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Vapour Barrier Liner (VBL): die Dampfsperre im Schlafsack

Physik & Klima Redaktion Outdoorberater Stand 10/2026

Ein Vapour Barrier Liner, kurz VBL, ist eine bewusst dampfdichte Schicht dicht am Körper: meist ein Innensack für den Schlafsack, daneben als Socken oder Handschuhunterzug. Er tut genau das Gegenteil dessen, was Funktionsbekleidung sonst verspricht — er lässt keinen Wasserdampf durch.

Das klingt widersinnig und ist es im Sommer auch. Sein Einsatzbereich ist eng: mehrtägige Touren bei anhaltendem Frost, bei denen es keine Gelegenheit gibt, Schlafsack oder Kleidung zu trocknen.

0durchgelassener Wasserdampf — das ist der Zweck
mehrtägigab wann sich der Einsatz lohnt
Frostdie Bedingung, unter der Feuchte im Sack gefriert
300–1.000 ml/Tagunmerklicher Wasserverlust des Körpers

Das Problem, das er löst

Der Körper gibt auch ohne zu schwitzen ständig Wasser ab — über die Haut und über die Atemwege. Dieser unmerkliche Verlust, fachsprachlich Perspiratio insensibilis, liegt in der Größenordnung von 300 bis 1.000 Millilitern je Tag (siehe Schwitzrate). In einer Nacht im Schlafsack sind das keine dramatischen Mengen — über fünf Nächte summiert es sich.

Wohin dieses Wasser geht, entscheidet die Temperatur. Bei Frost durchquert der Dampf die Isolation und kondensiert irgendwo auf dem Weg nach außen, dort wo die Temperatur unter den Taupunkt fällt — in der Daune, im Vlies, an der Innenseite der Außenhülle. Dort gefriert er. Das Ergebnis kennt jeder, der im Winter mehrere Nächte draußen war: Der Schlafsack wird von Nacht zu Nacht schwerer und wärmt schlechter, weil Eis in seiner Füllung steckt und weil Wasser rund 23-mal besser leitet als die Luft, die es verdrängt hat.

Der VBL stoppt den Dampf, bevor er in die Isolation gelangt. Die Feuchte bleibt zwischen Haut und Sperre — unangenehm, aber folgenlos, denn sie lässt sich am Morgen ausschütteln oder trocknen. Die Isolation bleibt trocken und behält ihre Leistung über die ganze Tour.

Infografik
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Kondensation

Warum Membranen bei Kälte nicht zu atmen scheinen

Der Antrieb für den Dampftransport ist die Differenz der Wasserdampf-Partialdrücke — und die ist bei Kälte nicht kleiner, sondern größer: innen 56,1 hPa an gesättigter Haut von 35 °C, außen 3,8 hPa bei −5 °C und 90 % Feuchte. Was sich ändert, ist die Temperatur im Schichtpaket.

Außenlage über dem Taupunkt

Der Dampf zieht durch

Querschnitt durch ein Jackenpaket: Auf der Haut liegt eine lockere, trockene Isolationsschicht, darüber die wasserdichte Außenlage. An ihrer Unterseite ist kein Wasser zu sehen. Außenlage Isolation Haut

Die Isolation bleibt locker und trocken. Der Wasserdampf wandert durch die Außenlage nach draußen, weil deren Innenseite wärmer ist als der Taupunkt der Luft darunter.

Tritt auf bei
Milde Bedingungen, mäßige Anstrengung, gute Belüftung

Außenlage unter dem Taupunkt

Der Dampf fällt als Wasser aus

Derselbe Querschnitt bei Kälte: An der Unterseite der Außenlage hängen Kondenstropfen, die Isolationsschicht darunter ist feucht zusammengefallen und dämmt schlechter. Außenlage Kondensat Isolation Haut

An der Innenseite der kalten Außenlage schlägt sich Wasser nieder, bei Frost als Reif. Die Isolation darunter fällt zusammen und dämmt schlechter — die Membran ist unverändert durchlässig.

Tritt auf bei
Kälte, hohe Schwitzrate, geschlossene Jacke

Der Taupunkt ist eine Eigenschaft der Luft, nicht des Materials, an dem das Wasser ausfällt: Bei 20 °C und 50 % relativer Feuchte liegt er bei 9,3 °C, bei 80 % schon bei 16,4 °C. Wer bei Kälte trocken bleiben will, muss deshalb weniger Dampf erzeugen oder ihn früher abführen — eine durchlässigere Membran hilft hier nicht.

Mit KI-Unterstützung erstellt Schematische, nicht maßstabsgetreue Darstellung.

Der zweite Effekt: weniger Verlust an der Quelle

Berichte aus der Praxis nennen einen zusätzlichen Nutzen, der physikalisch plausibel ist: Im geschlossenen Raum zwischen Haut und Sperre steigt die Luftfeuchte rasch an. Je feuchter die Luft an der Haut, desto geringer die Dampfdruckdifferenz — und damit die treibende Kraft für weitere Verdunstung. Die unmerkliche Abgabe fällt also von selbst ab, und mit ihr die Verdunstungskälte, die sonst dauernd Energie abführt.

Warum ihn trotzdem kaum jemand nutzt

Der Preis ist unmittelbar spürbar. Man liegt in einer feuchten Hülle, die Kleidung darunter wird klamm, und bei Temperaturen über dem Gefrierpunkt ist das sinnlos — dann trocknet die Isolation tagsüber ohnehin. Deshalb ist der VBL eine Technik für Polarreisen, Winterexpeditionen und lange Touren im Dauerfrost, nicht für das verlängerte Wochenende.

Wer ihn einsetzt, kombiniert ihn üblicherweise mit einer dünnen Lage darunter, die die Feuchte aufnimmt und sich wechseln lässt, und zieht die wärmenden Schichten konsequent außerhalb der Sperre an — alles, was innen liegt, wird nass.

Abgrenzung: VBL und Atmungsaktivität

Der VBL ist das bewusste Gegenteil der Atmungsaktivität. Beide lösen dasselbe Problem auf entgegengesetzten Wegen: Die atmungsaktive Membran versucht, den Dampf nach außen zu bringen, bevor er kondensiert; der VBL lässt ihn gar nicht erst eindringen. Welcher Weg trägt, entscheidet die Temperatur — ist es kalt genug, dass die Feuchte unterwegs ausfriert, verliert die Membran.

Zu trennen ist er auch vom gewöhnlichen Inlett: Ein Inlett aus Seide oder Baumwolle hält den Schlafsack sauber und bringt etwas Wärme, ist aber dampfdurchlässig und löst das Feuchteproblem nicht.

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