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ISO 13934: Reißfestigkeit von Geweben in Newton

Messwerte & Normen Redaktion Outdoorberater Stand 10/2026

ISO 13934 bestimmt die Zugeigenschaften von Geweben: die Höchstzugkraft und die Dehnung, bei der diese Kraft erreicht wird. Teil 1 beschreibt dafür den Streifenzugversuch, der in der Praxis das Standardverfahren ist.

Der Ablauf ist denkbar einfach und genau deshalb aussagekräftig: Ein Gewebestreifen festgelegter Breite wird zwischen zwei Klemmen gespannt und mit gleichbleibender Dehngeschwindigkeit auseinandergezogen, bis er reißt. Aufgezeichnet wird der Kraftverlauf; als Ergebnis gilt die größte dabei erreichte Kraft, angegeben in Newton.

NewtonEinheit der Höchstzugkraft
Streifengeprüft wird ein Gewebestreifen fester Breite
konstantdie Dehngeschwindigkeit der Prüfmaschine
getrenntKette und Schuss werden einzeln geprüft

Zwei Werte, nicht einer

Ein Gewebe ist nicht in allen Richtungen gleich fest. Kettfäden laufen in Produktionsrichtung und sind beim Weben stärker gespannt als die quer eingetragenen Schussfäden; dazu kommen Unterschiede im verwendeten Garn. Die Prüfung liefert deshalb zwei Werte — einen für Kett-, einen für Schussrichtung —, und beide gehören in eine vollständige Angabe.

Infografik
Outdoor Beratung und Ratgeber
Prüfverfahren

Welcher Test welche Frage beantwortet

Hinter jeder Zahl auf einem Etikett steht ein Prüfaufbau. Wer ihn kennt, versteht, was die Zahl aussagt — und was nicht. Fünf Verfahren decken den größten Teil dessen ab, was an Outdoortextilien gemessen wird.

Becherverfahren

Wasserdampfdurchlässigkeit

Laborbecher mit Wasser, über dessen Öffnung ein Stück Stoff straff gespannt ist; im Luftraum darunter steigen Dampfschwaden zum Stoff auf. Stoff gespannt

Ein Becher Wasser wird mit dem Prüfling verschlossen und gewogen. Was an Masse verschwindet, ist als Dampf durch den Stoff gegangen.

Die Frage dahinter
Wie viel Dampf kommt in einer bestimmten Zeit durch?

Spray-Test

Oberflächenbenetzung

Schräg eingespannter Stoff unter einem Sprühkopf: Feine Tropfen fallen darauf, auf der Oberfläche perlen sie ab und laufen an der Unterkante über die Kante. 45 Grad geneigt

Wasser wird aus fester Höhe auf den schräg gespannten Prüfling gesprüht. Benotet wird, wie viel davon abperlt und wie viel haften bleibt.

Die Frage dahinter
Wirkt die Imprägnierung noch?

Bundesmann

Beregnung von oben

Beregnungsprüfgerät: Aus einer Düsenplatte fallen Tropfen gleichmäßig auf vier mit Stoff bespannte Becher darunter. Düsen

Künstlicher Regen fällt über längere Zeit auf vier Prüflinge. Gemessen wird, wie viel Wasser durchkommt und wie viel der Stoff aufnimmt.

Die Frage dahinter
Was passiert im Dauerregen?

Martindale

Scheuerfestigkeit

Scheuerprüfkopf auf einem eingespannten Stoff: Unter dem belasteten Kopf ist eine kreisrunde abgescheuerte Stelle zu sehen, an der das Gewebe bereits durchgerieben ist. abgescheuert

Ein belasteter Prüfkopf reibt in festgelegten Bahnen über den Stoff. Gezählt wird, wie viele Touren bis zum ersten Fadenbruch vergehen.

Die Frage dahinter
Wie lange hält der Stoff Reibung aus?

Weiterreißversuch

Reißfestigkeit

Senkrecht eingespannter Stoffstreifen zwischen zwei Klemmen: Von der Unterkante läuft ein Einschnitt hinein, an dessen Spitze einzelne Fäden durchtrennt sind und ausgefranst abstehen. Rissspitze

Ein eingeschnittener Streifen wird auseinandergezogen. Gemessen wird die Kraft, die nötig ist, damit der Riss weiterläuft.

Die Frage dahinter
Was passiert, wenn der Stoff erst einmal ein Loch hat?

Keine dieser Zahlen beschreibt die Jacke als Ganzes. Ein Stoff mit hoher Scheuerfestigkeit kann an der Naht reißen, einer mit guter Dampfdurchlässigkeit im Regen durchnässen. Die Verfahren prüfen den Stoff — nicht die Verarbeitung, und schon gar nicht die Passform.

Mit KI-Unterstützung erstellt Schematische, nicht maßstabsgetreue Darstellung.

Die mitgemessene Dehnung bei Höchstzugkraft ist die zweite Hälfte der Aussage. Zwei Gewebe können dieselbe Höchstkraft erreichen und sich völlig verschieden anfühlen: Das eine gibt vorher weit nach, das andere reißt fast ohne Vorwarnung. Für Zeltbahnen und Gurtband ist diese Unterscheidung wichtiger als die Kraft allein.

Warum sie für Outdoorstoffe oft die falsche Frage beantwortet

Der Zugversuch belastet den unbeschädigten Streifen über seine ganze Breite. So versagen Outdoorstoffe aber selten. Was draußen passiert, ist fast immer ein Weiterreißen: Ein kleiner Schaden entsteht — ein Dorn, eine Steigeisenzacke, ein Funke —, und von dort läuft der Riss weiter.

Dafür ist die Weiterreißfestigkeit nach ISO 4674 die passende Größe. Sie misst genau diesen Fall und liefert deutlich kleinere Zahlen, weil sich die Kraft an der Rissspitze konzentriert, statt sich über die Breite zu verteilen.

Abgrenzung: Zugkraft, Abrieb, Titer

Die drei gebräuchlichen Festigkeitsangaben beantworten drei verschiedene Fragen. ISO 13934 fragt: Welche Kraft hält der Stoff aus? ISO 12947 fragt: Wie lange hält er Reibung aus? Und Denier fragt nach gar keiner Festigkeit, sondern nach der Masse des Einzelfadens.

Dass eine hohe Denierzahl nicht automatisch eine hohe Zugkraft bedeutet, steht dort ausführlich: Rohstoff, Garnkonstruktion, Bindung und Ausrüstung entscheiden mit. Die Zugprüfung ist der Weg, aus diesen vielen Einflüssen eine vergleichbare Zahl zu machen.

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