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Bundesmann-Regentest: Beregnungsprüfung nach ISO 9865

Messwerte & Normen Redaktion Outdoorberater Stand 09/2026

ISO 9865:1991, DIN EN 29865:1993-11Prüfnorm und deutsche Fassung, ersetzt DIN 53888:1979-02
100 ± 5 ml/min je 100 cm²Beregnungsstärke, Beregnungsdauer 10 Minuten
1.500 mmFallhöhe der Tropfen bis zur Probenmitte
Note 1 bis 5Skala für das Bild der Oberfläche, 5 ist die beste Note

Der Bundesmann-Regentest ist eine genormte Beregnungsprüfung für textile Flächengebilde. Kreisrunde Proben von 140 mm Durchmesser werden auf Becher gespannt, die 80 cm² Prüffläche frei lassen, und gemeinsam künstlichem Regen ausgesetzt, meist vier Stück. Der Versuch liefert zwei getrennte Kennzahlen: die Wasseraufnahme der Probe in Massenprozent und eine Note für das Bild der nassen Oberfläche, die mit Vergleichsfotos vergeben wird. Durchgelaufenes Wasser sammelt sich im Becher und kann in Millilitern angegeben werden. Die Norm nennt als Gegenstand den Widerstand des Gewebes gegen das Aufsaugen von Regenwasser.

Wie die Beregnung abläuft

Den Regen erzeugen 300 gleiche Tropfenbildner über einer Kreisfläche von 406 mm Durchmesser; jeder Tropfen hat rund 4 mm Durchmesser und etwa 0,07 ml Volumen. Der Durchfluss wird auf 100 ± 5 ml/min je 100 cm² Beregnungsfläche eingestellt; richtig kalibriert stehen nach 2,5 Minuten 200 ± 10 ml im Becher. Geprüft wird mit gefiltertem Leitungswasser von 20 ± 3 Grad Celsius, dessen Härte und pH-Wert in den Prüfbericht gehören. Der Probenträger dreht sich mit 6 Umdrehungen je Minute. Unter jeder Probe drückt ein Wischer mit etwa 250 cN gegen die Rückseite; seine Arme tragen eine polierte Abstreiffläche aus Edelstahl und schwenken 20-mal je Minute über rund 100 Grad. Nach zehn Minuten wird die Probe 15 Sekunden geschleudert und erneut gewogen; aus Trocken- und Nassmasse ergibt sich die Wasseraufnahme. Benoten lässt sich auch schon nach einer und nach fünf Minuten.

Warum eine dichte Jacke nass wirken kann

Eine Jacke kann eine hohe Wassersäule haben und sich im Dauerregen trotzdem schwer und klamm anfühlen: Die Wassersäule beschreibt den Wasserdruck, dem das Material standhält, der Bundesmann-Test dagegen das Verhalten des Oberstoffs darüber. Saugt sich das Außengewebe voll, weil die DWR-Ausrüstung abgenutzt ist, bleibt die Membran darunter dicht — die Jacke wirkt dennoch durchnässt. Genau diese Oberflächeneigenschaft prüft die Beregnung, und genau sie lässt durch Tragen und Waschen zuerst nach.

Nicht zu verwechseln mit Spray-Test und Wassersäule

Der Spray-Test nach ISO 4920 prüft ebenfalls die Oberfläche, dauert aber nur eine halbe Minute, arbeitet mit destilliertem Wasser statt gefiltertem Leitungswasser und belastet die Probe während des Sprühens nicht mechanisch; geklopft wird dort erst danach, vor der Benotung. Seine Skala hat sechs Stufen von 0 bis 5, die des Bundesmann-Tests fünf von 1 bis 5. In beiden ist 5 die beste Note, austauschbar sind die Zahlen deshalb nicht.

Infografik
Outdoor Beratung und Ratgeber
Prüfverfahren

Welcher Test welche Frage beantwortet

Hinter jeder Zahl auf einem Etikett steht ein Prüfaufbau. Wer ihn kennt, versteht, was die Zahl aussagt — und was nicht. Fünf Verfahren decken den größten Teil dessen ab, was an Outdoortextilien gemessen wird.

Becherverfahren

Wasserdampfdurchlässigkeit

Laborbecher mit Wasser, über dessen Öffnung ein Stück Stoff straff gespannt ist; im Luftraum darunter steigen Dampfschwaden zum Stoff auf. Stoff gespannt

Ein Becher Wasser wird mit dem Prüfling verschlossen und gewogen. Was an Masse verschwindet, ist als Dampf durch den Stoff gegangen.

Die Frage dahinter
Wie viel Dampf kommt in einer bestimmten Zeit durch?

Spray-Test

Oberflächenbenetzung

Schräg eingespannter Stoff unter einem Sprühkopf: Feine Tropfen fallen darauf, auf der Oberfläche perlen sie ab und laufen an der Unterkante über die Kante. 45 Grad geneigt

Wasser wird aus fester Höhe auf den schräg gespannten Prüfling gesprüht. Benotet wird, wie viel davon abperlt und wie viel haften bleibt.

Die Frage dahinter
Wirkt die Imprägnierung noch?

Bundesmann

Beregnung von oben

Beregnungsprüfgerät: Aus einer Düsenplatte fallen Tropfen gleichmäßig auf vier mit Stoff bespannte Becher darunter. Düsen

Künstlicher Regen fällt über längere Zeit auf vier Prüflinge. Gemessen wird, wie viel Wasser durchkommt und wie viel der Stoff aufnimmt.

Die Frage dahinter
Was passiert im Dauerregen?

Martindale

Scheuerfestigkeit

Scheuerprüfkopf auf einem eingespannten Stoff: Unter dem belasteten Kopf ist eine kreisrunde abgescheuerte Stelle zu sehen, an der das Gewebe bereits durchgerieben ist. abgescheuert

Ein belasteter Prüfkopf reibt in festgelegten Bahnen über den Stoff. Gezählt wird, wie viele Touren bis zum ersten Fadenbruch vergehen.

Die Frage dahinter
Wie lange hält der Stoff Reibung aus?

Weiterreißversuch

Reißfestigkeit

Senkrecht eingespannter Stoffstreifen zwischen zwei Klemmen: Von der Unterkante läuft ein Einschnitt hinein, an dessen Spitze einzelne Fäden durchtrennt sind und ausgefranst abstehen. Rissspitze

Ein eingeschnittener Streifen wird auseinandergezogen. Gemessen wird die Kraft, die nötig ist, damit der Riss weiterläuft.

Die Frage dahinter
Was passiert, wenn der Stoff erst einmal ein Loch hat?

Keine dieser Zahlen beschreibt die Jacke als Ganzes. Ein Stoff mit hoher Scheuerfestigkeit kann an der Naht reißen, einer mit guter Dampfdurchlässigkeit im Regen durchnässen. Die Verfahren prüfen den Stoff — nicht die Verarbeitung, und schon gar nicht die Passform.

Mit KI-Unterstützung erstellt Schematische, nicht maßstabsgetreue Darstellung.

Die Wassersäule misst Druck und nicht Abperlverhalten; was ihre Grenzwerte belegen und was nicht, steht in der Normübersicht. Der Begriff wasserabweisend meint dieselbe Oberflächeneigenschaft wie die Beregnungsprüfung, nur ohne Zahl. Wie lange die Wirkung hält, entscheidet die Pflege der Regenjacke.

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