Elasthan: die Stretchfaser hinter Lycra und Spandex
Fasern & Garne Redaktion Outdoorberater Stand 10/2026
Elasthan ist die Faser, die für Dehnbarkeit sorgt. Sie taucht in Materialangaben fast nie allein auf, sondern als kleiner Zusatz: „88 % Polyamid, 12 % Elasthan" auf der Softshellhose, „5 % Elasthan" am Baselayer. Chemisch ist sie ein elastomeres Polyurethan-Blockcopolymer, dessen Hauptbestandteil zu mindestens 85 Gewichtsprozent aus segmentiertem Polyurethan besteht.
„Segmentiert" ist dabei der entscheidende Begriff: Im Polymer wechseln sich harte und weiche Abschnitte ab. Die harten Segmente halten das Molekülgerüst zusammen und geben die Form vor, die weichen lassen sich strecken. Zieht man an der Faser, entfalten sich die weichen Bereiche; lässt man los, ziehen die harten sie wieder zusammen.
Warum so wenig so viel bewirkt
Die Dehnbarkeit eines Elasthanfadens liegt bei 500 bis 700 Prozent der Ausgangslänge, bei nahezu vollständiger Rückstellung. Ein Gewebe muss sich aber nur um einige Dutzend Prozent dehnen, um bequem zu sein. Deshalb genügen kleine Anteile: Wenige Prozent Elasthan, als dünner Faden mitgeführt oder von anderen Fasern umwunden, machen einen ganzen Stoff beweglich.
Die Lage im Garn entscheidet dabei mit. Liegt das Elasthan als Kern in einer Hülle aus anderen Fasern, bleibt es vor Licht und Reibung geschützt und berührt die Haut nicht — die Konstruktion heißt Corespun und ist unter Corespun und NuYarn beschrieben.

Zwei Oberflächen aus einem Gestrick
Manche Funktionsstoffe haben außen und innen völlig verschiedene Oberflächen — und sind trotzdem nicht zusammengesetzt. Sie werden in einem Arbeitsgang gestrickt, mit zwei Nadelbetten und zwei verschiedenen Garnen.

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Außen glatt und dicht
Die äußere Fläche bremst Wind, verteilt Abrieb und lässt sich beschichten. Sie bestimmt, wie der Stoff aussieht und wie schnell er verschleißt.
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Innen aufgeraut und weich
Der kurze Flor hält Luft und nimmt Feuchtigkeit von der Haut auf. Er bestimmt, wie sich der Stoff anfühlt und wie warm er ist.
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Keine Klebung, keine Naht
Weil es ein Gestrick ist, kann sich nichts lösen oder delaminieren. Das ist der entscheidende Vorteil gegenüber einem verklebten Verbund aus zwei Lagen.
Daraus folgt die Dehnbarkeit: Ein Gestrick gibt in alle Richtungen nach, ein verklebter Verbund nicht. Deshalb finden sich solche Stoffe überall dort, wo sich der Stoff mitbewegen muss — an Kniepartien, unter den Armen, an ganzen Softshelljacken.

Die Schwachstelle: Elasthan altert zuerst
In einem Mischgewebe ist Elasthan fast immer der Bestandteil, der zuerst aufgibt. Es reagiert empfindlich auf Hitze, auf Chlor und auf einige Öle; hohe Waschtemperaturen und der Trockner setzen ihm zu. Verliert es seine Rückstellkraft, bleibt der Stoff ausgebeult, obwohl die anderen Fasern intakt sind — das ausgeleierte Knie der Softshellhose ist der typische Fall.
Abgrenzung: Elasthan, mechanischer Stretch, Softshell
Nicht jede Dehnbarkeit kommt von Elasthan. Maschenware dehnt sich durch ihre Schlingenstruktur, auch ganz ohne elastische Faser; Gewebe können über eine Köperbindung oder durch texturierte Garne etwas Nachgiebigkeit bekommen. Fachlich heißt das mechanischer Stretch, und er altert nicht auf dieselbe Weise.
Und eine Softshell ist nicht wegen des Elasthans eine Softshell — sie ist es wegen ihres Aufbaus aus mehreren Schichten. Das Elasthan ist das, was sie beweglich macht; es ersetzt weder den Windschutz noch die wasserabweisende Ausrüstung.
Verwandt, aber verschieden ist das Polyurethan in Membranen und Beschichtungen: derselbe Werkstoffstamm, andere Aufgabe. Dort geht es um Dichtigkeit und Dampfdurchlass, hier um Rückstellkraft.

