ISO 12947: Martindale-Scheuertouren für Abriebfestigkeit
Messwerte & Normen Redaktion Outdoorberater Stand 10/2026
ISO 12947 ist die Prüfvorschrift, aus der die Angabe „Martindale-Touren" stammt — die Zahl, die ein Datenblatt hinter das Wort abriebfest setzt. Teil 1 beschreibt das Prüfgerät, Teil 2 die Bestimmung des Probenbruchs.
Der Aufbau: Eine kreisrunde Probe wird unter definiertem Auflagedruck gegen ein genormtes Reibgewebe geführt, und zwar auf einer Lissajous-Bahn — einer Figur, die sich von einem Kreis über eine Ellipse zu einer Linie verengt und wieder öffnet. Dadurch wird die Probe aus allen Richtungen beansprucht, Kett- und Schussfäden gleichmäßig.
Was eine „Tour" eigentlich ist
Die wichtigste Einzelheit steckt in der Zählweise: Eine Scheuertour ist nicht eine Reibbewegung, sondern 16. Sie setzt sich aus 16 Umdrehungen der beiden äußeren Antriebe und 15 des inneren zusammen — erst dieses Verhältnis erzeugt die vollständige Lissajous-Figur.

Welcher Test welche Frage beantwortet
Hinter jeder Zahl auf einem Etikett steht ein Prüfaufbau. Wer ihn kennt, versteht, was die Zahl aussagt — und was nicht. Fünf Verfahren decken den größten Teil dessen ab, was an Outdoortextilien gemessen wird.
Becherverfahren
Wasserdampfdurchlässigkeit

Ein Becher Wasser wird mit dem Prüfling verschlossen und gewogen. Was an Masse verschwindet, ist als Dampf durch den Stoff gegangen.
- Die Frage dahinter
- Wie viel Dampf kommt in einer bestimmten Zeit durch?
Spray-Test
Oberflächenbenetzung

Wasser wird aus fester Höhe auf den schräg gespannten Prüfling gesprüht. Benotet wird, wie viel davon abperlt und wie viel haften bleibt.
- Die Frage dahinter
- Wirkt die Imprägnierung noch?
Bundesmann
Beregnung von oben

Künstlicher Regen fällt über längere Zeit auf vier Prüflinge. Gemessen wird, wie viel Wasser durchkommt und wie viel der Stoff aufnimmt.
- Die Frage dahinter
- Was passiert im Dauerregen?
Martindale
Scheuerfestigkeit

Ein belasteter Prüfkopf reibt in festgelegten Bahnen über den Stoff. Gezählt wird, wie viele Touren bis zum ersten Fadenbruch vergehen.
- Die Frage dahinter
- Wie lange hält der Stoff Reibung aus?
Weiterreißversuch
Reißfestigkeit

Ein eingeschnittener Streifen wird auseinandergezogen. Gemessen wird die Kraft, die nötig ist, damit der Riss weiterläuft.
- Die Frage dahinter
- Was passiert, wenn der Stoff erst einmal ein Loch hat?
Keine dieser Zahlen beschreibt die Jacke als Ganzes. Ein Stoff mit hoher Scheuerfestigkeit kann an der Naht reißen, einer mit guter Dampfdurchlässigkeit im Regen durchnässen. Die Verfahren prüfen den Stoff — nicht die Verarbeitung, und schon gar nicht die Passform.

Eine Angabe von 25.000 Touren bedeutet damit 400.000 einzelne Reibbewegungen. Das macht die Größenordnung der Zahlen verständlich und erklärt zugleich, warum sie sich nicht in Tragetage umrechnen lassen.
Die Zielwerte kommen aus dem Möbelhaus
Die geläufigen Schwellen stammen aus dem Bereich der Polsterstoffe: Für Wohnmöbel gelten etwa 15.000 bis 25.000 Touren als üblich, für Objektmöbel 30.000 bis über 50.000 bei einem Prüfdruck von 12 kPa.
Was die Prüfung noch liefert
Dieselbe Maschine wird mit anderer Gegenfläche und anderer Auswertung für die Pilling-Prüfung nach ISO 12945-2 verwendet. Das ist der Grund, warum beide Angaben oft nebeneinanderstehen und leicht verwechselt werden: Die Scheuerprüfung nennt eine Tourenzahl bis zum Fadenbruch, die Pillingprüfung eine Note von 1 bis 5 für das Aussehen.
Für Outdoorgewebe sind daneben zwei andere Größen oft aussagekräftiger: die Weiterreißfestigkeit nach ISO 4674, weil Schäden draußen meist als Riss und nicht als Durchscheuern beginnen, und die Höchstzugkraft nach ISO 13934.

