Wärmedurchlasswiderstand: die SI-Größe hinter clo, tog und R-Wert
Wärme & Isolation Redaktion Outdoorberater Stand 10/2026
Der Wärmedurchlasswiderstand beschreibt, wie gut eine Schicht trockene Wärme zurückhält. Seine SI-Einheit ist Quadratmeter mal Kelvin je Watt, geschrieben m²·K/W: Je höher der Wert, desto weniger Wärme fließt bei gegebener Temperaturdifferenz hindurch.
Im Outdoorbereich begegnet er in drei Verkleidungen, die alle dasselbe messen. Bekleidung wird in clo angegeben, Schlafsäcke und Decken in tog, Isomatten im amerikanischen R-Wert. Wer die Umrechnung kennt, kann Angaben vergleichen, die nebeneinander unvergleichbar aussehen.
Die Umrechnung
Clo und tog sind schlicht festgelegte Vielfache der SI-Größe. Der amerikanische R-Wert dagegen ist keine eigene Messgröße, sondern dieselbe Größe in imperialen Einheiten: Quadratfuß mal Grad Fahrenheit mal Stunde je britischer Wärmeeinheit. Der Faktor folgt allein aus den Einheiten.
Festgelegte Einheiten:
1 clo = 0,155 m²·K/W
1 tog = 0,100 m²·K/W
→ 1 clo = 1,55 tog, 1 tog = 0,645 clo
Imperialer R-Wert, hergeleitet aus den Einheiten:
1 m² = 10,76391 ft² (1 ft = 0,3048 m)
1 K = 1,8 °F (als Temperaturdifferenz)
1 W = 3,412142 BTU/h (1 BTU = 1055,05585 J)
R(US) = RSI × 10,76391 × 1,8 / 3,412142
= RSI × 5,678
Beispiel Isomatte mit R 5:
RSI = 5 / 5,678 = 0,881 m²K/W = 8,81 tog = 5,68 cloWarum ISO 9920 vor der naiven Umrechnung warnt
ISO 9920 definiert die Wärmeisolation genau so — als Widerstand gegen trockenen Wärmeverlust zwischen zwei Flächen in m²·K·W⁻¹. Sie hält aber zugleich fest, dass die Isolation einer Bekleidungskombination am Menschen nicht dasselbe bedeutet wie die einer Stoffprobe, auch wenn beide in derselben Einheit stehen.
Der Grund ist, was zwischen den Lagen liegt. Am Menschen gehören ruhende Luftschichten, Passform und Bewegung zur Messung dazu; an der Stoffprobe nicht. Eine Jacke mit demselben Laminat wärmt deshalb unterschiedlich, je nachdem wie sie sitzt — und zwei clo-Angaben sind nur vergleichbar, wenn sie dieselbe Art von Messung meinen.
Für Textilien misst ISO 11092 den Wärmedurchlasswiderstand als Rct an derselben beheizten Platte, die auch den RET-Wert liefert — die eine Zahl für trockene Wärme, die andere für Wasserdampf.
Abgrenzung: was der Widerstand nicht sagt
Er gilt für trockene Wärme und für den ruhenden Zustand. Sobald Wasser im Spiel ist, trägt er nicht mehr: Wasser leitet rund 23-mal besser als ruhende Luft, und schon geringe Feuchte hebt die Leitfähigkeit einer Faserdämmung deutlich an — mehr dazu unter Konduktion. Ebenso wenig erfasst er Wind, der die ruhende Luftschicht abträgt, oder Verdunstungskälte.

R-Wert: die Skala, die keine Norm einteilt
Wie der R-Wert gemessen wird, steht in ASTM F3340-22. Welcher Wert zu welcher Jahreszeit passt, steht dort nicht. Diese Einteilung stammt von Marken — und die sind sich nicht einig.
R 4,8 — der einzige Wert aus einer Norm
ISO 23537-1 prüft Schlafsäcke auf einer Matratze mit R_ct = (0,85 ± 0,06) m²·K/W, umgerechnet rund R 4,8. Die Komforttemperatur auf dem Etikett gilt nur mit dieser Unterlage. Eine Sommermatte mit R 1,5 betreibt den Sack außerhalb seiner Prüfbedingung — und eine Matte mit R 8 macht ihn nicht wärmer als damals, sie stellt die Bedingung wieder her.
Der aufgedruckte Wert ist imperial
Die Norm schreibt SI-Einheiten vor, die Marktangabe folgt dem imperialen Widerstand: R 5,7 sind rund 1,0 m²·K/W. Deutsche Ratgeber, die den Aufdruck als m²·K/W ausgeben, rechnen um den Faktor 5,7 falsch.
Gemessen wird eine Matte, liegend, neu
Wärmefluss senkrecht nach unten, gleichbleibender Anpressdruck, stationärer Zustand. Randverluste, Drehen im Schlaf und Alterung sind ausdrücklich nicht erfasst — das schreibt die Norm selbst.
Zwei Matten: Addieren ist Herstellerauskunft
Die Norm misst stets eine Matte und schließt Zusatzisolierung aus. „R-Werte addieren sich" sagen Hersteller; eine veröffentlichte Messung am Stapel gibt es nicht.
Alte Werte sind nicht einfach geschönt
Bei der Umstellung 2020 stiegen manche Werte (XLite 3,2 → 4,2) und andere fielen (Ether Light XT 3,8 → 3,2). Die Richtung ist uneinheitlich — gemessen wurde vorher anders, nicht durchweg großzügiger.
Prüfverfahren: ASTM F3340-22 (seit Juli 2022 gültig; die verbreitete Angabe „F3340-18" ist überholt). Die vier Einteilungen stammen von Marken, einer Fachredaktion und — bei der untersten — aus keiner auffindbaren Quelle. Eine Umrechnung von R-Werten in Außentemperaturen gibt es nicht; wo sie im Netz steht, ist sie ein Faustwert ohne Herkunftsnachweis.

Und er ist keine Temperaturangabe. Aus einem R-Wert folgt keine Grenztemperatur, aus einem clo-Wert keine Komfortzahl: Beide beschreiben eine Schicht, nicht einen Menschen in einer Nacht. Was ein Schlafsack leistet, bestimmt die Prüfung nach ISO 23537-1 am ganzen System aus Sack, Matte und Schläfer.

