Bundesmann-Regentest: Beregnungsprüfung nach ISO 9865
Messwerte & Normen Redaktion Outdoorberater Stand 09/2026
Der Bundesmann-Regentest ist eine genormte Beregnungsprüfung für textile Flächengebilde. Kreisrunde Proben von 140 mm Durchmesser werden auf Becher gespannt, die 80 cm² Prüffläche frei lassen, und gemeinsam künstlichem Regen ausgesetzt, meist vier Stück. Der Versuch liefert zwei getrennte Kennzahlen: die Wasseraufnahme der Probe in Massenprozent und eine Note für das Bild der nassen Oberfläche, die mit Vergleichsfotos vergeben wird. Durchgelaufenes Wasser sammelt sich im Becher und kann in Millilitern angegeben werden. Die Norm nennt als Gegenstand den Widerstand des Gewebes gegen das Aufsaugen von Regenwasser.
Wie die Beregnung abläuft
Den Regen erzeugen 300 gleiche Tropfenbildner über einer Kreisfläche von 406 mm Durchmesser; jeder Tropfen hat rund 4 mm Durchmesser und etwa 0,07 ml Volumen. Der Durchfluss wird auf 100 ± 5 ml/min je 100 cm² Beregnungsfläche eingestellt; richtig kalibriert stehen nach 2,5 Minuten 200 ± 10 ml im Becher. Geprüft wird mit gefiltertem Leitungswasser von 20 ± 3 Grad Celsius, dessen Härte und pH-Wert in den Prüfbericht gehören. Der Probenträger dreht sich mit 6 Umdrehungen je Minute. Unter jeder Probe drückt ein Wischer mit etwa 250 cN gegen die Rückseite; seine Arme tragen eine polierte Abstreiffläche aus Edelstahl und schwenken 20-mal je Minute über rund 100 Grad. Nach zehn Minuten wird die Probe 15 Sekunden geschleudert und erneut gewogen; aus Trocken- und Nassmasse ergibt sich die Wasseraufnahme. Benoten lässt sich auch schon nach einer und nach fünf Minuten.
Warum eine dichte Jacke nass wirken kann
Eine Jacke kann eine hohe Wassersäule haben und sich im Dauerregen trotzdem schwer und klamm anfühlen: Die Wassersäule beschreibt den Wasserdruck, dem das Material standhält, der Bundesmann-Test dagegen das Verhalten des Oberstoffs darüber. Saugt sich das Außengewebe voll, weil die DWR-Ausrüstung abgenutzt ist, bleibt die Membran darunter dicht — die Jacke wirkt dennoch durchnässt. Genau diese Oberflächeneigenschaft prüft die Beregnung, und genau sie lässt durch Tragen und Waschen zuerst nach.
Nicht zu verwechseln mit Spray-Test und Wassersäule
Der Spray-Test nach ISO 4920 prüft ebenfalls die Oberfläche, dauert aber nur eine halbe Minute, arbeitet mit destilliertem Wasser statt gefiltertem Leitungswasser und belastet die Probe während des Sprühens nicht mechanisch; geklopft wird dort erst danach, vor der Benotung. Seine Skala hat sechs Stufen von 0 bis 5, die des Bundesmann-Tests fünf von 1 bis 5. In beiden ist 5 die beste Note, austauschbar sind die Zahlen deshalb nicht.

Welcher Test welche Frage beantwortet
Hinter jeder Zahl auf einem Etikett steht ein Prüfaufbau. Wer ihn kennt, versteht, was die Zahl aussagt — und was nicht. Fünf Verfahren decken den größten Teil dessen ab, was an Outdoortextilien gemessen wird.
Becherverfahren
Wasserdampfdurchlässigkeit

Ein Becher Wasser wird mit dem Prüfling verschlossen und gewogen. Was an Masse verschwindet, ist als Dampf durch den Stoff gegangen.
- Die Frage dahinter
- Wie viel Dampf kommt in einer bestimmten Zeit durch?
Spray-Test
Oberflächenbenetzung

Wasser wird aus fester Höhe auf den schräg gespannten Prüfling gesprüht. Benotet wird, wie viel davon abperlt und wie viel haften bleibt.
- Die Frage dahinter
- Wirkt die Imprägnierung noch?
Bundesmann
Beregnung von oben

Künstlicher Regen fällt über längere Zeit auf vier Prüflinge. Gemessen wird, wie viel Wasser durchkommt und wie viel der Stoff aufnimmt.
- Die Frage dahinter
- Was passiert im Dauerregen?
Martindale
Scheuerfestigkeit

Ein belasteter Prüfkopf reibt in festgelegten Bahnen über den Stoff. Gezählt wird, wie viele Touren bis zum ersten Fadenbruch vergehen.
- Die Frage dahinter
- Wie lange hält der Stoff Reibung aus?
Weiterreißversuch
Reißfestigkeit

Ein eingeschnittener Streifen wird auseinandergezogen. Gemessen wird die Kraft, die nötig ist, damit der Riss weiterläuft.
- Die Frage dahinter
- Was passiert, wenn der Stoff erst einmal ein Loch hat?
Keine dieser Zahlen beschreibt die Jacke als Ganzes. Ein Stoff mit hoher Scheuerfestigkeit kann an der Naht reißen, einer mit guter Dampfdurchlässigkeit im Regen durchnässen. Die Verfahren prüfen den Stoff — nicht die Verarbeitung, und schon gar nicht die Passform.

Die Wassersäule misst Druck und nicht Abperlverhalten; was ihre Grenzwerte belegen und was nicht, steht in der Normübersicht. Der Begriff wasserabweisend meint dieselbe Oberflächeneigenschaft wie die Beregnungsprüfung, nur ohne Zahl. Wie lange die Wirkung hält, entscheidet die Pflege der Regenjacke.

