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Ripstop: das Verstärkungsgitter gegen Risse

Gewebe & Verarbeitung Redaktion Outdoorberater Stand 10/2026

Ripstop — wörtlich „Riss-Stopp" — ist das feine Karomuster, das auf Zeltstoffen, Daunenjacken und leichten Rucksäcken zu sehen ist. Es entsteht nicht durch Färbung, sondern durch die Konstruktion: In regelmäßigen Abständen wird ein dickerer oder reißfesterer Faden mit eingewebt, in Kett- und in Schussrichtung. Dadurch überzieht ein Gitter aus Verstärkungsfäden die Fläche.

Der Zweck folgt aus dem Verhalten eines Risses. Reißt ein Gewebe ein, wandert der Riss entlang der Fäden weiter, weil die Spannung sich an seiner Spitze konzentriert. Trifft er auf einen deutlich festeren Faden, hält dieser die Spannung aus — der Riss bleibt stehen. Der Schaden bleibt damit auf ein Karo begrenzt, statt über die halbe Zeltbahn zu laufen.

GitterVerstärkungsfäden in Kette und Schuss
ein Karodie Strecke, auf die ein Riss begrenzt wird
keine BindungRipstop ist in jede Grundbindung einlegbar
keine Normes gibt keine Prüfvorschrift für den Begriff

Was Ripstop nicht ist

Es ist keine vierte Grundbindung. Das Gitter wird in eine vorhandene Bindung eingelegt, meist in eine Leinwandbindung; die Verstärkungsfäden laufen im selben Muster wie die anderen, sind nur dicker. Deshalb sagt „Ripstop" nichts darüber, wie der Stoff sonst gewebt ist.

Infografik
Outdoor Beratung und Ratgeber
Gewebe

Wie Kette und Schuss sich kreuzen

Zwei Stoffe aus demselben Garn und mit demselben Flächengewicht können sich völlig verschieden verhalten. Der Grund ist die Bindung — das Muster, nach dem die Fäden einander kreuzen. Je häufiger sie das tun, desto fester und steifer wird der Stoff.

Leinwandbindung

Dichteste Verkreuzung

Makroaufnahme einer Leinwandbindung: Jeder waagerechte Faden läuft abwechselnd über und unter den senkrechten, es entsteht ein gleichmäßiges Schachbrettmuster aus Kreuzungspunkten. Kreuzung bei jedem Faden

Jeder Schussfaden wechselt bei jedem Kettfaden die Seite. Mehr Kreuzungspunkte gehen nicht — daher die Festigkeit und daher die Steifigkeit.

Typisch für
Taft, Innenzelt, Futter, die meisten Ripstop-Stoffe

Köperbindung

Schrägrippe

Makroaufnahme einer Köperbindung: Der Kreuzungspunkt wandert in jeder Reihe seitlich weiter, dadurch zieht sich eine diagonale Rippe über die Fläche. diagonale Rippe

Der Kreuzungspunkt wandert je Reihe seitlich weiter. Weniger Kreuzungen bedeuten weicheren Fall — und erlauben, dichter zu weben.

Typisch für
Trekkinghosen, robuste Oberstoffe

Atlasbindung

Lange Flottungen

Makroaufnahme einer Atlasbindung: Die Fäden überspannen mehrere andere frei, die wenigen Kreuzungspunkte liegen verstreut, die Oberfläche wirkt glatt und geschlossen. lange Flottung

Wenige Kreuzungspunkte, lange frei überspannte Strecken. Eine Seite zeigt fast nur Kette — deshalb der Glanz und die geringe Reibung.

Typisch für
Gleitfutter, glatte Innenseiten

Ripstop

Keine Bindung, ein Gitter

Makroaufnahme eines Ripstop-Gewebes: In eine feine Leinwandbindung sind in regelmäßigen Abständen deutlich dickere Fäden eingewebt, die ein grobes Gitter aus Quadraten bilden. dickerer Faden

Alle paar Millimeter läuft ein dickerer Faden mit. Ein Riss läuft bis zum nächsten dieser Fäden und bleibt dort stehen.

Typisch für
Zeltbahnen, Daunenjacken, leichte Rucksäcke

Ripstop ist keine vierte Grundbindung. Das Gitter wird in eine vorhandene Bindung eingelegt, meist in eine Leinwandbindung — deshalb sagt die Angabe „Ripstop" nichts darüber, wie der Stoff sonst gewebt ist, und auch nichts über seine Reißfestigkeit. Ein Ripstop aus schwachem Garn bleibt schwach; der Riss bleibt nur kleiner.

Mit KI-Unterstützung erstellt Schematische, nicht maßstabsgetreue Darstellung.
Mehr dazu: Ripstop · Taft · Denier

Schließlich ist es keine genormte Eigenschaft. Es gibt keine Prüfvorschrift, die festlegt, ab welchem Abstand oder welcher Fadenstärke ein Gewebe „Ripstop" heißen darf. Die Karogröße reicht in der Praxis von wenigen Millimetern bei ultraleichten Stoffen bis zu etwa einem Zentimeter — enger heißt mehr Verstärkung, aber auch mehr Gewicht und steiferen Griff.

Woran man die Qualität trotzdem erkennt

Drei Dinge lassen sich ohne Prüfgerät beurteilen. Erstens die Regelmäßigkeit des Gitters: Ungleichmäßige Abstände deuten auf eine nachlässige Webeinstellung. Zweitens die Stärke des Unterschieds — ein Verstärkungsfaden, der sich kaum vom Grundgewebe abhebt, bringt auch wenig. Drittens, ob die Verstärkung in beide Richtungen läuft: Ein Gitter nur in Kettrichtung stoppt nur Risse quer dazu.

Bei den Materialien dominiert Polyamid, weil es bei gleichem Gewicht reißfester ist als Polyester — besonders bei den sehr leichten Geweben zwischen 7D und 30D, bei denen ein einzelner Riss sonst das ganze Teil unbrauchbar machen würde. An Zelten findet sich Ripstop meist in Kombination mit einer Beschichtung, denn das Muster allein macht nichts dicht.

Der häufigste Irrtum beim Kauf ist, aus dem sichtbaren Karo auf Robustheit zu schließen. Gerade bei den leichtesten Stoffen ist Ripstop ein Hinweis auf das Gegenteil: Es wird dort eingesetzt, wo das Grundgewebe so dünn ist, dass ein Riss sonst nicht zu halten wäre.

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