleiben. Für solche Stoffe ist eine chemische Lösung die einzige, die infrage kommt — eine konstruktive würde das Erscheinungsbild zerstören.

Im Outdoorbereich liegt der Nutzen eher bei warmen Bedingungen und mittlerer Belastung: Wandern im Sommer, Reisen, Radfahren bei milden Temperaturen. Dort ist Verdunstungskühlung erwünscht, und dort stört es, wenn ein Oberteil nach einer Stunde durchgeschwitzt aussieht — derselbe Grund, aus dem die Ausrüstung häufig auch auf dem Gewebe einer Trekkinghose sitzt.

Weniger sinnvoll ist die Ausrüstung in der untersten Schicht bei Kälte und in allem, was unter einer dichten Außenlage getragen wird. Unter einer Hardshell kann nichts verdunsten, weil die Luft dort schon gesättigt ist — die saugfähige Innenseite hält die Feuchtigkeit dann einfach fest, statt sie weiterzugeben.

3XDRY, Doppelgestrick oder c_change: was wofür

Gegen eine gewöhnliche DWR-Ausrüstung ist der Unterschied genau die Innenseite. Gegen ein Doppelflächengestrick — innen hydrophobe Polypropylenfasern, außen saugfähiges Polyester — löst 3XDRY dieselbe Aufgabe chemisch statt konstruktiv. Die konstruktive Lösung hält länger, weil sie nicht auswaschbar ist; die chemische lässt sich auf jedes beliebige Gewebe anwenden, auch auf solche, bei denen ein Doppelgestrick nicht infrage kommt.

Gegen die Membran schoeller c_change desselben Hauses ist die Abgrenzung grundsätzlich: c_change ist eine Lage im Laminat und macht wasserdicht, 3XDRY ist eine Oberflächenbehandlung und macht nichts dicht. Beide tauchen gelegentlich am selben Kleidungsstück auf — die Membran innen, die Ausrüstung auf dem Oberstoff.

Pflege: warum Weichspüler die Trennung aufhebt

Der größte Feind dieser Ausrüstung ist der Weichspüler. Er legt sich als Film über beide Seiten und hebt ausgerechnet die Trennung auf, auf der die Funktion beruht — außen wird die Abperlwirkung schwächer, innen wird die Saugfähigkeit blockiert. Dasselbe gilt für überdosiertes Waschmittel, dessen Tenside im Gewebe bleiben.

Gewaschen wird deshalb sparsam dosiert, ohne Weichspüler und mit ausreichend Spülgängen — mehr dazu im Ratgeber zur Pflege. Die hydrophobe Außenseite lässt sich wie jede wasserabweisende Ausrüstung durch Wärme reaktivieren: kurzes Trocknen bei niedriger Temperatur oder Bügeln bei der für die Faser zulässigen Stufe. Die hydrophile Innenseite lässt sich dagegen nicht auffrischen; ist sie weg, ist sie weg. Kleidung mit dieser Ausrüstung gehört deshalb nicht in die Chemischreinigung, deren Lösungsmittel beide Ausrüstungen angreifen, und auch nicht auf die Heizung zum Trocknen.

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