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Taupunkt: die Temperatur, bei der Luft kondensiert

Physik & Klima Redaktion Outdoorberater Stand 09/2026

Der Taupunkt ist die Temperatur, auf die ein ungesättigtes Luftquantum bei gleichbleibendem Druck über einer ebenen, chemisch reinen Wasserfläche abgekühlt werden muss, um zur Sättigung zu gelangen. Im Sättigungszustand beträgt die relative Luftfeuchte 100 Prozent; jede weitere Abkühlung führt zu Kondensation. Bezugsfläche ist Wasser; über Eis gilt der Reifpunkt, der immer oberhalb des Taupunktes liegt — unter 0 °C bildet sich kein Tau, sondern Reif.

Der Taupunkt ist damit eine Eigenschaft der Luft, nicht des Materials, an dem das Wasser ausfällt. Bei 20 °C und 50 Prozent relativer Feuchte liegt er bei 9,3 °C, bei 80 Prozent schon bei 16,4 °C.

9,3 °CTaupunkt bei 20 °C und 50 % relativer Feuchte
56,1 hPaWasserdampfdruck an gesättigter Haut von 35 °C (Hautmodell der Messung)
3,8 hPaWasserdampfdruck der Außenluft bei -5 °C und 90 % relativer Feuchte
-45 bis +60 °CGültigkeitsbereich der WMO-Formel (4.B.1)

Warum Membranen bei Kälte nicht zu atmen scheinen

Der Antrieb für den Dampftransport durch eine Membran ist die Differenz der Wasserdampf-Partialdrücke; genau darüber definiert ISO 11092 den Wasserdampfdurchgangswiderstand. Innen meint die schwitzende Haut; das Hautmodell der Messung setzt 35 °C und Sättigung an, also 56,1 hPa. Außen sind es bei -5 °C und 90 Prozent relativer Feuchte nur 3,8 hPa. Bei Kälte ist das Gefälle also nicht kleiner, sondern größer.

Was sich ändert, ist die Temperatur im Schichtpaket. Kühlt die wasserdichte Außenlage unter den Taupunkt der Luft darunter, kondensiert ein Teil des Dampfes an ihrer Innenseite, bei Frost als Reif. Die Isolationsschicht darunter wird feucht und dämmt schlechter. Die Jacke fühlt sich innen nass an, obwohl die Membran unverändert durchlässig ist.

Sättigungsdampfdruck über Wasser (WMO-No. 8, Formel 4.B.1):
e_w(t) = 6,112 hPa · exp[17,62 · t / (243,12 + t)]
Taupunkt t_d aus Lufttemperatur t und relativer Feuchte U,
zusammengesetzt aus (4.B.1), (4.B.6), (4.B.10):
v   = ln(U / 100) + 17,62 · t / (243,12 + t)
t_d = 243,12 · v / (17,62 - v)
t = 20 °C, U = 50 %  →  v = 0,6462  →  t_d = 9,3 °C
t = 20 °C, U = 80 %  →  v = 1,1162  →  t_d = 16,4 °C
Infografik
Outdoor Beratung und Ratgeber
Kondensation

Warum Membranen bei Kälte nicht zu atmen scheinen

Der Antrieb für den Dampftransport ist die Differenz der Wasserdampf-Partialdrücke — und die ist bei Kälte nicht kleiner, sondern größer: innen 56,1 hPa an gesättigter Haut von 35 °C, außen 3,8 hPa bei −5 °C und 90 % Feuchte. Was sich ändert, ist die Temperatur im Schichtpaket.

Außenlage über dem Taupunkt

Der Dampf zieht durch

Querschnitt durch ein Jackenpaket: Auf der Haut liegt eine lockere, trockene Isolationsschicht, darüber die wasserdichte Außenlage. An ihrer Unterseite ist kein Wasser zu sehen. Außenlage Isolation Haut

Die Isolation bleibt locker und trocken. Der Wasserdampf wandert durch die Außenlage nach draußen, weil deren Innenseite wärmer ist als der Taupunkt der Luft darunter.

Tritt auf bei
Milde Bedingungen, mäßige Anstrengung, gute Belüftung

Außenlage unter dem Taupunkt

Der Dampf fällt als Wasser aus

Derselbe Querschnitt bei Kälte: An der Unterseite der Außenlage hängen Kondenstropfen, die Isolationsschicht darunter ist feucht zusammengefallen und dämmt schlechter. Außenlage Kondensat Isolation Haut

An der Innenseite der kalten Außenlage schlägt sich Wasser nieder, bei Frost als Reif. Die Isolation darunter fällt zusammen und dämmt schlechter — die Membran ist unverändert durchlässig.

Tritt auf bei
Kälte, hohe Schwitzrate, geschlossene Jacke

Der Taupunkt ist eine Eigenschaft der Luft, nicht des Materials, an dem das Wasser ausfällt: Bei 20 °C und 50 % relativer Feuchte liegt er bei 9,3 °C, bei 80 % schon bei 16,4 °C. Wer bei Kälte trocken bleiben will, muss deshalb weniger Dampf erzeugen oder ihn früher abführen — eine durchlässigere Membran hilft hier nicht.

Mit KI-Unterstützung erstellt Schematische, nicht maßstabsgetreue Darstellung.

Abgrenzung: wo der Begriff aufhört

Der Taupunkt ist eine Temperatur, kein Wasser. Kondenswasser ist das Ergebnis, sobald eine Fläche ihn unterschreitet — im Zelt an der Innenseite des Außenzeltes (Zeltpflege), in der Jacke an der Außenlage. Diese Seite nennt die Bedingung; wie viel zusammenkommt und wie es sich von eindringendem Regen unterscheiden lässt, behandelt der Eintrag Kondenswasser in der Jacke.

Ebenso wenig ist er eine Materialkennzahl. Atmungsaktivität beschreibt, wie gut ein Stoff Wasserdampf durchlässt, angegeben als RET-Wert oder MVTR-Wert. Der RET-Wert entsteht isotherm, also ohne Temperaturgefälle; in diesem Aufbau kann gar kein Tauwasser anfallen. ISO 11092 hält selbst fest, dass ihre Prüfbedingungen keine bestimmte Komfortsituation abbilden sollen. Eine niedrige RET-Zahl sagt deshalb nichts darüber, ab welcher Außentemperatur eine Jacke innen nass wird.

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