Schwitzrate: Schweißmenge je Stunde beim Wandern
Physik & Klima Redaktion Outdoorberater Stand 10/2026
Die Schwitzrate ist die Menge Schweiß, die der Körper je Zeiteinheit abgibt, meist in Litern je Stunde angegeben. Sie ist keine feste Zahl, sondern hängt an Anstrengung, Temperatur, Luftfeuchte, Bekleidung und an der Person selbst — die Streuung zwischen Einzelnen ist groß.
Gemessen wird sie über die Bilanz: Körpergewicht vor und nach der Belastung, verrechnet mit dem, was getrunken, gegessen und ausgeschieden wurde, geteilt durch die Dauer. Eine Feldstudie mit Wanderern unter Last hat auf diese Weise 0,8 ± 0,3 Liter je Stunde unter moderaten und 1,4 ± 0,5 Liter je Stunde unter heißen Bedingungen ermittelt.
Der Maßstab, der MVTR-Zahlen erst lesbar macht
Hersteller geben die Atmungsaktivität als MVTR-Wert an, in Gramm Wasserdampf je Quadratmeter und 24 Stunden. Die Zahlen reichen von 4.000 bis über 50.000 und sagen für sich genommen wenig, weil kein Vergleichsmaßstab danebensteht. Die Schwitzrate liefert ihn.
Schweißmenge auf die Fläche umgerechnet:
m = V / A_Du
A_Du nach DuBois (180 cm, 75 kg) = 1,94 m²
800 ml/h / 1,94 m² = 412 g/(m²·h)
1.400 ml/h / 1,94 m² = 721 g/(m²·h)
Als MVTR-Angabe (× 24 h) gelesen:
412 g/(m²·h) → MVTR 9.885 g/(m²·24h)
721 g/(m²·h) → MVTR 17.298 g/(m²·24h)
Gegenrichtung — was gängige Werbezahlen je Stunde bedeuten:
MVTR 5.000 → 208 g/(m²·h)
MVTR 10.000 → 417 g/(m²·h)
MVTR 20.000 → 833 g/(m²·h)
MVTR 30.000 → 1.250 g/(m²·h)Damit steht die Einordnung: Eine Jacke mit „MVTR 10.000" liegt rechnerisch genau an der moderaten Wanderrate — und zwar unter Laborbedingungen, die im Feld nicht gelten. Wer bei Wärme bergauf geht, erzeugt mehr, als praktisch jede Membran abführt. Was daraus folgt, steht unter Kondenswasser in der Jacke.

Warum Membranen bei Kälte nicht zu atmen scheinen
Der Antrieb für den Dampftransport ist die Differenz der Wasserdampf-Partialdrücke — und die ist bei Kälte nicht kleiner, sondern größer: innen 56,1 hPa an gesättigter Haut von 35 °C, außen 3,8 hPa bei −5 °C und 90 % Feuchte. Was sich ändert, ist die Temperatur im Schichtpaket.
Außenlage über dem Taupunkt
Der Dampf zieht durch

Die Isolation bleibt locker und trocken. Der Wasserdampf wandert durch die Außenlage nach draußen, weil deren Innenseite wärmer ist als der Taupunkt der Luft darunter.
- Tritt auf bei
- Milde Bedingungen, mäßige Anstrengung, gute Belüftung
Außenlage unter dem Taupunkt
Der Dampf fällt als Wasser aus

An der Innenseite der kalten Außenlage schlägt sich Wasser nieder, bei Frost als Reif. Die Isolation darunter fällt zusammen und dämmt schlechter — die Membran ist unverändert durchlässig.
- Tritt auf bei
- Kälte, hohe Schwitzrate, geschlossene Jacke
Der Taupunkt ist eine Eigenschaft der Luft, nicht des Materials, an dem das Wasser ausfällt: Bei 20 °C und 50 % relativer Feuchte liegt er bei 9,3 °C, bei 80 % schon bei 16,4 °C. Wer bei Kälte trocken bleiben will, muss deshalb weniger Dampf erzeugen oder ihn früher abführen — eine durchlässigere Membran hilft hier nicht.

Abgrenzung: Perspiratio sensibilis und insensibilis
Die Schwitzrate beschreibt das merkliche Schwitzen über die Schweißdrüsen, fachsprachlich Perspiratio sensibilis. Davon zu trennen ist die Perspiratio insensibilis: der unmerkliche Wasserverlust über die Haut und die Atemwege, der ohne Schweißdrüsen und ohne sichtbare Nässe abläuft. Er liegt bei einem Erwachsenen in der Größenordnung von 300 bis 1.000 Millilitern je Tag, davon rund 200 Milliliter über die Atemwege — eine Tagesmenge also, keine Stundenmenge, und damit für die Frage nach der Jacke ohne Bedeutung.
Die beiden Begriffe werden häufig vermengt. Für Ausrüstung zählt die sensible Perspiration: Sie ist es, die eine Membran abführen muss, und sie ist es, die beim Verdunsten die Verdunstungskälte erzeugt.
Ebenfalls nicht dasselbe ist die Schwitzrate und der Flüssigkeitsbedarf. Was der Körper abgibt, muss er zwar ersetzen, aber die große Streuung der Messwerte macht pauschale Trinkempfehlungen aus einer Durchschnittsrate unbrauchbar — die Studie oben hält genau das als Ergebnis fest.

