Spray-Test: die Note für die wasserabweisende Oberfläche
Messwerte & Normen Redaktion Outdoorberater Stand 09/2026
Der Spray-Test benotet die wasserabweisende Wirkung einer Gewebeoberfläche. Eine Stoffprobe wird schräg eingespannt, aus einer Düse läuft Wasser darüber, und das Nässebild wird mit einer Text- und Fotoskala verglichen. Genormt ist das Verfahren doppelt: als ISO 4920 und als AATCC 22. Geprüft wird jedes Gewebe, mit oder ohne DWR-Ausrüstung; gemessen wird die Benetzung der Oberfläche, nicht der Durchtritt von Wasser.
Der Prüfaufbau nach ISO 4920
ISO 4920:2012 schreibt die Anordnung eng vor: mindestens drei Proben von je mindestens 180 mm Kantenlänge, nach ISO 139 wenigstens vier Stunden klimatisiert, Schauseite nach oben in einem Ring von 155 mm Durchmesser. Durch einen Trichter laufen die 250 ml destilliertes oder vollentsalztes Wasser in eine Düse mit 19 Bohrungen à 0,86 mm. Danach wird der Halter fast waagerecht gehalten, Schauseite nach unten, gegen einen festen Gegenstand geklopft, um 180 Grad gedreht und erneut geklopft. Erst dann wird benotet, und nur die Schauseite.

Welcher Test welche Frage beantwortet
Hinter jeder Zahl auf einem Etikett steht ein Prüfaufbau. Wer ihn kennt, versteht, was die Zahl aussagt — und was nicht. Fünf Verfahren decken den größten Teil dessen ab, was an Outdoortextilien gemessen wird.
Becherverfahren
Wasserdampfdurchlässigkeit

Ein Becher Wasser wird mit dem Prüfling verschlossen und gewogen. Was an Masse verschwindet, ist als Dampf durch den Stoff gegangen.
- Die Frage dahinter
- Wie viel Dampf kommt in einer bestimmten Zeit durch?
Spray-Test
Oberflächenbenetzung

Wasser wird aus fester Höhe auf den schräg gespannten Prüfling gesprüht. Benotet wird, wie viel davon abperlt und wie viel haften bleibt.
- Die Frage dahinter
- Wirkt die Imprägnierung noch?
Bundesmann
Beregnung von oben

Künstlicher Regen fällt über längere Zeit auf vier Prüflinge. Gemessen wird, wie viel Wasser durchkommt und wie viel der Stoff aufnimmt.
- Die Frage dahinter
- Was passiert im Dauerregen?
Martindale
Scheuerfestigkeit

Ein belasteter Prüfkopf reibt in festgelegten Bahnen über den Stoff. Gezählt wird, wie viele Touren bis zum ersten Fadenbruch vergehen.
- Die Frage dahinter
- Wie lange hält der Stoff Reibung aus?
Weiterreißversuch
Reißfestigkeit

Ein eingeschnittener Streifen wird auseinandergezogen. Gemessen wird die Kraft, die nötig ist, damit der Riss weiterläuft.
- Die Frage dahinter
- Was passiert, wenn der Stoff erst einmal ein Loch hat?
Keine dieser Zahlen beschreibt die Jacke als Ganzes. Ein Stoff mit hoher Scheuerfestigkeit kann an der Naht reißen, einer mit guter Dampfdurchlässigkeit im Regen durchnässen. Die Verfahren prüfen den Stoff — nicht die Verarbeitung, und schon gar nicht die Passform.

Offen lässt ISO 4920 zwei Größen: die Wassertemperatur — 20 oder 27 Grad Celsius, nach Vereinbarung auch andere — und das Prüfklima, das vereinbart auch das Raumklima sein darf; beide gehören in den Prüfbericht. Die AATCC-Fassung legt sie fest: 21 Grad Celsius und 65 Prozent Luftfeuchte, das Wasser 27 Grad.
Zwei Normen, zwei Zahlenreihen
ISO 4920 benotet von 0 bis 5, AATCC 22 in den Stufen 0, 50, 70, 80, 90 und 100. Gleichgesetzt werden die Reihen in Abschnitt 9.1 erst ab „ISO 1 oder AATCC 50" aufwärts; von dort an sind Zwischennoten in Schritten von 0,5 zugelassen, und ISO 5 und AATCC 100 meinen denselben Zustand. Unten trennen sie sich: Note 0 heißt nach ISO 4920 ganz benetzte Schauseite, nach AATCC 22 ganz benetzte Schau- und Rückseite. Sie kam erst 2012 hinzu; die zurückgezogene Vorgängerfassung DIN EN 24920:1992-08 kannte sie nicht.
Nicht zu verwechseln mit Wassersäule und Bundesmann-Test
ISO 4920 schließt die naheliegende Fehldeutung im Anwendungsbereich selbst aus: Das Verfahren ist nicht dazu bestimmt, den Widerstand gegen Regendurchdringung vorherzusagen, weil es den Wasserdurchtritt nicht misst. Eine Spray-Note ist keine Aussage über Wasserdichtigkeit und ersetzt keine Wassersäule; sie beschreibt die Oberfläche, nicht den Aufbau darunter — ein Laminat kann schlecht abperlen und trotzdem dicht sein.
Der Bundesmann-Regentest nach ISO 9865 beregnet die Probe minutenlang, belastet sie dabei von unten mit einem Wischer und liefert zwei Kennzahlen; Skala, Fallhöhe und Dauer stehen dort. Der Spray-Test dauert eine halbe Minute, wirkt allein mit Sprühwasser und liefert eine Note. Auch die deutschen Normtitel trennen beides: ISO 4920 heißt „Sprühverfahren", die Beregnungsprüfung ist der Bundesmann.

