JIS L 1099: Wasserdampf-Prüfung nach A1 und B1
Messwerte & Normen Redaktion Outdoorberater Stand 10/2026
JIS L 1099 ist die japanische Industrienorm für die Messung der Wasserdampfdurchlässigkeit von Textilien. Sie ist unter den drei verbreiteten Becherverfahren dasjenige, dessen Zahlen am häufigsten in Produktangaben auftauchen — und das hat einen Grund, der nichts mit der Qualität der Methode zu tun hat.
Die Norm führt mehrere Verfahren. Zwei davon begegnen im Outdoorbereich: A1 und B1.
Die beiden Verfahren A1 und B1

Welcher Test welche Frage beantwortet
Hinter jeder Zahl auf einem Etikett steht ein Prüfaufbau. Wer ihn kennt, versteht, was die Zahl aussagt — und was nicht. Fünf Verfahren decken den größten Teil dessen ab, was an Outdoortextilien gemessen wird.
Becherverfahren
Wasserdampfdurchlässigkeit

Ein Becher Wasser wird mit dem Prüfling verschlossen und gewogen. Was an Masse verschwindet, ist als Dampf durch den Stoff gegangen.
- Die Frage dahinter
- Wie viel Dampf kommt in einer bestimmten Zeit durch?
Spray-Test
Oberflächenbenetzung

Wasser wird aus fester Höhe auf den schräg gespannten Prüfling gesprüht. Benotet wird, wie viel davon abperlt und wie viel haften bleibt.
- Die Frage dahinter
- Wirkt die Imprägnierung noch?
Bundesmann
Beregnung von oben

Künstlicher Regen fällt über längere Zeit auf vier Prüflinge. Gemessen wird, wie viel Wasser durchkommt und wie viel der Stoff aufnimmt.
- Die Frage dahinter
- Was passiert im Dauerregen?
Martindale
Scheuerfestigkeit

Ein belasteter Prüfkopf reibt in festgelegten Bahnen über den Stoff. Gezählt wird, wie viele Touren bis zum ersten Fadenbruch vergehen.
- Die Frage dahinter
- Wie lange hält der Stoff Reibung aus?
Weiterreißversuch
Reißfestigkeit

Ein eingeschnittener Streifen wird auseinandergezogen. Gemessen wird die Kraft, die nötig ist, damit der Riss weiterläuft.
- Die Frage dahinter
- Was passiert, wenn der Stoff erst einmal ein Loch hat?
Keine dieser Zahlen beschreibt die Jacke als Ganzes. Ein Stoff mit hoher Scheuerfestigkeit kann an der Naht reißen, einer mit guter Dampfdurchlässigkeit im Regen durchnässen. Die Verfahren prüfen den Stoff — nicht die Verarbeitung, und schon gar nicht die Passform.

Für Funktionsjacken ist damit B1 das einschlägige Verfahren: Es ist für wasserundurchlässige Materialien gedacht, also für genau die Stoffe, über die eine MVTR-Angabe überhaupt etwas aussagen soll.
Warum die Zahlen hier am größten ausfallen
Der Antrieb jeder Dampfmessung ist die Differenz der Wasserdampf-Partialdrücke zwischen beiden Seiten der Probe. Dieser Druck steigt mit der Temperatur, und zwar nicht linear, sondern steil — bei 40 °C ist der Sättigungsdampfdruck mehr als doppelt so hoch wie bei 23 °C.
Daraus folgt unmittelbar: Dieselbe Probe liefert bei 40 °C eine erheblich größere Durchsatzzahl als bei 23 °C. Das ist kein Mangel der Norm — sie misst, was sie zu messen vorgibt. Es wird erst zum Problem, wenn das Ergebnis neben einer Zahl aus einem anderen Verfahren steht, ohne dass die Methode dabeisteht.
Was man stattdessen vergleichen kann
Drei Wege führen aus dem Dilemma. Erstens: Zahlen nur innerhalb eines Herstellers vergleichen, der konsistent nach derselben Methode prüft. Zweitens: nach dem RET-Wert fragen — er entsteht nach ISO 11092 am Hautmodell und ist die Größe, auf die sich auch die Klassen der EN 343 stützen. Drittens: die Größenordnung gegen die eigene Schwitzrate halten, statt zwei Produktzahlen gegeneinander.
Der dritte Weg ist der ernüchterndste und der ehrlichste: Beim Wandern unter Last fallen 0,8 bis 1,4 Liter Schweiß je Stunde an — umgerechnet rund 10.000 bis 17.000 g/(m²·24 h). Eine Jacke, die mit 20.000 wirbt, liegt damit selbst nach der günstigsten Messmethode nur knapp darüber.

