Kaschierung (Bonding): Stofflagen flächig verkleben
Gewebe & Verarbeitung Redaktion Outdoorberater Stand 10/2026
Kaschieren heißt, zwei oder mehr Lagen flächig miteinander zu verbinden, sodass sie sich wie ein einziger Stoff verhalten. Im Englischen heißt der Vorgang bonding, das Ergebnis Laminat. Es ist die Grundlage praktisch aller modernen Funktionsstoffe: Ohne Kaschierung gäbe es weder Softshell noch ein Membranlaminat.
Der Vorteil gegenüber dem Vernähen liegt auf der Hand: Keine Naht bedeutet keine Nadellöcher, keine Scheuerkante und keine Stelle, an der die Lagen gegeneinander verrutschen. Der ganze Lagenaufbau beruht darauf.
Die Kaschierverfahren
Der Zielkonflikt in der letzten Zeile erklärt, warum hochwertige Laminate punktkaschiert sind: Jeder Quadratmillimeter Klebstoff ist eine Stelle, an der kein Wasserdampf hindurchgeht. Eine vollflächige Verklebung wäre mechanisch stärker und würde die Atmungsaktivität der besten Membran zunichtemachen.

Wo die Reißfestigkeit herkommt
Dieses Material ist kein Gewebe im üblichen Sinn: Zwischen zwei Folienlagen liegt ein Gitter aus hochfesten Fasersträngen. Es ist geklebt statt gewebt — und daraus folgt alles, was es kann und was nicht.

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Die Stränge nehmen die Kraft auf
Sie laufen diagonal in zwei Richtungen und fangen Zug in jeder Richtung ab. Ein Riss läuft bis zum nächsten Strang und bleibt dort stehen.
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Die Folien sind die Sperrschicht
Sie halten Wasser — ohne Beschichtung und ohne Membran, weil sie selbst geschlossen sind. Das macht das Material wasserdicht, ohne dass etwas aufgetragen wäre.
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Geklebt, nicht gewebt
Der Verbund hält durch Klebung. Das ist leicht und steif — und es ist die Schwachstelle: Wo sich Folie und Gitter lösen, hilft keine Reparatur am Gewebe.
Deshalb findet man es an Packsäcken, Zeltböden und leichten Rucksäcken, aber kaum an Kleidung: Es knistert, es fällt nicht, und es verträgt kein dauerndes Knicken an derselben Stelle. Was es kann, kann es dafür bei sehr geringem Gewicht.

Wo der Verbund versagt
Dieselbe Klebeschicht ist die Schwachstelle des Aufbaus. Löst sie sich, spricht man von Delamination — die Lagen trennen sich, es bilden sich Blasen, und die Jacke verliert ihre Form und oft auch ihre Dichtigkeit.
Die Ursachen sind bekannt: Hydrolyse, also der langsame Angriff durch Feuchtigkeit und Wärme; mechanische Dauerbelastung an Knick- und Scheuerstellen; und Rückstände, die zwischen Kleber und Gewebe geraten — darunter Hautfette und Waschmittelreste. Das ist derselbe Mechanismus, den das Gore-Grundpatent für den Membranschutz beschreibt: Oberflächenaktive Stoffe aus dem Schweiß greifen den Verbund dort an, wo er am dünnsten ist.
Abgrenzung: Kaschierung, Beschichtung, Nahtband
Eine Beschichtung wird als flüssige Masse aufgetragen und härtet auf dem Gewebe aus — es gibt keine zweite Lage, die verbunden würde. Eine Kaschierung verbindet zwei fertige Lagen. Deshalb kann eine Beschichtung nicht delaminieren, sondern nur abblättern oder verspröden.
Das Nahtband schließlich ist eine Kaschierung im Kleinen: Es wird mit Hitze und Druck über eine Naht aufgebracht, um deren Löcher zu schließen. Dieselbe Technik, dieselben Schwachstellen — auch Nahtbänder lösen sich mit der Zeit, und zwar aus denselben Gründen.

