Zum Inhalt springen

Denier: die Fadenstärke hinter 210D und 420D

Gewebe & Verarbeitung Redaktion Outdoorberater Stand 09/2026

9.000 mBezugslänge für ein Gramm
× 10/9Umrechnung von Denier in dtex
467 dtexentspricht der Angabe 420D

Die Zahl steht auf fast jedem Datenblatt: 210D am Innenzelt, 420D am Rucksackboden, 630D an der Gepäcktasche. Sie stammt aus der Seidenweberei und beschreibt die längenbezogene Masse eines Fadens, im Fachdeutsch Titer oder Feinheit genannt. Ein Denier ist ein Gramm je 9.000 Meter — die historische Bezugslänge geht darauf zurück, dass ein 9.000 Meter langer Seidenfaden ungefähr ein Gramm wiegt.

Praktisch heißt das: Je höher die Zahl, desto dicker und schwerer der einzelne Faden. Ein 630D-Gewebe bringt bei gleicher Bindung mehr Material auf die Fläche als ein 210D-Gewebe, ist also meist robuster — aber auch schwerer und steifer. Der Umkehrschluss trägt nicht. Denier sagt nichts über die Faser selbst aus: 420D Polyamid und 420D Polyester haben denselben Titer und deutlich unterschiedliche Reißfestigkeit.

Umrechnung in dtex

Der Handel nennt Denier, die Textilindustrie rechnet in Dezitex. Beide Angaben beschreiben dieselbe Größe, nur mit anderer Bezugslänge: dtex ist die Masse in Gramm je 10.000 Meter.

1 den = 1 g / 9.000 m
1 dtex = 1 g / 10.000 m
dtex = den × 10 ÷ 9
Beispiel: 420 den × 10 ÷ 9 = 466,7 dtex

Abgrenzung: was Denier nicht misst

Denier ist eine Massenangabe, keine Festigkeitsangabe. Wie reißfest oder abriebfest ein Gewebe ist, hängt zusätzlich an Rohstoff, Garnkonstruktion, Bindung und Ausrüstung — deshalb erreicht ein 210D-Gewebe aus hochfestem Polyamid mehr als ein 600D-Gewebe aus Standardpolyester. Marken wie Cordura nennen die Denierzahl deshalb immer zusammen mit der Garnart.

Infografik
Outdoor Beratung und Ratgeber
Gewebe

Wie Kette und Schuss sich kreuzen

Zwei Stoffe aus demselben Garn und mit demselben Flächengewicht können sich völlig verschieden verhalten. Der Grund ist die Bindung — das Muster, nach dem die Fäden einander kreuzen. Je häufiger sie das tun, desto fester und steifer wird der Stoff.

Leinwandbindung

Dichteste Verkreuzung

Makroaufnahme einer Leinwandbindung: Jeder waagerechte Faden läuft abwechselnd über und unter den senkrechten, es entsteht ein gleichmäßiges Schachbrettmuster aus Kreuzungspunkten. Kreuzung bei jedem Faden

Jeder Schussfaden wechselt bei jedem Kettfaden die Seite. Mehr Kreuzungspunkte gehen nicht — daher die Festigkeit und daher die Steifigkeit.

Typisch für
Taft, Innenzelt, Futter, die meisten Ripstop-Stoffe

Köperbindung

Schrägrippe

Makroaufnahme einer Köperbindung: Der Kreuzungspunkt wandert in jeder Reihe seitlich weiter, dadurch zieht sich eine diagonale Rippe über die Fläche. diagonale Rippe

Der Kreuzungspunkt wandert je Reihe seitlich weiter. Weniger Kreuzungen bedeuten weicheren Fall — und erlauben, dichter zu weben.

Typisch für
Trekkinghosen, robuste Oberstoffe

Atlasbindung

Lange Flottungen

Makroaufnahme einer Atlasbindung: Die Fäden überspannen mehrere andere frei, die wenigen Kreuzungspunkte liegen verstreut, die Oberfläche wirkt glatt und geschlossen. lange Flottung

Wenige Kreuzungspunkte, lange frei überspannte Strecken. Eine Seite zeigt fast nur Kette — deshalb der Glanz und die geringe Reibung.

Typisch für
Gleitfutter, glatte Innenseiten

Ripstop

Keine Bindung, ein Gitter

Makroaufnahme eines Ripstop-Gewebes: In eine feine Leinwandbindung sind in regelmäßigen Abständen deutlich dickere Fäden eingewebt, die ein grobes Gitter aus Quadraten bilden. dickerer Faden

Alle paar Millimeter läuft ein dickerer Faden mit. Ein Riss läuft bis zum nächsten dieser Fäden und bleibt dort stehen.

Typisch für
Zeltbahnen, Daunenjacken, leichte Rucksäcke

Ripstop ist keine vierte Grundbindung. Das Gitter wird in eine vorhandene Bindung eingelegt, meist in eine Leinwandbindung — deshalb sagt die Angabe „Ripstop" nichts darüber, wie der Stoff sonst gewebt ist, und auch nichts über seine Reißfestigkeit. Ein Ripstop aus schwachem Garn bleibt schwach; der Riss bleibt nur kleiner.

Mit KI-Unterstützung erstellt Schematische, nicht maßstabsgetreue Darstellung.
Mehr dazu: Ripstop · Taft · Denier

Ebenso wenig folgt aus der Zahl eine Aussage über Wasserdichtigkeit: Die hängt an der Beschichtung, nicht am Titer. Und schließlich ist Denier in Deutschland keine gesetzliche Einheit. Die Einheitenverordnung führt für die längenbezogene Masse von textilen Fasern und Garnen ausschließlich das tex; Denier steht dort nicht. Im Handel bleibt die Angabe trotzdem üblich, weil sie sich als Produktbezeichnung eingebürgert hat.

Inhalt

Gefällt dir, was du hier liest?

Teilen-Bild zu Denier (den): was die Zahl auf Rucksack und Zelt bedeutet

Gefällt dir, was du hier liest?

Wir stecken viel Arbeit in outdoorberater.de — gemessene Angaben statt Werbesprüche, keine Bezahlschranke, keine Werbeflut. Wenn dir das hilft, ist Weiterempfehlen die schönste Art, Danke zu sagen. Jedes Teilen hilft anderen, uns zu finden, und hält das Projekt am Leben.

Zurück zum Seitenanfang