ISO 15496: MVTR-Messung mit Kaliumacetat und Doppelmembran
Messwerte & Normen Redaktion Outdoorberater Stand 10/2026
ISO 15496 ist eines von drei Becherverfahren, mit denen die Wasserdampfdurchlässigkeit von Textilien gemessen wird — die Zahl, die als MVTR-Wert auf Datenblättern steht. Es ist das Verfahren, das im europäischen Normenraum am häufigsten herangezogen wird.
Der Aufbau: Ein Becher wird mit einem flüssigen Trockenmittel gefüllt — einer gesättigten Kaliumacetatlösung —, mit der Probe verschlossen und umgekehrt über eine Wasseroberfläche gehalten. Die Lösung zieht Wasserdampf an; gemessen wird die Massenzunahme über die Zeit.
Warum die Doppelmembran
Die Besonderheit dieses Verfahrens ist die Doppelmembran-Anordnung: Zwischen Trockenmittel und Prüfling liegt eine zusätzliche, bekannte Membran. Dadurch ist das Verfahren sowohl für wasserdurchlässige als auch für wasserundurchlässige Stoffe anwendbar, während die anderen Becherverfahren je nach Material zwischen aufrechter und umgekehrter Lage wechseln müssen.

Welcher Test welche Frage beantwortet
Hinter jeder Zahl auf einem Etikett steht ein Prüfaufbau. Wer ihn kennt, versteht, was die Zahl aussagt — und was nicht. Fünf Verfahren decken den größten Teil dessen ab, was an Outdoortextilien gemessen wird.
Becherverfahren
Wasserdampfdurchlässigkeit

Ein Becher Wasser wird mit dem Prüfling verschlossen und gewogen. Was an Masse verschwindet, ist als Dampf durch den Stoff gegangen.
- Die Frage dahinter
- Wie viel Dampf kommt in einer bestimmten Zeit durch?
Spray-Test
Oberflächenbenetzung

Wasser wird aus fester Höhe auf den schräg gespannten Prüfling gesprüht. Benotet wird, wie viel davon abperlt und wie viel haften bleibt.
- Die Frage dahinter
- Wirkt die Imprägnierung noch?
Bundesmann
Beregnung von oben

Künstlicher Regen fällt über längere Zeit auf vier Prüflinge. Gemessen wird, wie viel Wasser durchkommt und wie viel der Stoff aufnimmt.
- Die Frage dahinter
- Was passiert im Dauerregen?
Martindale
Scheuerfestigkeit

Ein belasteter Prüfkopf reibt in festgelegten Bahnen über den Stoff. Gezählt wird, wie viele Touren bis zum ersten Fadenbruch vergehen.
- Die Frage dahinter
- Wie lange hält der Stoff Reibung aus?
Weiterreißversuch
Reißfestigkeit

Ein eingeschnittener Streifen wird auseinandergezogen. Gemessen wird die Kraft, die nötig ist, damit der Riss weiterläuft.
- Die Frage dahinter
- Was passiert, wenn der Stoff erst einmal ein Loch hat?
Keine dieser Zahlen beschreibt die Jacke als Ganzes. Ein Stoff mit hoher Scheuerfestigkeit kann an der Naht reißen, einer mit guter Dampfdurchlässigkeit im Regen durchnässen. Die Verfahren prüfen den Stoff — nicht die Verarbeitung, und schon gar nicht die Passform.

Die Kaliumacetatlösung wird dabei aus 35 Gewichtsteilen Kaliumacetat auf 15 Teile destilliertes Wasser angesetzt und erzeugt an der Probenoberfläche eine relative Feuchte von rund 23 Prozent. Dieses starke Gefälle ist der Antrieb der Messung.
Die Zahl gilt nur innerhalb dieses Verfahrens
Entscheidend für den Umgang mit MVTR-Angaben ist, dass die drei Verfahren unter verschiedenen Bedingungen arbeiten:
Abgrenzung: Becher gegen Hautmodell
Alle Becherverfahren teilen eine grundsätzliche Eigenschaft: Der Stoff liegt über einem Behälter, nicht an einer warmen, feuchten Haut. Das unterscheidet sie vom Hautmodell nach ISO 11092, das eine beheizte, schwitzende Platte verwendet und als Ergebnis keinen Durchsatz, sondern einen Widerstand liefert — den RET-Wert in m²Pa/W.
Das ist der Grund, warum der RET-Wert als die aussagekräftigere Größe gilt: Er bildet die Situation nach, in der ein Kleidungsstück tatsächlich arbeitet. Die Becherverfahren sind einfacher, schneller und billiger — und liefern die größeren, werbewirksameren Zahlen.

