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Thinsulate Platinum Funktionsmaterial

Isolation Redaktion Outdoorberater Stand 10/2026

Thinsulate Platinum ist nicht, wofür es im Handel meist gehalten wird. Es ist kein eigenes Vlies mit einer eigenen Faser, sondern die oberste von drei Kennzeichnungsstufen, mit denen 3M seit 2011 das Thinsulate-Programm am Etikett gliedert. Welches Material in einer Jacke mit Platinum-Anhänger tatsächlich steckt, hängt vom Typ ab, den der Konfektionär gewählt hat.

Diese Unterscheidung ist kein Wortklauben. Sie entscheidet darüber, ob die Zahlen, die man über Thinsulate liest, überhaupt auf das Stück in der Hand zutreffen — denn die einzelnen Typen unterscheiden sich erheblich.

2011Einführung der drei Kennzeichnungsstufen
≈15 µmFaserdurchmesser der Thinsulate-Mikrofasern
1,5 bis 4,4clo des Typs J nach ASTM F1868, 60 bis 250 g/m²
1979Markteinführung der ersten Thinsulate-Isolation

Platinum, Plus, Kern: was die drei Stufen trennt

3M ordnete sein Angebot 2011 neu und führte dafür drei Kennzeichnungen ein. Ganz unten steht die Kernstufe, erkennbar am schlichten schwarzen Anhänger, mit der Positionierung „Trusted Warmth": die klassische Alltagsware. Darüber steht Plus, am schwarzen Anhänger mit farbigem Rahmen, für Ausführungen mit Rezyklatanteil oder besonders geringem Auftrag. Platinum ist die oberste Stufe und war für hochwertige technische Oberbekleidung gedacht.

Infografik
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Isolation

Vlies, Büschel oder Kugeln

Synthetische Isolation kommt in drei Bauformen in die Jacke, und sie unterscheiden sich nicht im Material, sondern darin, wie es eingefüllt wird. Daran hängt, ob die Füllung verrutschen kann, wie sie sich packen lässt und wo sie dünne Stellen bekommt.

Durchgehendes Vlies

Eine zusammenhängende Matte

Querschnitt durch eine Isolationsschicht aus durchgehendem Vlies: Eine zusammenhängende Fasermatte füllt den Raum, in der Mitte drückt eine Steppnaht sie auf null zusammen. Steppnaht Fasermatte

Die Matte kann nicht verrutschen, braucht aber Steppnähte, um an ihrem Platz zu bleiben — und an jeder dieser Nähte ist die Füllhöhe null.

Im Gebrauch
Der Normalfall, günstig und formstabil

Lose Büschel

Wie Daune eingeblasen

Querschnitt durch eine Isolationsschicht aus losen Faserbüscheln: Viele einzelne Faserknäuel liegen nebeneinander und füllen den Raum ohne durchgehende Matte. einzelne Büschel

Einzelne Büschel werden wie Daune in Kammern geblasen. Keine Steppnähte, dafür braucht es Kammern — und die Büschel können sich darin verlagern.

Im Gebrauch
Jacken, die sich wie Daune anfühlen sollen

Gerollte Kugeln

Faserkügelchen mit Lücken

Querschnitt durch eine Isolationsschicht aus gerollten Faserkugeln: Rundliche Kügelchen liegen nebeneinander, zwischen ihnen bleiben deutliche Lücken. Lücken dazwischen

Die Kugeln lassen sich gut packen und federn wieder auf. Zwischen ihnen bleiben aber Lücken, die nichts dämmen — Volumen allein ist noch keine Wärme.

Im Gebrauch
Leichte, stark komprimierbare Jacken

Entscheidend ist nicht die Bauform, sondern wie gleichmäßig die Füllung am Ende liegt. Ein durchgestepptes Vlies hat kalkulierbare dünne Stellen an den Nähten; eingeblasene Büschel haben keine — bis sie sich nach ein paar Wäschen verlagert haben und die Jacke oben dicker ist als unten.

Mit KI-Unterstützung erstellt Schematische, nicht maßstabsgetreue Darstellung.

Was Platinum auszeichnet, sind nach Darstellung von 3M zusätzliche Funktionen über die reine Wärmedämmung hinaus: antimikrobielle Geruchskontrolle mit Silberfasern, silikonisierte Mikrofasern und elastomere Fasern, die dem Vlies Dehnbarkeit geben. Das ist der sachliche Kern hinter den Marketingworten — und es erklärt, warum ein Platinum-Produkt sich anders anfühlt als eine gewöhnliche Thinsulate-Wattierung, ohne deshalb automatisch wärmer zu sein.

Der Typ J: wasserabweisend, mit veröffentlichten Werten

Im Handel wird unter der Bezeichnung Thinsulate Platinum überwiegend der Typ J geführt, den 3M im eigenen Datenblatt nüchterner als „Water-Resistant Insulation" bezeichnet. Er besteht zu hundert Prozent aus Polyester und nutzt eine Mischung hydrophober Fasern. Die Einzelfaser nimmt nach Datenblatt weniger als ein Prozent ihres Gewichts an Wasser auf.

Zu diesem Typ veröffentlicht 3M eine vollständige Tabelle. Der Wärmedurchgangswiderstand wird nach ASTM F1868 gemessen, die Dicke nach ASTM D5736 bei einer Auflast von 0,014 Kilopascal.

TypFlächengewichtDickecloR-Wert
J6060 g/m²0,8 cm1,51,3
J8080 g/m²1,0 cm1,91,7
J100100 g/m²1,2 cm2,22,0
J120120 g/m²1,4 cm2,62,2
J150150 g/m²1,7 cm3,02,7
J200200 g/m²2,1 cm3,73,3
J250250 g/m²2,5 cm4,43,9

Diese Tabelle ist die nützlichste Zahl auf dieser Seite, weil sie die Frage beantwortet, die beim Jackenkauf wirklich zählt: Wie viel Wärme steckt in welcher Grammzahl? Ein J100 mit 2,2 clo trägt eine Übergangsjacke, ein J200 mit 3,7 clo ist Winterware. Was ein CLO-Wert aussagt, steht auf der eigenen Seite.

Wer zwei Modelle nebeneinanderlegt, sollte deshalb nicht nach dem Anhänger suchen, sondern nach der Typnummer. Bei einer Winterjacke macht der Sprung von J150 auf J250 genau 1,4 clo aus — mehr, als die gesamte Ausstattung mit Kapuze, Bündchen und Sturmleiste zusammen beitragen kann.

Typ C gegen Typ J: dünn oder leicht

Das ursprüngliche Thinsulate, im Datenblatt Typ C, besteht aus 65 Prozent Olefin und 35 Prozent Polyester und ist auf etwas anderes gerechnet. Nebeneinandergelegt wird der Unterschied greifbar.

Vergleich bei rund 100 g/m²Typ C (Original)Typ J (Platinum)
Flächengewicht105 g/m²100 g/m²
Dicke0,70 cm1,2 cm
Wärmewiderstand1,3 clo2,2 clo
Zusammensetzung65 % Olefin, 35 % Polyester100 % Polyester

Bei fast gleichem Gewicht liefert der Typ J deutlich mehr Wärme — er baut dafür aber auch beinahe doppelt so viel Dicke auf. Der Typ C ist das wärmere Material je Millimeter, der Typ J das wärmere je Gramm. Genau darin liegt die ursprüngliche Idee von Thinsulate: Der Name ist aus „thin" und „insulate" zusammengesetzt, die Marke kam 1979 auf den Markt, und ihr Versprechen war Wärme ohne Auftrag — für Handschuhe, Wanderschuhe und eng geschnittene Kleidung, wo kein Platz für Volumen ist.

Warum 15 Mikrometer feine Fasern mehr dämmen

Die Thinsulate-Fasern haben einen Durchmesser von rund fünfzehn Mikrometern und sind damit deutlich dünner als die Polyesterfasern, die sonst für Wattierungen verwendet werden. Der physikalische Mechanismus dahinter ist derselbe wie bei allen Mikrofaserisolationen: Dämmwirkung entsteht nicht aus dem Material, sondern aus der ruhenden Luft darin, und ruhend bleibt Luft nur, wenn ihre Bewegungswege kurz sind.

Je feiner die Faser, desto mehr Fasern passen in dasselbe Gewicht und desto dichter steht das Hindernisnetz. Zusätzlich blockieren die feinen Fasern einen Teil der Wärmestrahlung, die bei groben Vliesen ungehindert durchgeht — 3M nennt diese Strahlungsbremse im Datenblatt zum Typ C ausdrücklich als Wirkmechanismus. Deshalb kann Thinsulate bei geringer Dicke mehr leisten als ein voluminöses Vlies gleicher Stärke.

Steppabstand, Oberstoff, Wäsche: was 3M vorschreibt

3M macht für den Typ J eine Vorgabe, die man beim Jackenkauf prüfen kann: Steppabstände unter vier Zoll werden ausdrücklich nicht empfohlen, weil sie Wärme kosten; empfohlen sind Kanalsteppungen von vier bis sieben Zoll, also etwa zehn bis achtzehn Zentimetern. Der Grund ist derselbe wie bei jeder Isolation: Jede Naht drückt das Vlies auf null und ist eine Kältebrücke.

Bei dünnen oder beschichteten Oberstoffen verlangt 3M eine Zwischenlage, damit keine Fasern durch das Gewebe wandern; mit einer Fadendichte unter 190 Fäden je Zoll ist Faserwanderung zu erwarten. Für Handschuhe schreibt der Hersteller eine Trikot- oder Scrimlage zwischen Isolation und Außenmaterial sogar zwingend vor. Eine isolierte Hardshelljacke ist für die Füllung ebenfalls ungünstig: Wasserdichte Oberstoffe verringern die Haltbarkeit, weil die Reibung höher ist und beim Waschen kein Wasser durchgespült werden kann.

Gewaschen wird der Typ J bei vierzig Grad im Schonwaschgang, getrocknet im Trockner bei niedriger Temperatur. Chemische Reinigung ist zwar für manche Ausführungen zugelassen, kann nach Herstellerangabe aber den Bausch verringern — ein Hinweis, der in der Praxis gern übersehen wird. Dampfbügeln ist in jedem Fall ausgeschlossen. Ausführungen des Typs J sind in bluesign-zertifizierter Form erhältlich und nach OEKO-TEX Standard 100 in der Produktklasse 1 geprüft.

Wie man die Tabelle für eine Kaufentscheidung nutzt

Der clo-Wert aus dem Datenblatt gilt für die Isolation allein, gemessen zwischen beheizter Platte und Umgebung — ohne Oberstoff, ohne Wind und ohne die ruhende Luftschicht an der Körperoberfläche. Eine Temperaturangabe folgt daraus nicht; was ein Mensch braucht, hängt von der Summe aller Lagen, vom Wind und vor allem davon ab, wie viel Wärme er selbst gerade erzeugt. Beim Gehen liegt die eigene Wärmeproduktion bei einem Mehrfachen des Ruheumsatzes, und genau deshalb ist eine Winterjacke im Aufstieg fast immer zu warm.

Nützlich ist die Tabelle deshalb nicht für die absolute Vorhersage, sondern für den Vergleich. Sie beantwortet die Frage, die beim Nebeneinanderlegen zweier Jacken wirklich zählt: Welche Grammzahl bringt wie viel Wärme — und was kostet es, von J150 auf J200 zu gehen? Hier sind es 0,7 clo für 50 Gramm je Quadratmeter zusätzliches Gewicht und 0,4 Zentimeter mehr Auftrag.

Der Vergleich zwischen zwei verschiedenen Marken gelingt mit diesen Zahlen allerdings nur bedingt, weil die Prüfverfahren auseinandergehen. 3M misst hier nach ASTM F1868 und beim Daunenersatz FL600 nach ASTM C518; Händlerdatenblätter zu PrimaLoft und Climashield geben clo je Unze und Quadratyard an, was eine andere Bezugsgröße ist. Dass Zahlen gleich aussehen, heißt nicht, dass sie dasselbe messen — ein Grund mehr, auf das genannte Verfahren zu achten.

Wofür Thinsulate heute noch der Maßstab ist

Thinsulate ist in Handschuhen, Winterschuhen und Arbeitskleidung nach wie vor der Maßstab, weil es dort auf Wärme bei minimalem Auftrag ankommt. In der leichten Outdoor-Isolationsjacke hat es gegenüber den Mikrofaservliesen der Konkurrenz an Boden verloren: PrimaLoft Gold ist auf das beste Verhältnis von Wärme zu Gewicht gerechnet, Thinsulate auf das beste Verhältnis von Wärme zu Dicke. Wer eine Alternative zur Daunenjacke mit möglichst wenig Gramm sucht, greift zur ersten Gattung.

Für den federfreien Daunenersatz hat 3M ein eigenes Produkt im Programm: Thinsulate featherless ist eine lose Schüttung statt eines Vlieses und baut deutlich mehr Volumen auf. Es gehört zur selben Markenfamilie und folgt einer anderen Konstruktionslogik — ein weiterer Grund, auf die Typbezeichnung und nicht auf den Markennamen zu schauen.

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